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Donnerstag, 24.05.2012

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Serie: Zunehmender Wettbewerb durch Versandhandel und Internet-Angebote wirbelt Apothekenmarkt durcheinander

Zwischen Risiko und Nebenwirkung

Von unserem Redaktionsmitglied Dagmar Unrecht

Mannheim. Samstags ist der Unterschied besonders deutlich. Während Haydar Akin, Apotheker aus Neustadt an der Weinstraße, früher allein in seiner Bacchus-Apotheke etwas abseits der Innenstadt stand, kümmern sich inzwischen am Wochenende vier bis fünf Mitarbeiter um die Kunden. Seit Dezember 2007 hat der Apotheker aus der Pfalz umgestellt: Er betreibt eine klassische Vor-Ort-Apotheke, kooperiert aber zugleich mit der apo-rot Versandapotheke aus Hamburg. Seither bietet er viele frei verkäufliche Arzneimittel günstiger an als seine Kollegen.

"Wir geben die Rabatte des Großhandels weiter", sagt Akin. Kunden könnten zum Beispiel ihre Medikamente im Internet bestellen und dann in Neustadt abholen, versandkostenfrei. Innerhalb von zwei Jahren konnte der 42-Jährige nicht nur seinen Umsatz, sondern auch die Zahl seiner Mitarbeiter und die der Kunden verdoppeln. Während die Apotheke, die in einem Ärztehaus untergebracht ist, früher vor allem von Rezepten lebte, kommt inzwischen auch viel Laufkundschaft vorbei. Bei den Apothekenkollegen am Ort stößt das Konzept daher auf wenig Begeisterung.

Dieser Unmut ist keine Überraschung, denn der Apothekenmarkt in Deutschland ist heftig umkämpft. Mehr als 39 Milliarden Euro Umsatz machte die Branche im vergangenen Jahr. Vor allem der Versandhandel sorgt für Wirbel, denn immer mehr rezeptfreie, aber apothekenpflichtige Medikamente gelangen auf diesem Vertriebsweg zum Kunden. Die Ausgabe verschreibungspflichtiger Arzneimittel, die überall den gleichen Preis haben, ist dagegen fast ausschließlich in der Hand der rund 21 600 Apotheken vor Ort.

In Deutschland darf nur ein ausgebildeter Pharmazeut eine Apotheke führen und bis zu drei weitere Filialen betreiben. Seit 2004 können Apotheker darüber hinaus eine Versandhandelserlaubnis erwerben. Sämtliche Arzneien für Menschen - nicht jedoch für Tiere - dürfen hierzulande per Post verschickt werden. Selbstmedikationsmittel, also zum Beispiel Schmerzmedikamente oder Arzneien gegen Erkältungskrankheiten, bilden beim Versandgeschäft den Schwerpunkt. Tendenz steigend. Schätzungen gehen davon aus, dass acht bis zehn Prozent der frei verkäuflichen Arzneimittel inzwischen verschickt werden. Nach Auskunft der Bundesvereinigung Deutscher Apothekenverbände haben mehr als 2000 Apotheker in Deutschland eine Versandhandelserlaubnis, doch nur 20 bis 30 betreiben das Geschäft in größerem Umfang.

Darüber hinaus schalten sich immer mehr Drogerien in das Geschäft mit rezeptfreien Arzneimitteln ein und bieten einen Bestell- und Abholservice, sogenannte Pick-up-Stellen, an. Wegweisend dafür war das "dm-Urteil" des Bundesverwaltungsgerichts Leipzig: Im März 2008 hatte es entschieden, dass Versandapotheken ihre Arzneimittel nicht direkt an Kunden verschicken müssen, sondern auch an eine Abholstation (Pick-up) versenden dürfen. Seither gibt es solche Abholstellen nicht nur in Drogeriemärkten, sondern auch an Tankstellen oder in Blumenläden - natürlich ohne Beratung. Das ist nicht nur den Apothekenverbänden, sondern auch der Bundesregierung ein Dorn im Auge. Laut Koalitionsvertrag will sie diese Pick-up-Stellen in Zukunft verbieten.

Der Gründung von Apothekenketten hat der Europäische Gerichtshof dagegen im vergangenen Jahr einen Riegel vorgeschoben. Anlass für dieses Urteil war die Internet-Apotheke DocMorris. Sie kann daher in Deutschland nur Kooperationen mit niedergelassenen Apothekern eingehen.

Der Einstieg in das Versandhandelsgeschäft war für den Neustadter Apotheker Haydar Akin "eine Überwindung". Nur ungern lasse er sich "auf den Preis reduzieren", denn die Verantwortung sei unverändert hoch. "Wir sind noch immer eine Vollapotheke, wir beraten genauso, und unsere Medikamente haben die gleiche Qualität wie in anderen Apotheken", betont Akin. Die günstigeren Preise müssten jedoch durch mehr Zuspruch von Kunden kompensiert werden. Bisher geht das Konzept auf, auch wenn er sich bei seinen Apothekerkollegen in Neustadt damit keine Freunde gemacht hat: "Zum Stammtisch", sagt der 42-Jährige, "gehe ich nicht mehr."

© Mannheimer Morgen, Dienstag, 25.05.2010

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    Quelle: Deutsche Bank / Realtime Indikation

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