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Mittwoch, 23.05.2012

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Justiz-Marathon: Öffentlichkeit vorübergehend vom Prozess gegen Harry Wörz vor dem Mannheimer Landgericht ausgeschlossen:

Zwei Ehen und ein bitteres Ende

Carmen Trommler

Mannheim. Auch nach sechs Verhandlungstagen liegt die Wahrheit des 29. April 1997 noch immer verborgen. Wessen Hände zogen damals in Birkenfeld bei Pforzheim an dem Schal, der Andrea Z. minutenlang die Luft zum Atmen raubte? Ihrem Ex-Mann Harry Wörz wird dafür versuchter Totschlag vorgeworfen. Seit zwölf Jahren bestreitet er die Tat, für die er bereits einmal rechtskräftig verurteilt, einmal aus Mangel an Beweisen frei gesprochen wurde. Das Mannheimer Landgericht muss in einem dritten Verfahren klären, ob Harry Wörz der Täter ist oder nicht.

Wirrwarr um betrogene Liebe

Bei allen Irrungen und Wirrungen, die diesen Fall prägen, ist doch eines klar: Es sind zwei Ehen, die im Frühjahr vor zwölf Jahren ihrem Ende entgegenschlittern. Das haben die Aussagen vor Gericht deutlich gemacht. Und in beiden spielt Andrea Z. eine Rolle. Von ihrem Mann Harry Wörz lebt die Polizeibeamtin damals seit einem Jahr getrennt. Die Beziehung war gescheitert. Andrea hatte Wörz verlassen, wollte das alleinige Sorgerecht für den gemeinsamen Sohn Kai beantragen. Die Scheidung steht im April 1997 kurz bevor. Der junge Vater sieht seinen kleinen Sohn nur noch jedes zweite Wochenende.

Ein anderer Vater hingegen kann sich nicht recht entscheiden zwischen seiner Familie und der jüngeren Kollegin. Thomas H. arbeitet auf dem selben Revier, soll Andrea als sogenannter Bärenführer zur Polizeihauptmeisterin ausbilden. Doch immer öfter verbringt er auch seine Freizeit mit ihr, betrügt schließlich seine Ehefrau Daniela. Monatelang geht das so und hinterlässt tiefe Wunden bei der Betrogenen. "Am Schluss war er so gut wie täglich bei Andrea", hatte Wolfgang Z., der Vater von Andrea, in seiner Aussage vergangene Woche bestätigt und Daniela als "unausgeglichene, aufgeregte Person" beschrieben.

Gestern nun kommt die 52-Jährige, die sich inzwischen von Thomas H. hat scheiden lassen, selbst zu Wort. Doch die Öffentlichkeit darf daran nicht teilhaben. Ihr Rechtsbeistand beantragt deren Ausschluss, was der Vorsitzende Richter Rolf Glenz zugesteht, "zum Schutz der Intimsphäre der Zeugin."

Dabei hatte Daniela H. all die Details bereits 2005 unter Tränen den Mannheimer Richtern vorgetragen. Hatte über ihre zerrüttete Ehe berichtet, von ihrer Hoffnung auf ein gutes Ende, die sie nicht fahren lassen wollte, von der Versöhnung just in der Tatnacht und davon, dass sie in jenen Stunden kurz nach der Tat erstmals wieder mit ihrem Mann intim wurde, seit Monaten das erste Mal. Thomas H. habe neben ihr gelegen in jener Nacht. Dass er zwischendrin aufgestanden sei, konnte die Schwerhörige gestern nicht ausschließen.

Jahrelang hält Daniela am Alibi ihres Mannes fest, doch sie litt schwer unter dessen Beziehung zu Andrea, bestätigte dem Gericht am Donnerstag jedenfalls eine damalige Freundin der 52-Jährigen. Die Krise zwischen den Eheleuten muss sich ihren Angaben zufolge in den Tagen vor der Tat im April 1997 deutlich zugespitzt haben. Daniela soll mit Scheidung gedroht haben. Auch die Kinder litten. Einmal soll die gemeinsame Tochter Thomas H. eingeschlossen haben, damit ihr Vater nicht zur Geliebten fährt. Doch der Polizist habe die Tür im eigenen Haus zertrümmert, um zu Andrea zu gelangen. Kurz vor der Tatnacht habe die 13-jährige Tochter die Freundin erneut zu Hilfe gerufen. Als diese eintrifft, soll Daniela am Boden gelegen haben. Der Nervenzusammenbruch seiner Frau hatte Thomas H. auch an jenem Tag nicht am Besuch bei der Geliebten gehindert.

All das wurde erstmals vor Gericht bekannt. Doch warum hat man die Zeugin nicht schon in den ersten beiden Prozessen zur Aussage geladen? "Wieder etwas, was die Pforzheimer Polizei verdecken konnte", meint Hubert Gorka, langjähriger Verteidiger von Harry Wörz. Der Prozess wird am 12. Mai fortgesetzt.

© Mannheimer Morgen, Samstag, 09.05.2009

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