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Präsentation Jaguar I-Pace SUV-Familie ist für den britischen Hersteller zur Wachstumslokomotive geworden / Reines E-Auto mit 400 PS

Die Flüster-Katze I-Pace elektrisiert

Der Jaguar I-Pace wurde als reines E-Auto konzipiert. Schon vor seiner Marktpremiere hat er so viele Kunden elektrisiert, dass Interessenten acht Monate Lieferzeit in Kauf nehmen müssen.

Der Pionier der modernen Elektromobilität, Tesla-Chef Elon Musk, arbeitet sich gerade – noch ohne durchgreifenden Erfolg – an der Produktion seines massentauglichen Model 3 ab. Die deutschen Hersteller wie Audi und Porsche stehen offenbar in den Startlöchern für ein Produkt, das den größeren Tesla-Modellen S und X Paroli bieten könnte. Die Pistole hat man bereits laut knallen hören, losgelaufen ist noch keiner. Da schickt der vergleichsweise kleine Hersteller Jaguar seinen I-Pace auf die Straße. Der bietet all das, was bisher nur Tesla kann: Elektroantrieb in der Oberklasse.

Dr. Wolfgang Ziebart, Technical Design Director bei Jaguar Land Rover, ist der stolze Vater des jüngsten Jaguar-Kindes. In nur vier Jahren haben er und sein 50-köpfiges Entwicklungsteam die Flüsterkatze zur Serienreife gebracht. Eine Rekordzeit. Vor allem, wenn man bedenkt, dass auf einem weißen Blatt Papier damit begonnen wurde, diese technisch herausfordernde Aufgabe zu meistern. „Ich hatte noch nie ein so spannendes Projekt wie den I-Pace“, versichert Dr. Ziebart bei der Presse-Präsentation.

Der Start hatte etwas Anarchisches. Beim Abendessen in Stratford holte sich Ziebart von Ralf D. Speth, Geschäftsführer bei Jaguar Land Rover, „grünes Licht“, ein rein elektrisch betriebenes Sport Utility Vehicle zu bauen. Schon am darauffolgenden Tag ging es los.

Die wichtigste Vorgabe war, keine Vorgaben zu machen. Außer der, dass der Neue nicht auf Vorhandenem aufbauen sollte.

Hätte man ein bestehendes Fahrzeug mit Verbrennungsmotor umgerüstet, wäre der größte Vorteil verlorengegangen: Ein Elektroantrieb nimmt viel weniger Platz in Anspruch. Der E-Motor und das Einstufen-Planetengetriebe sind deutlich kleiner als die Bauteile bei einem Fahrzeug mit Verbrennungsmotor. Es werden weniger Komponenten benötigt.

Die Fahrgastzelle kann deshalb weit nach vorne und die Antriebsachsen ans vordere und hintere Ende der Karosserie rücken. Das bringt bei vergleichsweise kompakten Außenmaßen das Platzangebot der Oberklasse und dank des fast drei Meter langen Radstands auch deren Abrollkomfort.

„Bei allen Komponenten haben wir uns immer für das Beste entschieden“, nennt Dr. Ziebart den großzügig bemessenen Spielraum für die Entwickler.

Beim E-Antrieb sollte dies jeweils ein Motor an Vorder- und Hinterachse sein. Ihre Energie ziehen sie aus einem Lithium-Ionen-Akkublock, der bis zu 90 kWh Energie speichert.

Geht diese zur Neige, was erst nach fast 400 Kilometern der Fall ist, lässt sich die aus Korea stammende Batterie an öffentlichen Ladestationen in 40 Minuten auf 80 Prozent Kapazität füllen.

Eigentlich wurde bei der Konzeption des Wagens nur eines eng gesehen: Der I-Pace musste ein echter Jaguar bleiben. Entsprechend gesellt sich zur überzeugenden Bequemlichkeit, zu den modernen Assistenzsystemen und zum großzügigen Platzangebot auch die Sportlichkeit als wichtiger Bestandteil des Markenkerns.

Sehr schnell sehr schnell zu werden, ist bei zwei Elektromotoren mit zusammen 400 PS Leistung und aus dem Stand fast 700 Nm Drehmoment kein Hexenwerk – selbst bei 2,1 Tonnen Gewicht. In 4,8 Sekunden ist der I-Pace 100 km/h schnell.

Für anerkennendes Staunen sorgt der flotte Sprinter durch die fast spielerische Leichtigkeit beim Handling. Kurven nimmt er vollkommen unaufgeregt. Hier kommt ihm der Allradantrieb zugute. Die Steuerelektronik verteilt die Kraft gezielt zwischen Vorder- und Hinterachse sowie an die einzelnen Räder, um – je nach aktueller Anforderung – eine unter- oder übersteuernde Charakteristik zu erzeugen.

Man fährt den I-Pace gerne, weil er keine Grenze zwischen Komfort und Agilität zieht, sondern beides vereint. Und schließlich sieht der Neue aus England auch noch verdammt gut aus. Jaguar-Designer Ian Cullum hat es geschafft, ihm die optische Schwere zu nehmen, die Sport Utility Vehicles sonst schon konzeptbedingt mitbringen. Der I-Pace ist eher Crossover als SUV.

Auf jeden Fall hat sich die Kundschaft schon in ihn verliebt, ehe er auf der Straße zu sehen war. Die seit Januar laufenden Vorbestellungen lasten die Produktion bereits acht Monate im Voraus aus. Immerhin müssen mindestens 77 850 Euro angelegt werden.

Der nach F-Pace und E-Pace Dritte im SUV-Bunde der Marke, schreibt mit an der Erfolgsgeschichte. Die rund 500 Millionen Pfund Entwicklungskosten sind Gewinn bringend angelegt. Schon deshalb, weil Waymo, ein Tochterunternehmen des Google-Mutterkonzerns Alphabet, 20 000 I-Pace für seine autonomen Fahrdienste bestellt hat.

Die sind in der Erfolgsbilanz von Presse-Direktorin Andrea Leitner-Garnell noch nicht einmal mitgerechnet: „Jaguar hat in den letzten zehn Jahren seine Modellpalette verdoppelt und seinen Absatz verdreifacht.“ Die Pace-Familie sei dabei die „Wachstumslokomotive“ gewesen.

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