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Die mid Zeitreise: Jugendliche Fahrer fahren emotional

Archivartikel

Immer mehr junge Menschen nehmen als motorisierte Zweiradfahrer und Pkw-Fahrer am Straßenverkehr teil. Aber auch die Anzahl getöteter und schwerverletzter jugendlicher Benutzer von motorisierten Zweirädern nimmt von Jahr zu Jahr zu. Sie sind weit überdurchschnittlich an Unfällen beteiligt. Obwohl von 1970 bis 1976 bei Führern von Personenkraftwagen allgemein eine Abnahme der Verunglückten (Getötete und Verletzte) zu verzeichnen ist, bilden die 18- bis 21-Jährigen eine Ausnahme. In diese Altersgruppe verdoppelte sich (bezogen auf den Führerscheinbesitz) nahezu die Anzahl der Verunglückten. Bei immer stärker werdender Beteiligung junger Kraftfahrer im Straßenverkehr lässt sich sowohl bei Personenkraftwagen als auch bei motorisierten Zweirädern eine überproportionale Unfallbelastung junger Fahrer feststellen, und dabei ist die zu beobachtende Tendenz steigend.

Ursachen

Obwohl die exakte Klärung der Ursachen dieser Tatbestände noch nicht abgeschlossen ist, gibt es eine Reihe von Aussagen, die eindeutige Tendenzen aufzeigen:

1. Die Ursachen liegen nicht allein in mangelnder Fahrpraxis junger Menschen und können daher nicht allein durch längere fahrpraktische Ausbildung behoben werden.

2. Die Ursachen sind vielmehr in der Kombination von mangelnder Fahrpraxis und Jugendspezifischen Verhaltensweisen (wie sie durchgängig in verschiedenen Lebensbereichen der jungen Menschen beobachtbar sind) zu suchen.

3. Nach neuesten Untersuchungen liegt der Schwerpunkt der Ursachen in Jugend spezifischen Verhaltensweisen.

Gesellschaftsnorm und Straßenverkehrsverhalten

So bestimmen soziale Normen in hohem Maße das Verhalten im Straßenverkehr, das heißt das Sich-Bewegen mit dem eigenen Fahrzeug gilt als sichtbarer Ausdruck der Zugehörigkeit zu unserem Gesellschaftssystem, womit die leistungsorientierte Gesellschaft mit ihren risikoreichen Verhaltensweisen akzeptiert wird, wie etwa, dass erfolgreiche Menschen mitunter egozentrisch aggressiv und nicht besonders rücksichtsvoll vorgehen. Insbesondere für die Rolle des Mannes entwickelt unsere Gesellschaft bestimmte Rollenerwartungen, die gekennzeichnet sind durch Streben nach Unabhängigkeit, Unterdrückung von Angstgefühlen und Durchsetzungsvermögen. Diese Normen prägen deshalb auch Einstellungen und Haltungen der Jugendlichen und werden auf die Teilnahme am motorisierten Straßenverkehr übertragen.

Tatsächliches Verhalten

Dabei äußern die meisten Jugendlichen eine positive Grundeinstellung zum Straßenverkehr. Verkehrsregelungen und Geschwindigkeitsbegrenzungen werden allgemein akzeptiert. Hinsichtlich Disziplin und Ordnung im Straßenverkehr ist ein Großteil der befragten Jugendlichen für eine Straffung. Aber diese positive Grundeinstellung zum Verkehr entspricht nicht dem tatsächlichen Verhalten, denn trotz dieser Einstellung werden Normabweichende Verhaltensweisen praktiziert. Das Fahren selbst wird stark emotional erlebt. Kraftfahrzeuge werden vielfach zur Erprobung der eigenen Persönlichkeit eingesetzt und dienen dem Erleben von Freiheit, Aufregung und Abenteuer. Das geht nicht ohne Konflikt mit den Realitäten des Straßenverkehrs ab. Die typischen Persönlichkeitsmerkmale junger Menschen (Risikobereitschaft, Selbstdurchsetzung, Ablehnung von Autoritäten) bewirken, dass Jugendliche sich weniger als andere Verkehrsteilnehmer an Verkehrsregeln halten. Auch passen junge Fahrer sich überdies an die Verhaltensnormen Gleichaltriger an, was - insbesondere in Gruppensituationen - zur Verschärfung problematischer Verhaltensweisen führen kann. Außerdem ist die Fahrpraxis noch gering. Fahrerfahrungen werden häufig nach dem Prinzip "Versuch und Irrtum" gesammelt. Fehlverhalten wird selten geahndet, das heißt unerwünschte Verhaltensmuster können sich am "Erfolg des Übertretens" ausrichten.