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BMW X3: Meister der Dynamik

Als BMW seinen X3 vor 15 Jahren ins Rennen schickte, drehte er noch einsam seine Runden. Den Markt der sogenannten Mid-Size-SUV hatte man 2003 noch für sich alleine. Selbst der Begriff Sport Utility Vehicle brannte sich gerade erst ins Bewusstsein der Kundschaft ein, weshalb man in der bayerischen Marketingzentrale sogar glaubte, man könne für den besonders sportlich konzipierten X3 den Begriff "Sport Activity Vehicle" als Markenzeichen etablieren. Jetzt steht bereits die dritte Generation des BMW-Bestsellers bei den Händlern. Am Konzept hat sich nichts geändert: Der X3 soll unter den SUV seiner Größe den Maßstab für ausgeprägte Dynamik abgeben. Er soll sich agiler fahren als alle Konkurrenten und dabei vergessen machen, dass das Fahrwerk mit dem X3-Kampfgewicht von fast zwei Tonnen in jeder Situation komfortabel und sicher umgehen soll.

Der technische Aufwand, der hierfür getrieben wird, ist mit dem Generationswechsel noch einmal angestiegen. BMW hat viel Entwicklungsarbeit in das Projekt "X3" gesteckt, um an Vorder- (Doppelgelenk-Zugstrebe) und Hinterachse (Fünflenker) die ungefederten Massen zu reduzieren. Beim Eigenlenkverhalten der Achsen und der Charakteristik der elektromechanischen Servolenkung wurden die Stellschrauben in Richtung Dynamik und Rückmeldung gestellt. Als Ergebnis bekommt man ein Fahrverhalten, das man als spontan reagierend und kurvengierig bezeichnen kann. Dass dafür auch ein wenig Komfort der härteren Grundabstimmung geopfert wurde, ist höchstens bei besonders schlechten Straßen zu spüren.

Grundsätzlich aber bleibt der 4,71 Meter lange Wagen ein unaufgeregt agierendes Reisemobil, das seine Bequemlichkeit zwar auf dem ausgewogenen Sportfahrwerk aufbaut, aber zum - wahrscheinlich noch wichtigeren Teil - im Innenraum präzisiert. Hier werden den Insassen großzügige Platzverhältnisse angeboten. Vorne sitzen Fahrer und Beifahrer in körpergerecht geschnittenen Sitzen, die umfangen, ohne einzuengen. Sie integrieren die beiden in der ersten Reihe in das weite Bedien- und Kontrollfeld aus Armaturenbrett und Mittelkonsole. Hier bleiben ein paar wenige Schalter und Hebel, um die wichtigsten Funktionen abzudecken, während man sich für alle anderen Funktionen über den Dreh-Drück-Steller und den Touchscreen durch die Menüs, Unter- und Unteruntermenüs des Bordcomputers klicken muss.

Dazu gehören eine lange Liste von Assistenzsystemen, die der Sicherheit oder der Bequemlichkeit dienen, oft auch beidem. Zum Beispiel bei der Überleitung zum autonomen Fahren: wie etwa Abstandstempomat und Lenkkorrektur. Beim Stop-and-Go im Autobahnstau wird man solche Funktionen sicher gerne in Anspruch nehmen. Wenn es über die Landstraße geht, eher nicht. Denn wo sonst soll man die schönen Seiten des Autofahrens erleben? Sobald zwischen A und B möglichst viele Kurven unterschiedlicher Radien liegen, ist der X3 in seinem Element. Wohl gemerkt: gemessen an Gleichartigen, denn dass sich ein Sportcoupé hier besser anfühlt als ein Sport Utility (Activity) Vehicle, lässt sich nun einmal nicht bestreiten.

