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Dicke Luft: Tempo 30 in Berlin

Archivartikel

Mit einem Modellversuch soll die Berliner Luft sauberer werden. Um die hohe Stickoxidbelastung zu reduzieren, gilt das Tempolimit zunächst auf einem knapp 1,2 Kilometer langen Abschnitt. Bis Ende Juli 2018 soll dann auf weiteren vier Streckenabschnitten mit einer Gesamtlänge von insgesamt sechs Kilometern Tempo 30 eingeführt werden, berichtet der Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb).

Umweltsenatorin Regine Günther (parteilos) erklärte, es gehe darum, "die Gesundheit der Berliner zu schützen und gleichzeitig Fahrverbote zu vermeiden". Sie fordert deshalb die Bundesregierung auf, die Autohersteller zu verpflichten, Hardware-Nachrüstungen vorzunehmen. "Fahrverbote kann effektiv nur die Bundesregierung verhindern."

Bei dem Versuch geht es auch um intelligente Ampelschaltungen, damit Autos nicht so oft anfahren und abbremsen müssen, heißt es weiter. Der Versuch läuft zunächst ein Jahr. Die Polizei will die Einhaltung des Tempolimits überwachen. Messgeräte sollen die Entwicklung der Stickoxid-Belastung kontinuierlich dokumentieren, Ende des Jahres soll es eine Zwischenauswertung geben.

Berlin überschreitet ebenso wie rund 70 andere deutsche Städte den zulässigen EU-Grenzwert für Stickoxid (NO2), der bei 40 Mikrogramm je Kubikmeter im Jahresdurchschnitt liegt, so der rbb. Der Modellversuch stößt allerdings auch auf Kritik. Oliver Friederici, der verkehrspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, warf dem Senat vor, "die Berliner zur Schnecke" zu machen. Günther trete "ideologisch auf die Bremse", ohne dass sich damit das Luftverschmutzungsproblem lösen lasse. Besser wären echte grüne Wellen auf allen Hauptverkehrsstraßen, intelligente Verkehrslenkungen, das Vermeiden von unnötigen Staus vor Baustellen und Zweite Reihe Parkern.

So oder so: Es herrscht dicke Luft in Berlin.