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Test Lexus RX 450h Sport Line Der Sechszylinder-Benziner im Premium-SUV wird von zwei Elektromotoren an den Achsen unterstützt

Design strahlt Aggressivität und Kraft aus

Archivartikel

Den Anfang hatte der NX gemacht. Wenig später zog der größere RX nach: Blechkleid mit Falten und Kanten, einem riesigen x-förmigen („Diabolo“-)Kühlergrill, mit böse blickenden schmalen Scheinwerfern. Hier will das Design nicht lieb Kind sein, sondern Aggressivität und Kraft ausstrahlen: Der Oberklasse-SUV der Nobelmarke ist eine Kampfansage beim Design und – mit seinem spritsparenden Hybrid – bei der Motorisierung. Mit der Anfang 2018 gestarteten Variante Sport Line wurde der SUV optisch aufgewertet.

Lexus unterscheidet beim RX zwischen „h“ (für Hybrid) und „t“ (für Turbo), wobei der konventionelle Benziner mit einem Zwei-Liter-Reihenvierzylinder die Bezeichnung „200t“ trägt. Im FN-Test stellte sich der Hybrid der Begutachtung.

Hybrid: das bedeutet ein 3,5 Liter-V6-Benziner mit Direkteinspritzung, der von zwei Elektromotoren auf den beiden Achsen unterstützt wird. Dabei werden die E-Motoren aus einer Batterie gespeist, die ihren „Saft“ aus dem Verbrennungsmotor beziehungsweise aus der Bremsenergie bezieht. Eine Lösung, für die sich die Bezeichnung „mild hybrid“ eingebürgert hat. Motoren, Batterie und Steuereinheiten werden in „Lexus Hybrid Drive“ aufeinander abgestimmt.

Sechszylinder: Das verspricht eine kultivierte Leistungsentfaltung. Zunächst setzt sich der RX 450h sogar lautlos in Bewegung – mit der Kraft des vorderen Elektromotors – und schaltet dann fast unmerklich den leise schnurrenden Benziner dazu. Wenn man es als Fahrer gemütlich haben will, ist man mit dem automatisch nach dem Start eingestellten Fahrmodus „Eco“ gut bedient. In den unteren Geschwindigkeitsbereichen fährt der RX bei schonendem Umgang mit dem Gaspedal sogar rein elektrisch – solange die Batterie Energie hat. Die reicht zwar nur für wenige Kilometer, aber die Aufgabe der Elektromotoren ist ja in erster Linie auch die Unterstützung des Benziners (wobei der hintere E-Motor nur bei Bedarf zugeschaltet wird).

Wer es sportlicher haben will, der kann den Wählknopf auf der Mittelkonsole in den Modus „Sport S“ drehen. Dann reagiert das Hybridsystem spontaner auf Gasbefehle, die Servolenkung agiert sportlicher und das Fahrwerk straffer.

Den bei vielen stufenlosen Automatikgetrieben nervenden „Gummiband-Effekt“ haben die Toyota/Lexus-Entwickler weitgehend beseitigt. Das Getriebe bringt die Kraft des Sechszylinders und seiner elektrischen Helfer ohne Verzögerung auf die Straße. Das Fahrverhalten ist tadellos: Präzise zieht der RX durch die Kurven, das Fahrwerk mit seinen adaptiven Stabilisatoren schluckt Bodenwellen weg, hält die Balance zwischen Komfort und Fahrdynamik.

Komfortabel unterwegs sein, das ist mit dem RX die angenehmste Fahrvariante.Dafür liefern die über 300 PS Systemleistung die Basis. Wenn’s mal schnell an einem Lkw vorbeigehen soll, hilft die Kraft aus 335 Newtonmetern maximalem Drehmoment für stressfreie Momente. Auf der Autobahn – wenn es denn der Fahrbahnzustand und der Verkehr noch zulassen – kann man den RX bis auf 200 Stundenkilometer beschleunigen. In diesem Fall allerdings sollte der Fahrer den Anspruch auf sparsames Fahren schnell vergessen. Im oberen Geschwindigkeitsbereich „säuft“ der RX um die zehn Liter.

Lexus gibt für den RX 450h einen Durchschnittsverbrauch von 5,8 Liter an. Wo und wie das erreicht werden soll, blieb dem Tester unklar. Bei emotionsloser Fahrweise im Alltagsverkehr standen am Ende etwas über acht Liter zu Buche. Andererseits muss man aber auch sehen: 8,3 Liter sind für einen über zwei Tonnen schweren SUV ein akzeptabler Wert.

Der Innenraum des Lexus ist nicht ganz so futuristisch wie seine Karosserie, eher konservativ-luxuriös. Wie es sich für ein Premium-SUV gehört, ist der Fahrer von hochwertigen Materialien umgeben. Auch die Mitfahrer im Fond haben dank längerem Radstand gegenüber dem Vorgänger jede Menge Platz zur Verfügung.

Neben dem Head-up-Display fällt vor allem der 12,3-Zoll-Bildschirm ins Auge, über den man die Funktionen des Infotainment-Systems und des Navis steuern kann. Für die Bedienung mit dem großen rechteckigen Knopf auf der Mittelkonsole braucht man ein wenig Fingerspitzengefühl.

Natürlich ist der RX verschwenderisch mit elektronischen Assistenten ausgestattet, von der radargesteuerten Geschwindigkeitsregelung bis zum Notbremsassistenten, vom Spurhalteassistenten bis zur automatischen Fernlicht-Schaltung, vom Totwinkel-Assistenten bis zur Heckkamera mit Einparkführung. Die Verkehrszeichenerkennung ist hilfreich, allerdings sollte man bei Ortseinfahrten vorsichtig sein, denn auf Ortsschilder wird nicht reagiert.

Den RX 450h gibt es in sechs Ausstattungslinien. Die Preise fangen bei 58 900 Euro an (das sind 9000 Euro mehr als der Einstiegspreis für den 200t, also den RX ohne Hybridantrieb). Die getestete Variante Sport Line kostet 69 500 Euro, für die Luxury Line beziehungsweise die Variante F Sport sind etwas über 76 000 Euro fällig.