Dafür ist auch der X3 zu wuchtig und zu schwer. Obwohl man davon selbst im Schiebebetrieb auf der Anfahrt zur nächsten engen Kurve weniger mitbekommt, als man erwarten würde. Und zwar deshalb, weil die direkte Lenkung und die für diesen Zweck optimale Fahrwerksabstimmung beim Einlenken und Herausbeschleunigen trotz hohen Tempos den X3 fast schon leichtfüßig einlenken und nicht träge zur Kurvenaußenseite schieben lassen. Dabei darf man beherzt und früh wieder aufs Gas gehen. Nur nicht zu früh, sonst schnappt die ESP-Falle zu. Wer zu optimistisch ist, wird von der Elektronik abgefangen. Die muss immerhin 265 Diesel-PS und ein Drehmoment von 620 Newtonmeter verwalten, das bereits bei 2.000 Umdrehungen je Minute kräftigen Vortrieb produziert. Traktion ist dabei nie ein Problem. Denn die Power des drei Liter großen Diesel-Direkteinspritzers mit Doppel-Turbo wird per Allradsystem "X-Drive" so an alle vier Räder verteilt, dass durchdrehende Reifen selbst absichtlich nur schwer provoziert werden können.

Das Triebwerk wird mit einer Achtgangautomatik des Lieferanten ZF kombiniert. Das Zusammenspiel wurde so perfektioniert, dass man von Gangwechseln nur dann etwas mitbekommt, wenn man die Drehzahlnadel im Auge behält. Oder dann, wenn es wieder einmal besonders schnell vorwärts gehen soll. Wer zum Beschleunigen das Pedal durchtritt, muss eine kurze Pause in Kauf nehmen, ehe der Automat von der längsten in die möglichst kleinste Übersetzung gewechselt hat. Denn grundsätzlich nutzt das Getriebe jede Möglichkeit, früh im großen Gang unterwegs zu sein. Sehr zum Leidwesen des Tankwarts, dem dadurch Einnahmen entgehen. 6,0 Liter, wie es der NEFZ-Normverbrauch verspricht, schafften wir zwar nicht, aber über den Test hinweg waren es durchschnittlich 7,2 Liter Diesel. Obwohl wir weder die Beschleunigung (0-100 km/h in 5,6 Sekunden) noch die Höchstgeschwindigkeit (240 km/h) als rein theoretische Werte betrachteten.

Wenn man so viel Gutes über ein Auto zu erzählen hat - zumal, wenn es von einem deutschen Hersteller kommt - erwartet keiner einen Schnäppchenpreis. BMW will für den X3 mindestens 44.600 Euro haben. Dann steckt ein Zwei-Liter-Benziner mit 135 kW/184 PS unter der Haube. Der BMW X3 xDrive30d kostet in der Grundausstattung 56.600 Euro mit dem Sport-Steptronic-Getriebe. Wer ihn gerne in der üppigen Ausstattung des Testwagens hätte, klettert schnell auf einen Preis von über 75.000 Euro. Viel Geld, das in viel Auto investiert wird.

Dieter Schwab / mid

Technische Daten BMW X3 xDrive 30d:
Fünftüriges SUV, Länge/Breite/Höhe/Radstand in Millimeter: 4.708/1.891/1.676/2.864, Kofferraumvolumen: 550 - 1.600 l, Leergewicht: 1.895 kg, max. Zuladung: 660 kg, Anhängelast gebremst/ungebremst.: 2.400/750 kg, Tankinhalt: 68 l, Preis: ab 56.600 Euro
Antrieb: Reihensechszylinder-Turbodiesel, Hubraum: 2.993 ccm, max. Leistung: 195 kW/ 265 PS bei 4.000 U/min, max. Drehmoment: 620 Nm bei 2.000 - 2.500 U/min, Achtstufen-Automatikgetriebe, Allradantrieb, Beschleunigung: 0-100 km/h: 5,8 s, Höchstgeschwindigkeit: 240 km/h, Normverbrauch: 6,0 l/100 km, CO2-Emission: 159 g/km.