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Die mid-Zeitreise: Große Pläne bei Skoda

Archivartikel

Viele Pläne hat man in Mlada Boleslav, der Erzeugungsstätte der Skoda Automobile, von wo aus man vor wenigen Wochen erst die westliche Welt mit dem Sparmodell des Skoda 1000 MB (einige Chromzierleisten und Gummipuffer weniger ermöglichten einen Preissturz von 380 DM), das in einigen Ländern "Tourist", in der Bundesrepublik "Moldau" genannt wird, überraschte. In den nächsten Wochen schon wird man das leistungsstärkere 1107 ccm Modell des 1100 Skoda mit 52 PS (Bohrung auf 72 mm und Kompression auf 1:8,5 erhöht), das seit Januar in Serie ging, in den Westexport bringen. Neue Details sind eine verstärkte Kurbelwelle, bessere Schmierung und Ölkühlung, bessere Lagerschalen und ein neuer Ventilator. Eine ebensolche Anzahl von Neuheiten gibt es auch bei dem Skoda 1000 MB, der stets das Rückgrat des Werkes bildet und von dem noch zirka 80 Prozent der Erzeugung von 125.000 Pkw-Einheiten des Jahres 1968 ausgefüllt sind. Geringe Kontingente von einigen 1.000 Stück betreffen in dieser Summe auch den Octavia-Kombi.

Neuer Ein-Tonner

Noch in diesem Jahr will man das Skoda 1100 Coupé mit einer neuen Karosserie vorstellen, das italienische Linienführung zeigen soll. Die noch interessantere Neuheit, von der schon viel gesprochen wird, der 1500er Skoda mit Frontantrieb ist zwar schon ziemlich fertig auf dem Reißbrett und im Versuch, doch will man mit ihm noch etwas warten. Es kann sogar noch mehr als ein Jahr dauern, ehe man ihn vorstellt. Terminiert mit dem Herbst ist in dieser Hinsicht eher noch der Skoda 1-Tonner-Lieferwagen, der als erstes Modell der 1-Tonner-Serie vor der Vorstellung steht- Er ist mit einem 1200 S Vierzylinder von 60 PS ausgerüstet und in Frontlenker Bauweise ausgeführt. Nächstes Jahr folgen dann Sani-Wagen und Pritsche.

Warenaustausch mit dem Westen

Zur Zeit gehen 50 Prozent der Produktion in den Export und davon mehr als die Hälfte nach dem Westen. Dieser Anteil ist sehr wichtig, da wertmäßig bis zu 25 Prozent der Skoda-Wagen aus Material und Zubehör westlicher Herkunft bestehen, wie zum Beispiel Lagerschalen, Batterien oder die Voest-Bleche aus Österreich oder elektrische Teile aus der BRD. Diese müssen im Gegengeschäft bezogen werden. Lieferfrist also für den Westen sofort, für die Tschechen bis zu einem Jahr! Der Mangel an konkurrenzfähigem Zubehör und Karosserieblechen, der schon im Vorjahr von Generaldirektor Simon bedauernd festgestellt wurde, ist der fühlbarste Engpass und teilweise der Grund dafür, dass das Werk nicht voll ausgelastet ist. Es ist im Übrigen auf das Modernste eingerichtet, zum Großteil mit Maschinen, die vornehmlich aus Frankreich von Renault, aus der Schweiz und der BRD stammen. Aus der Bundesrepublik kamen speziell die Kontrollgeräte für die Inspektionen, die die Pkw vor Ihrer Auslieferung durchlaufen müssen. In der CSSR gibt es keinen Arbeitermangel. Bis zu 40 Prozent der 13.000 Arbeiter und Angestellten sind Frauen, die sich auch als Kranfahrer und Testfahrer bestens bewähren.