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Expertentipp

Zwangsversteigerung

Archivartikel

Probleme mit dem Alteigentümer - Kurzinterview mit Jürgen Grether, Geschäftsführer von immobilienpool.de

immomorgen.de: Nicht immer verläuft die Übergabe des Versteigerungsobjekts unter Mitwirkung des Alteigentümers so optimal, wie sie es vor kurzem beschrieben haben.

Grether: Ja, wer sein Eigentum durch die Zwangsversteigerung verliert, ist bestimmt nicht erfreut über die aktuelle Situation. Manche Schuldner sind überaus verärgert, verbittert und wütend: auf die Banken, auf Geschäftspartner, enttäuscht von den Menschen und hilflos gegenüber der Ausweglosigkeit, in der sie sich momentan befinden. Sie sind dann nicht bereit, anderen in irgendeiner Weise entgegen zu kommen. Der Schuldner denkt oft, dass jeder Tag, wo er noch in den „eigenen“ vier Wänden bleiben kann, für ihn ein gewonnener Tag ist.

immomorgen.de: Der Schuldner probiert also so lange zu bleiben wie möglich?

Grether: Richtig, deshalb ist dem Neueigentümer anzuraten zuerst einmal alle notwendigen Schritte umgehend einzuleiten, damit er sein neues Eigentum baldmöglichst rechtmäßig in Besitz nehmen kann. So hat der alte Eigentümer nach Aufforderung durch den neuen das Objekt zu verlassen. Diese Aufforderung muss unter Einhaltung einer bestimmten Frist schriftlich ausgesprochen werden. Kommt er dieser Aufforderung nicht nach, so hat der neue Eigentümer ein grundsätzliches Recht auf Räumung und Herausgabe. Dies muss im äußersten Fall im Wege der Zwangsvollstreckung durch eine Zwangsräumung durchgesetzt werden.

immomorgen.de: Und das kann dauern.

Grether: Mit einer Räumungsklage sind nicht nur zeitliche Verzögerungen sondern auch immer Unannehmlichkeiten und unnötige Geldausgaben verbunden. Je nach Sachstand gehen schnell einige Monate oder mehr ins Land und viele Tausend Euro verloren. Deshalb ist jedem neuen Eigentümer einer Versteigerungsimmobilie anzuraten, parallel zu den rechtlichen Maßnahmen auch Kontakt mit dem Alteigentümer aufzunehmen. Im persönlichen Gespräch wird schnell klar, ob es eine gemeinsame Lösung gibt, die besser ist als die Zwangsräumung. Wenn jede Seite versucht etwas Verständnis für den anderen aufzubringen sollte das kein Problem sein.

immomorgen.de: Miteinander reden ist oft der bessere Weg. Viele Objekte sind aber auch vermietet, wie sich die Rechtslage dann darstellt, darüber mehr beim nächsten Mal.