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Die mid-Zeitreise: Jaguar XJ, die neue Serie

Am 17. Oktober 1994 berichtete der Motor-Informations-Dienst (mid) im 39. Jahrgang über die neue Jaguar XJ-Serie.

Jaguar XJ, die neue Serie: Klassischer Auftritt moderner Technik

Klassisch elegant soll die Form sein und modern die Technik. So wünschen sich die Kunden der britischen Edel-Marke nach den Erkenntnissen der Marktforscher ihren Jaguar. Dies erklärte Hartmut W. Kieven, Geschäftsführer von Jaguar Deutschland, anlässlich der Vorstellung der XJ Limousinen-Serie in Deutschland. Mit dem Kühlergrill und den doppelten Rundscheinwerfern steht die Front eindeutig für Tradition. Farblich abgestimmte Stoßfänger und klar gegliederte, sachliche Leuchten geben dem wohlproportionierten Heck einen modernen Touch. Die vor allem unter dem Blech zu findenden rund 2.000 neuen Teile der jüngsten XJ-Serie haben auch in der Motorisierung ihre Spuren hinterlassen.

Die Leistung des 3,2-Liter-Sechszylinder-Motors ist um 8 Prozent auf 155 kW/211 PS gesteigert worden. 10 Prozent mehr Leistung als beim Vorgänger bringt der 4-Liter-Sechszylinder-Motor mit jetzt 177kW/241 PS. Unverändert blieb der Spitzenantrieb mit sechs Litern Hubraum, zwölf Zylindern und 229 kW/311 PS. Diese drei Motoren sind in der Classic-Ausführung erhältlich. Für die Basisversion XJ6 3.2 mit Schaltgetriebe sind 89.000 DM auf den Tisch des Händlers zu legen. Fast das Doppelte, nämlich 167.000 DM, kostet die Luxusvariante Daimler Double Six mit dem Zwölfzylinder unter der Haube. Neu im Programm sind die Modelle der sogenannten Sport-Reihe. Für sie stehen ebenfalls der 3.2-Liter und 4.0-Liter-Motor sowie eine neue Kompressorvariante dieses Aggregats zur Verfügung.

Mit diesem neuen Motor hat ein besonderes Sahnestück in den Jaguar XJ Einzug gehalten, die im XJR für 132.000 DM zu haben ist. Auf den ersten Testfahrten gab sich das Fahrzeug ebenso sanft schnurrend wie antrittsstark und agil. Kein Wunder, bringt diese Motorisierung doch stolze 512 Nm bei 3.050 U/min. auf die Straße. Die Leistung erreicht 235 kW/320 PS bei 5.000 U/min. Mit 12,5 Litern im Drittelmix soll sich der Verbrauch in angemessenen Grenzen halten. Das auf deutschen Autobahnen getestete Fahrwerk sollte auch moderat sportlichen Kunden gefallen. Als eher komfortorientierte Alternative zum BMW M5 möchten die Kronberger Importeure das Fahrzeug in Deutschland positioniert sehen.

Bei den zahlreichen Detailverbesserungen sind die geschwindigkeitsabhängige Servolenkung von ZF, die tadellos arbeitende Klimaanlage und die vielfältigen Möglichkeiten zur präzisen Sitz- und Lenkradeinstellung zu erwähnen. Auch die Hebel, die zur bequemen Fahrposition verhelfen, sind jetzt mühelos zu finden. Waren früher Jaguarunerfahrene an hilflos suchenden Blicken und tastenden Fingern am und unter dem Sitz zu erkennen, bis sie auf die Knöpfe im Mitteltunnel zu ihren Füßen stießen, so genügt jetzt der gewohnte Griff an die Seite des Sitzes. ABS, zwei Airbags und Traktionskontrolle sind serienmäßig. Eine elektronische Wegfahrsperre, eine Ultraschall-Alarmanlage und ein Passagierschutz-System, das die Türen mit Einlegen des Ganges automatisch schließt, gehören ebenfalls in jeden Jaguar.
Auch deutsche Anregungen wurden bei der Detail-Konzeption des neuen Modells berücksichtigt. So gibt es jetzt ein eingebautes Warndreieck im Deckel des Kofferraumes. Der hat im übrigen einen ebeneren Boden bekommen. Dadurch passen die Golfgerätschaften besser hinein. Auch der nunmehr in der Mittelkonsole angebrachte Knopf für die Warnblinkanlage geht auf deutsche Vorschläge zurück. Für Nachschub an Anregungen zur Verbesserung soll ein Kundenbeirat sorgen. Zehn Kunden aus repräsentativen Berufen treffen sich vierteljährlich mit den Managern von Jaguar Deutschland zum Erfahrungsaustausch.

Eine Garantie über drei Jahre bzw. 100.000 Kilometer soll in der Vergangenheit durch Verarbeitungsmängel eingebüßtes Vertrauen in die Solidität der Fahrzeuge wiederherstellen. Die Wartungsintervalle wurden von 10.000 auf 16.000 Kilometer heraufgesetzt. So ganz scheinen sich die Briten mit dem Dezimalsystem immer noch nicht abgefunden zu haben. Die zur Zeit rund 20.000 Jaguar-Fahrer in Deutschland sollen sich 1995 um 2.500 vermehren. Etwa 85 Prozent Anteil daran ist für die XJ-Serie eingeplant, die ab 21. Oktober bei den Händlern steht. Angesichts der gelungenen Kombination aus britischer Eleganz und moderner Technik kein unrealistisches Ansinnen.