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Im Test Mit dem Flaggschiff A8 nimmt Audi wieder Kurs auf 7er BMW und Mercedes S-Klasse / 48-Volt-Bordnetz macht den Diesel zum Hybrid

Üppig – und doch federleicht zu fahren

Archivartikel

Von unserem Redaktionsmitglied

Stephan Eisner

Ingolstadt. 30 Jahre ist es her. Da wagt Audi mit dem V8 den ganz großen Sprung – in die Oberklasse. Von der Konkurrenz anfangs belächelt, gelingt den Ingolstädtern, was dem Mutterkonzern VW mit dem Phaeton verwehrt bleibt: Das inzwischen A8 genannte Modell ist eine feste Größe zwischen der Mercedes S-Klasse und dem 7er von BMW. Audi hat nachgelegt und für Vorstandsmitglieder, die auch gerne selbst einmal das Lenkrad in die Hand nehmen, eine gradlinige und schicke Variante auf den Markt gebracht.

Wie es sich für ein ordentliches Oberklassemodell gehört, fallen die Dimensionen der Karosserie üppig aus. Fast 5,20 Meter Länge müssen erstmal in eine Parklücke bugsiert werden – was dank der elektronischen Helferlein spielerisch funktioniert. Auf dem Supermarktparkplatz allerdings ragt die Limousine deutlich aus der Lücke heraus.

Auffallend ist: Während der Fahrt tritt die schiere Größe nahezu völlig in den Hintergrund. Federleicht lässt sich der A8 dirigieren, die famose Luftfederung schafft es, sänftengleich Bodenwellen glattzubügeln – und pfeilschnell umzuschalten, wenn der Steuermann beschließt, eine Kurve einmal schwungvoller zu nehmen. Die mitlenkenden Hinterräder reduzieren den Radius noch einmal deutlich. Das ist großes Kino und zeichnet ein Spitzenmodell aus, an dem vieles an Innovationen Einzug hält, was später einmal der Großserie zu Gute kommt.

Wer das Glück hat, sich einen A8 – der Testwagen kommt auf einen Gesamtpreis von rund 130 000 Euro – leisten zu können, möchte natürlich herrschaftlich reisen können. Dazu tragen auch perfekt geformte Sitze und eine schöne Bewegungsfreiheit bei. Frankfurt, Hamburg oder Berlin? Keine Angst vor langen Strecken! Zumal Tankpausen mit dem im Testwagen verbauten Drei-Liter-Diesel eher sporadisch ausfallen. Zwar liegt zwischen der Werksangabe mit 5,6 Litern und der Realität doch eine Lücke von zwei Litern – wenn allerdings vor 30 Jahren jemand erzählt hätte, dass ein Nachfolger des V8 einmal mit unter acht Litern zügigst durch die Lande schwebt, hätte man ihn vermutlich eingefangen. Begünstigt wird der niedrige Verbrauch durch das 48-Volt-Bordnetz samt Riemenstarter-Generator und Lithium-Ionen-Batterie, das ihn zum sogenannten Mild-Hybrid macht.

Kaum Schalter und Knöpfe

Das Diesel-Aggregat verrichtet seine Arbeit – perfekt gedämmt – kaum wahrnehmbar. Lediglich, wenn es etwas munterer zur Sache gehen soll, knurrt es ein wenig. Rollt der A8 einmal, hängt der Dreiliter überaus willig am Gas. Dennoch plagt den A8 eine deutliche Anfahrschwäche, bevor er vehement losstürmt. An der butterweich schaltenden Acht-Gang-Tiptronic liegt die Verzögerung wohl nicht, denn gefühlt hat sie immer den richtigen Gang parat.

Innen zeigt das Audi-Flaggschiff klare, strenge Linien. Schalter und Knöpfe? Fast Fehlanzeige. Dafür gibt es zwei Bildschirme. Der eine verhilft beispielsweise zur richtigen Temperatur, der obere malt grafisch sehr hochwertig das Kartenmaterial des Navis auf. Griffige Lederbezügen, Alcantara-Tapezierungen und offenporigen Holzdekors runden das Gesamtbild positiv ab.

Die Nacht zu Tag machen die LED-Matrix-Scheinwerfer mit blendfreiem Fernlicht, das Geraden, Kurven und Kreuzungen illuminiert. Wie mit einem Vorhang wird der Gegenverkehr vor Blendung verschont und das Laserlicht lässt anschließend gefühlte kilometerweit Helligkeit erstrahlen. Apropos erstrahlen: Wer auf den Audi A8 von hinten zuläuft und ihn öffnet, dem bietet sich ein Lichtspiel der Rückleuchten. Wieder einmal großes Kino. Und die Konkurrenz lächelt inzwischen nicht mehr – aber der Fahrer freut sich über den netten Empfang.