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Feudenheim: Kompromissvorschlag der Verwaltung zur Erneuerung der 71 Gaslaternen stößt auf wenig Gegenliebe

„Wir wollen es gar nicht heller“

Archiv-Artikel vom Freitag, den 08.04.2011

Von unserem Redaktionsmitglied Dirk Jansch

Die Feudenheimer hängen an ihren Gaslaternen. Obwohl Markus Roeingh vom Fachbereich Straßenbetrieb und Grünflächen sowie Vertreter von der MVV Energie die ökologischen und finanziellen Vorteile moderner Straßenleuchten gegenüber den alten Gaslampen aufzeigten und einen Kompromiss anboten, möchten die betroffenen Bewohner ihre Gaslaternen gerne behalten. "Das hat Charme, Atmosphäre, Wohlfühlfaktor und ein emotionales Element", argumentierte Gerhard Weber, Bewohner am Sonnigen Hang, und übergab 424 Unterschriften an Stadträtin Lena Kamrad, die die Sitzung leitete.

Schon 2002, als Überlegungen aufkamen, die 71 Gaslaternen in Feudenheim durch moderne, elektrische Straßenleuchten zu ersetzen, hatte sich eine Initiative gegründet, die sich für den Erhalt der historischen Gaslaternen einsetzte. "Damals haben wir 91 Unterschriften überreicht", erinnerte Weber. Angesichts der Tatsache, dass Städte wie Warschau, Prag, Berlin oder Schaffhausen zur Gasbeleuchtung zurückkehrten forderte der Sprecher die Verwaltung auf, "keinen kalten technokratischen Akt zu vollziehen, sondern den Dialog mit den Bürgern zu suchen."

Die größte Fürsprecherin im Bezirksbeirat haben die Gaslaternenliebhaber in Ingeborg Lutz (CDU), selbst Anwohnerin am Sonnigen Hang, gefunden. Sie warf der Stadtverwaltung, immer wieder begleitet vom Applaus der Bürger, einen Akt von blindem Aktionismus ohne jegliche Verhältnismäßigkeit vor. Statt die 71 Feudenheimer Gaslaternen umzurüsten, könnte man effektivere Energiesparmaßnahmen ergreifen. "Warum werden die 33 000 alten Elektrolampen in Mannheim nicht zuerst ersetzt?" fragte Lutz, die sich anschließend von ihrem Ratskollegen Joachim Kamrad (SPD) den Vorwurf gefallen lassen musste, in der nicht-öffentlichen Sitzung vor drei Wochen noch für die Verwaltungsvorlage gestimmt zu haben.

Diese sieht die Umrüstung der Gaslaternen auf energieeffiziente Stadtbeleuchtung vor und bietet als Kompromisslösung an, zumindest die Laternen am Eberbacher Platz und im Feudenheimer Grün in ihrer historischen Optik zu belassen, allerdings auch dort zu elektrifizieren. Gleiches habe man schon in der Oststadt praktiziert, sagte Roeingh, der sich nicht erinnern konnte, in anderen Stadtteilen auf ähnlich großen Widerstand gestoßen zu sein. Im Gegenteil: Bernd Grabinger, Leiter Sachgebiet Verkehrseinrichtungen und Straßenbeleuchtungen, sprach von breiter Zustimmung in Käfertal, Sandhofen und Pfingstberg.

Mit ihrer Vorlage beruft sich die Stadt auf die 2009 EG-weit erlassene Ökodesign-Richtlinie. Danach sollen schlechte Lampen "ausgephast" und durch moderne, energieeffiziente Straßenleuchten ersetzt werden. Die Vorteile eines Austauschs liegen für die Stadt auf der Hand: höhere Energieeffizienz, niedrigere Kosten dank längerer Wartungsintervalle, bessere Lichtausbeute und Ausleuchtung der Straßen und damit erhöhte Sicherheit, weniger CO²-Ausstoß. Die zum Teil 60 Jahre alten Masten und Leuchten müssten sowieso erneuert werden, wie Grabinger betonte: "Die Gasleuchten, die in Feudenheim stehen, sind am Ende ihrer Lebensdauer und können auch nicht mehr repariert werden."

Doch solche Argumente wollen die Gaslaternenbefürworter nicht gelten lassen. Während Ingeborg Lutz vom unverwechselbaren, Stadtbild prägenden Charakter dieses erhaltenswerten Kulturguts sprach, sagte Anwohnerin Ulrike Beck klipp und klar: "Wir brauchen keine Beleuchtung wie auf dem Flughafen. Wir wollen es gar nicht heller haben." Dr. Steffi Escher wünschte sich eine transparentere Kostenaufstellung. Sie zweifelte die Verhältnismäßigkeit der Investitionen für die Erneuerung der Gaslaternen gegenüber den tatsächlichen CO²-Einsparungen an.

Die Stadt schlägt drei Laternenvarianten vor. Der "normale" Typus würde samt Installation 2000 Euro kosten, das historisch nachempfundene Modell käme auf 5000 Euro. Markus Roeingh bot an, die drei Modelle vorab zu installieren und den Bewohnern im Betrieb vorzustellen. Unterschiedliche Beleuchtungstypen nach einzelnen Straßenzügen seien aber nicht möglich. Grabinger versprach: "Wir werden Leuchten aufstellen, die das Licht auf die Straße bringen, und wir werden Natriumlampen einsetzen, die ähnlich gelb leuchten wie die heutigen."

© Mannheimer Morgen, Freitag, 08.04.2011

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