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Ein liebevolles Zuhause auf Zeit

Archivartikel

Hospiz Schwester Paterna: Vor sechs Monaten wurde die Einrichtung in Viernheim eröffnet. 

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Sechs Monate sind seit der Eröffnung des Hospiz Schwester Paterna in Viernheim vergangen. Ein guter Zeitpunkt, um einen Blick ins Innere zu werfen.

Als Erstes fällt dem Besucher beim Betreten des Hauses die Weite im Hospiz auf – hohe Decken, eine schöne Kapelle im Eingangsbereich und lichtdurchflutete Räume. Das Hospiz kann zehn Gäste beherbergen, wobei jeder Gast von seinem Zimmer aus Zugang auf eine eigene Terrasse hat.

Im Hospiz Schwester Paterna wird die Möglichkeit geschaffen, den Gästen ein Zuhause auf Zeit zu bieten. Die Autonomie und Selbstbestimmtheit jedes Einzelnen steht im Mittelpunkt des Handelns. So ist der Wohnbereich auch der lebendige Mittelpunkt des Hospizes, in dem gegessen, gekocht, geredet und gespielt wird. Die ersten Sonnenstrahlen wurden von vielen Gästen auch schon auf der Sonnenterrasse genossen. Man saß zusammen, nahm das Mittagessen unter freiem Himmel ein. Da darf es dann auch ein Gläschen Sekt für die Gäste sein. Erlaubt ist, was gut tut. Hospize verstehen sich, anknüpfend an die Historie, als Herbergen, die es Gästen ermöglichen, ihren Lebensabend in Würde und Selbstbestimmung bis zuletzt zu verbringen. Wenn die Angebote der ambulanten Betreuung nicht mehr ausreichend sind, bietet ein Hospiz einen Ort, an dem Pflege und Betreuung der Schwerstkranken und Sterbenden übernommen werden. Respekt, Akzeptanz und Würde bis zuletzt sind im Hospiz keine leeren Worte, sondern können tatsächlich gelebt werden. Die Gäste erfahren Pflege und Betreuung, die nicht nur die körperliche Symptomkontrolle und palliative Pflege, sondern auch psychische, soziale und spirituelle Bedürfnisse erfasst.

Um den Gast ganzheitlich zu betreuen, arbeitet im Viernheimer Hospiz ein multiproproffessionelles Team, das alle Facetten berücksichtigen kann. Seelsorge, Musiktherapie, Atemtherapie und bei Bedarf Krankengymnastik bieten eine wunderbare Ergänzung zur palliativen Pflege und ärztlichen Betreuung.

Ein weiterer wichtiger Baustein in einem Hospiz ist das ehrenamtliche Engagement. Die Beteiligung kann dabei sehr vielfältig und individuell aussehen. Vielleicht mag mancher gemeinsam mit den Gästen backen, der andere vielleicht eher bei einem Spaziergang begleiten oder die Haare frisieren. Alle Ehrenamtlichen werden bei ihrer Tätigkeit eng begleitet und absolvieren im Vorfeld ein Seminar als Hospizhelfer. Allerdings gibt es auch noch weitere Voraussetzungen, die gegeben sein müssen, wie die Bereitschaft, sich mit Tod und Sterben auseinanderzusetzen, der respektvolle Umgang mit den Sterbenden und ihren Angehörigen sowie die Fähigkeit, sich selbst zurücknehmen zu können. Das Ehrenamt findet nun auch endlich seinen Platz im Hospiz Schwester Paterna, und das Team freut sich schon sehr, wenn die ersten Ehrenamtlichen ihre Arbeit aufnehmen.

Wie sieht ein Tag im Hospiz Schwester Paterna aus?

