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IAA 2017 Renommierte Autohersteller und Neulinge aus Fernost wollen ihren Teil vom Kuchen

Die Elektromobilität öffnet den Markt auch für Außenseiter

Chery, Wey, Aspark - diese Namen sollte man sich merken, denn die Hersteller aus Fernost drängen mit elektromobiler Kompetenz auf den europäischen Markt.

Es ist im Vorfeld viel geschrieben worden über die Konzerne, die der IAA die kalte Schulter gezeigt haben: Fiat, Nissan, Peugeot, Volvo und - in typischer medialer Übertreibung - das "wichtigste Auto des Jahres", der Tesla 3, sind in Frankfurt nicht zu sehen. Vielleicht haben sich in den Zeiten des Internets solche Großveranstaltungen - vor zwei Jahren kam fast eine Million Besucher in die Hallen unter dem Messeturm - überlebt, vielleicht sind den Herstellern einfach die Kosten zu hoch, vielleicht sind die Streuverluste zu groß (der englische Sportwagenhersteller Aston-Martin ist zwar auch in Frankfurt, allerdings nicht auf dem Messegelände, und mit einem Programm nur für ausgewählte Kundschaft). Dennoch: Viele wichtige Gegenspieler der deutschen Hersteller präsentieren bei der IAA ihre Neuheiten, die allerdings meist früher im Jahr schon gezeigt wurden; besonders die hierzulande kaum bekannten chinesischen Hersteller zeigen mit modern gestylten SUVs und Kompetenz bei den E-Antrieben, dass außerhalb der bekannten Autoländer auch gute Autos gebaut werden.

Unverkennbar ist der Kompakt-SUV das Auto der Stunde, auch wenn er mit Diesel oder Benzin betrieben wird. Neben den "Deutschen" T-Roc, Karoq, Arona, X 3 gibt es in den Hallen 5, 8 und 9 eine lange Liste von kleinen Geländewagen beziehungsweise Crossovers; Jaguar zeigt den e-Pace, Citroën den C3 Aircross, Dacia die neue Generation des Duster, Hyundai den Kona und Kia den Stonic, Subaru die zweite Generation des XV, Honda den CR-V Hybrid, Ford das Facelift seines Ecosport; und eine oder mehrere Nummern größer der neue Lexus NX, der Grandland X von Opel, die neue Generation des Toyota Landcruiser, der Mazda CX-5, Ssangyons deutlich hochwertigerer Rexton. Dazu kommen die chinesischen Hersteller Chery und Wey, die in Europa ohnehin fast ausschließlich SUVs anbieten. Die Studie XEV von Wey zum Beispiel braucht sich - zumindest was das Design betrifft - vor den europäischen Herstellern nicht zu verstecken.

Die größte Fläche - wenn man das mit Buckeln drapierte Freigelände dazu rechnet - hat sich Jaguar/Land Rover reserviert. Sechs Neuheiten zeigen die Engländer, die sich selbst als Großbritanniens größten Export-Luxusartikel sehen. Im Zentrum steht bei den geländegängigen Fahrzeugen der Discovery SVX, der in Halle 5 extra von oben beregnet wird und auf dem Freiparcours unermüdlich seine Runden dreht. Zweite Neuheit des Geländespezialisten ist der edle Range Rover Velar.

Bei den Jaguaren rundet der neue E Pace das Portfolio an SUVs nach unten ab. Mit reinem Elektroantrieb wird der I Pace auf die Straße gehen - der Jaguar Land Rover-Chef Ralf Speth verkündete auf der IAA, dass der Hersteller ab 2020 alle Fahrzeuge auch mit Elektroantrieb anbieten wird. "The future will be electric -and it will be electrifying", sagte der gebürtige Bayer, elektrisch bei den Antrieben und elektrisierend für Entwickler und Kunden.

Hyundai ist - mit Kia - der stille Riese der Automobilbranche. Zu den Neuerungen der Koreaner gehören das SUV Kona und die beiden i-30-Ableger "N" und "Fastback", bei Kia das SUV Stonic und die aufregende Studie "Proceed".

Die Peugeot-Schwester Citroën hat mit dem E-Méhari ein ausgesprochen originelles Concept-Auto mit E-Antrieb dabei, und beim anderen französischen Hersteller Renault kann man bestaunen, wie (im Concept Car Symbioz) das Fahrzeug zum Wohnzimmer wird. Opel schließlich brachte neben dem Grandland X die Insignia-Versionen GSI und Country Tourer mit.

In den Hallen der ausländischen Autohersteller erlebt der Besucher zwar nicht das große Premierenfeuerwerk wie bei den großen deutschen Drei - aber auf jeden Fall eine Menge alltagstauglicher Autos, wie den Swift Sport oder den Subaru Imopreza - aber auch die neue Generation des Ford Mustang, der Anfang 2018 auch in Deutschland in den Verkauf kommen soll.

Und dann muss da noch von den Exoten erzählt werden. Zum einen über den Aspark Owl: Der japanische Konzern, eigentlich kein Autobauer, inszeniert mit viel Gewittergetöse seine "Eule", den schnellsten Renner der Welt, der mit seinen Elektromotoren den Sprint auf 100 km/h in zwei Sekunden schaffen soll. Und Borgward lässt auf seinem Stand eine neue Isabella vorfahren, ein total chices, futuristisches Gefährt, von dem nicht zu erfahren war, ob es mehr ist als eine Design-Studie, ob sich also unter der glatten Haut auch ein zukunftsweisendes Antriebskonzept verbirgt. Eins muss man dem unter chinesischer Ägide demnächst in Bremen produzierenden Unternehmen lassen: Vermarkten kann es sich, auch wenn in Deutschland demnächst erst ein Fahrzeug, eine Limited Edition des SUV BX 7 zu bekommen ist.

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