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Im Test Der neue VW Polo ist ordentlich gewachsen und macht seinem Konzernbruder Golf Konkurrenz

Die gute Alternative

Wolfsburg.Ein Zentimeter Unterschied. In der Länge. Diesen Zentimeter hatte vor 15 Jahren der Golf IV dem neuen VW Polo voraus. Und da stellt sich zwangsläufig die Frage: Muss es immer Golf sein? Konkurrenz belebt ja bekanntlich das Geschäft. Aber im eigenen Haus? Dem Trend, dass alle Modelle immer größer werden, kann man entgegenwirken, indem die Entscheidung auf das kleinere fällt. Und bei VW ist der Polo durchaus eine gute Alternative.

Der kleine Wolfsburger hat seine weichen und gefälligen Linien verloren – nun zieren harte Kanten die Karosserie, er sieht gereifter, erwachsener aus. Die Türen fallen satt ins Schloss, das Lenkrad und die Schalter liegen gut in der Hand, die Spaltmaße stimmen – und doch trübt das üppig eingesetzte Hartplastik am Armaturenbrett den Gesamteindruck. Dass der Testwagen leichte Klappergeräusche von sich gibt, überrascht bei einem Fahrzeug eines Premiumherstellers dann doch ein wenig.

Er rollt als Topmodell GTI auf den Hof – und die drei Buchstaben leuchten auf der Heckklappe als Alleinstellungsmerkmal. Nichts verrät, dass es sich hier um einen Polo handelt. Rote Zierstreifen untermalen die sportlichen Ambitionen ebenso wie die im klassischen GTI-Karo gehaltenen tollen Sportsitze, die guten Seitenhalt bieten. Und wer sich nicht alleine auf die Fahrt begeben will, profitiert durch das schon angesprochene Wachstum. Vier Erwachsene haben nicht nur Platz, sie können sogar körperkontaktfrei auf Tour gehen und leicht über die nun serienmäßigen vier Türen einsteigen. Der Kofferraum hätte sogar genug Raum für das Wochenend-Gepäck. Oder den größeren Einkauf. Mehr Auto muss im Prinzip nicht sein.

Meldet sich nach Drücken des Startknopfs der Vierzylinder zu Wort, ist ein leichtes Grummeln zu vernehmen. Nicht laut, nicht vulgär. Das serienmäßige Sechs-Gang-Doppelkupplungsgetriebe erledigt seine Aufgaben ruckfrei und zügig, hat aber wie immer bei diesem Antriebskonzept seinen Nachteil beim Rangieren. Es geht einfach nicht so perfekt zu dosieren, wie bei einer Wandlerautomatik.

200 PS in einem Kleinwagen sind ein Pfund, entsprechend kraftvoll wuselt der Polo auch über die Straßen. Dabei gibt er sich im Mittel mit sieben Litern Super auch recht sparsam. Wird der Motor jedoch gefordert, klingt er sehr angestrengt, was zum Bild des souveränen Flitzers nicht so recht passen will.

Basismodell mit Dreizylinder

Das Fahrwerk schafft eine schöne Kombination aus souveränem Abrollen und knackiger Sportlichkeit, neigt aber beim Langsamfahren dazu, etwas hölzern zu wirken. Der GTI kommt mit einer soliden Ausstattung daher: Assistenzsysteme, Klimaanlage, Leichtmetallfelgen und mehr. Wer die 12 975 Euro für das Basismodell ausgibt, muss darauf weitestgehend verzichten – und sich mit einem Dreizylinder-Benziner begnügen, der zwar sparsam ist, aber die Passagiere mit dem typischen Schnattern unterhält.

Info: Fotostrecke unter morgenweb.de/auto