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"MM"-Debatte:

Was leistet unser Pflegesystem, Herr Weidner?

Archiv-Artikel vom Samstag, den 31.12.2016

Von Frank Weidner

Dauerbaustelle Pflege: Verbesserungen sind nicht zum Nulltarif zu haben – und genau deshalb in der Politik so schwer zu erreichen. Nach der Reform ist vor der Reform, sagt Pflegewissenschaftler Frank Weidner. Ein Gastbeitrag.

Eins der größten Probleme in der Pflege ist der Fachkräftemangel: Was tun, wenn zu wenige Menschen bereit sind, sich um alte und hilfsbedürftige Menschen zu kümmern?

© dpa

Nun kommt er also endlich, der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff in der Pflegeversicherung. Es wird sich herumgesprochen haben, dass ab 2017 Pflegebedürftige nicht mehr in drei Pflegestufen, sondern in fünf Pflegegraden eingestuft werden. Damit einher geht eine bessere Berücksichtigung von kognitiven (Funktionen, die mit Wahrnehmung, Denken, Lernen zu tun haben) Einschränkungen, was sich insbesondere für Betroffene, die unter Demenz leiden, positiv auswirken soll. Sie sollen bei den Begutachtungen durch den Medizinischen Dienst nun angemessener beurteilt werden können.

Ferner sind von der Bundesregierung mittels mehrerer Reformschritte noch weitere Verbesserungen rund um die Pflege auf den Weg gebracht worden. So sind Geld- und Sachleistungen für Pflegebedürftige aufgestockt worden und mehr Betreuungsangebote und -kräfte können nun mit Geld aus der Pflegeversicherung bezahlt und eingesetzt werden. Auch soll die Pflegeberatung durch eine größere Verantwortung der Kommunen verbessert werden. Dies soll den Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen zugutekommen. Ist damit alles gut in der Pflege? Mitnichten, denn die ganze Sache hat eine gewaltige Schieflage.

Zwar sind mit den Pflegereformen in den vergangenen Jahren die Leistungsansprüche der Versicherten durchaus verbessert worden, aber die Frage, wer denn diese Leistungen zukünftig unter welchen Bedingungen erbringen soll, ist weitgehend unbeantwortet geblieben. Denn abgesehen vom Ausbau der Anzahl an gering qualifizierten Betreuungskräften leidet Deutschland unter einem inzwischen als verheerend zu bezeichnenden Fachkräftemangel in der Pflege. Unterschiedlichen Schätzungen zufolge fehlen heute schon rund 100 000 Kranken- und Altenpfleger. Prognosen für die nächsten Jahre verheißen auch nichts Gutes. Bis 2030 soll sich der Fachkräftemangel sogar auf bis zu 500 000 Fachkräfte vervielfachen. Die schönen Pflegereformen der Bundesregierungen laufen somit Gefahr, leere Versprechungen zu werden, wenn letztendlich immer weniger Menschen bei uns bereit sind, den Pflegeberuf zu erlernen, und die, die ihn erlernt haben, wegen unzumutbarer Rahmenbedingungen in Scharen davonlaufen.

Frank WEidner

Prof. Dr. Frank Weidner ist Direktor des Deutschen Instituts für angewandte Pflegeforschung in Köln.

Er hat einen Lehrstuhl für Pflegewissenschaft an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar bei Koblenz inne.

Weidner, 1962 in Marl in Westfalen geboren, ist außerdem berufserfahrener Gesundheits- und Krankenpfleger.

2013 erhielt er den Deutschen Pflegepreis vom Deutschen Pflegerat.

Internet: www.fweidner.de; www.dip.de

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Pflegereform

Zum 1. Januar 2017 ändert sich durch das Pflegestärkungsgesetz II einiges. Das Wichtigste:

Die Einstufung in die Pflegestufen 0 bis 3 ist Vergangenheit. Künftig gelten die Pflegegrade 1 bis 5.

Menschen, die bereits eine Pflegestufe haben, wird automatisch der neue Pflegegrad zugewiesen.

Das Bundesgesundheitsministerium sichert allen Pflegebedürftigen einen Bestandsschutz für ihre derzeitigen Leistungen zu. tö

Es hat zwar in den vergangenen Jahren eine Reihe von Initiativen und Offensiven von Bund, Ländern und Arbeitgebern gegeben, beispielsweise Fachkräfte aus dem Ausland anzuwerben. Aktuell wirbt die Bundesagentur für Arbeit um philippinische Pflegekräfte. Auch wurden große Umschulungsprogramme aufgelegt. Viele werden sich noch an die sogenannten "Schlecker-Frauen" erinnern, die im großen Stile für den Pflegesektor gewonnen werden sollten. Fakt ist aber, dass der Fachkräftemangel sich trotz derartiger Aktionen immer weiter verschärft hat und sich die Erkenntnis langsam durchsetzt, dass die Hausaufgaben hierzulande und wohl grundsätzlicher erledigt werden müssen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat es in einer ihrer letzten Videobotschaften des Jahres kurz vor Weihnachten selbst angesprochen. Sie hat darin nicht zum ersten Mal den Pflegekräften Respekt gezollt für ihre Bereitschaft, die anstrengende Arbeit in der Pflege und die damit verbundene Verantwortung zu übernehmen. Das sieht auch ein Großteil der Bevölkerung so, die bei Befragungen nach den Berufen mit dem höchsten Ansehen und Vertrauen in der Bevölkerung, die Krankenschwester regelmäßig neben Feuerwehrleuten und Ärzten auf einen der drei ersten Plätze wählen. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Fragt man Eltern, ob sie ihren Kindern raten würden, einen Pflegeberuf zu ergreifen, sieht die Sache schon ganz anders aus. Da fällt den meisten gleich ein, dass ja die Arbeitsbedingungen und die Bezahlung in der Pflege gar nicht so rosig sind.

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