Wo liegen die Unterschiede im Tagesablauf zu einem Pflegeheim oder Krankenhaus? Schon der Start in den Tag sieht anders aus. Jeder Gast beginnt den Tag individuell, wie er es von zu Hause gewohnt ist und seine Tagesform es erlaubt. Während der eine vielleicht gerne bis halb zwölf schläft und dann im Bett einen Kaffee trinkt, ist der andere schon früh wach und möchte noch vor dem Frühstück Unterstützung bei der Pflege bekommen. Das multiprofessionelle Team stellt sich auf die Wünsche und Bedürfnisse der Gäste ein, denn sie bestimmen über den Tagesablauf. Alle Handlungen werden gemeinsam mit den Gästen entschieden. Es wird versucht, die Normalität und die Eigenständigkeit solange wie möglich aufrecht zu erhalten. Was heute noch gut tut, kann morgen schon wieder unangenehm sein, denn die Erkrankung und Symptome können die Tagesform der Gäste stark beeinflussen. Pflegekräfte, Ärzte und Therapeuten entscheiden gemeinsam mit den Gästen über die Behandlung ihrer Erkrankung. Um die Gäste bestmöglich betreuen und einen Verbleib bis zuletzt ermöglichen zu können, steht in Krisensituationen Tag und Nacht ein Arzt zur Verfügung. Trotz des unterschiedlichen Tagesablaufs der Gäste ist die Küche der Dreh- und Angelpunkt. Auch wenn für viele Menschen am Lebensende Essen und Trinken an Bedeutung verloren haben, steht das soziale Miteinander im Vordergrund. Denn Essen ist mehr als „nur“ Essen und kann auch Teilhabe, Lebensqualität und Gemeinschaft bedeuten. Vieles wird möglich gemacht, um die Wünsche der Gäste zu erfüllen. Sofern gewünscht, ist ein Besuch zu jeder Tages- und Nachtzeit möglich. Darin spiegelt sich auch der Wunsch nach einem lebendigen Haus wider.

Was bewegt Menschen, hier zu arbeiten?

„Gerne möchte ich die Gäste in ihrer letzten Lebensphase begleiten und ihnen Geborgenheit, Verständnis und Liebe anbieten. Worte, Gebete, Gespräche – das anbieten, was sie benötigen. Einfach für sie da sein“, sagt eine Mitarbeiterin aus dem Hospiz Schwester Paterna. Eine Frage, mit der sich Menschen, die in einem Hospiz arbeiten, häufig konfrontiert sehen ist „wie kannst Du das?“. Wenn im Bekanntenkreis die Frage aufkommt, wo man denn arbeitet und die Antwort „im Hospiz“ lautet, herrscht häufig erst einmal betretenes Schweigen, gefolgt von „das könnte ich nicht“ oder „wie kannst Du das?“. Aber die Entscheidung, im Hospiz zu arbeiten, trifft man bewusst. Es ist Zeit für die kleinen, individuellen Dinge. Den Menschen in den Fokus der Versorgung zu stellen und ihn ganzheitlich zu betreuen. Zusätzlich ist die Richtung der Betreuung im Hospiz klar, das vereinfacht vieles. Und natürlich muss die Zusammenarbeit im Team stimmen. Das junge Team im Hospiz Schwester Paterna fand sich komplett neu zusammen, aber noch immer gibt es offene Stellen. Bewerbungen von examinierten Pflegekräften, gerne mit Erfahrungen in der Palliativpflege, sind willkommen.

Welche Voraussetzungen müssen für eine Aufnahme ins Hospiz gegeben sein?

Bevor ein schwerkranker oder sterbender Mensch in ein Hospiz zieht, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden. Natürlich sollte alles versucht werden, um dem Menschen das Sterben in einer vertrauten Umgebung zu ermöglichen. Wenn aber für diese Lösung alle ambulanten Hilfsangebote ausgeschöpft sind und nicht mehr ausreichen, ist die Aufnahme in ein Hospiz eine Option.

Allerdings müssen dafür auch bestimmte Kriterien erfüllt werden, die gesetzlich festgelegt sind. Hier heißt es, dass die Erkrankung des Menschen unheilbar und bei fortschreitendem Verlauf zum Tode führt. Die Lebenserwartung ist hierbei auf wenige Monate oder Wochen begrenzt. Beispiele hierfür können fortgeschrittene Krebserkrankungen oder Krankheiten des Nervensystems sein. Zudem muss der Gast auch die palliative Betreuung in einem Hospiz ausdrücklich wünschen. Sind diese Kriterien erfüllt, wird vom behandelnden Arzt die Hospizpflegebedürftigkeit bescheinigt. Allerdings sind die Plätze in Hospizen rar. Aktuell gibt es in Hessen 23 Einrichtungen. Viernheim konnte somit mit dem Bau des Hospiz Schwester Paterna einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Versorgung leisten. Allerdings kann auch hier mit zehn Plätzen der Bedarf nicht gedeckt werden. Nicht immer ist es möglich, dem Wunsch einer Aufnahme zeitnah nachzukommen. So kann es auch sein, dass auf einen Platz gewartet werden muss. imp