Auto

Die mid-Zeitreise: Rover 800 Fließheck-Reihe knüpft an alte Traditionen an

Archivartikel

Am 16. Mai 1988 berichtete der Motor-Informations-Dienst (mid) im 37. Jahrgang über den damals neu vorgestellten Rover 800 Fastback.

An die alte Rover-SDl-Tradition will Austin Rover jetzt mit dem neu vorgestellten Rover 800 Fastback anknüpfen. Während mit der Mitte 1986 eingeführten und bis heute 60.000 Mal verkauften Rover 800 Stufenheck-Reihe dem klassischen Geschmack entsprochen werden sollte, wollen die Marketing-Leute mit dem Rover 800 Fließheck-Modell den sportlichen, dynamischen und fortschrittlichen Aufsteiger ansprechen.

Das neue Rover 800 Fließheck-Modell mit seinen sieben Angebotsvarianten (820, 820 e, 820 i, 820 Se, 820 Si, 827 Si, Vitesse) und zwei Antriebsaggregaten sieht äußerlich dem Saab 9000 sehr ähnlich. Das Flaggschiff, der Rover Vitesse, weist sich noch zusätzlich durch einen Heckspoiler aus. Bei gleichen Abmessungen von fast 4,70 Meter Länge und 1,97 Meter Breite einschließlich der Spiegel unterscheidet sich die Fastback-Reihe von der viertürigen Limousine durch die Heckklappe, den Frontspoiler, die weinroten Rammschutzleisten und Stoßstangeneinsätze. Des weiteren wurden Modifikationen an der Dachpartie und den Seitenteilen vorgenommen. Mit diesen Veränderungen erreichten die Ingenieure einen cW-Wert von 0,32, der beim Vitesse durch den zusätzlichen Heckspoiler und die bündigen Türfenster noch 0,30 verringert werden konnte.

Als Antriebsaggregate stehen der 2 Liter-Magergemisch-Motor mit 16 Ventilen mit Zentraleinspritzung (120 PS) und einer Mehrpunkt-Einspritzungs-Version (140 PS) sowie der 2,7 Liter-V6-24 Ventil-Motor (170 PS) zur Wahl. Alle Modelle der Fließheck-Serie sind serienmäßig mit einem Fünfgang-Getriebe ausgestattet. Die ZF-Viergang-Automatik wird auch wieder für den 820 e und Se erhältlich sein. Dagegen wird der 2,7 Liter-V6-Motor des 827 Si Fließheck-Modells serienmäßig mit dem umschaltbaren Honda-Viergang-Automatikgetriebe ausgerüstet. Auf Wunsch und ohne Aufpreis gibt es auch ein Fünfgang-Schaltgetriebe.

Für den deutschen Markt mit der Einführung im September 1988 ist vorerst der Rover 820 Si Fastback mit dem 2 Liter-Einspritz-Motor (140 PS, 204 km/h, Verbrauch: Euromix 8,4 Liter bleifreies Normalbenzin) und der Vitesse mit 2,7 Liter-V6-Motor (150 PS, 225 km/h, Verbrauch: 9,6 Liter bleifreies Normalbenzin) und serienmäßigem Bosch-Anti-Blockier-System vorgesehen. Die Preise liegen bei rund 35.00 DM für den 820 Si und unter 50.000 DM für den Vitesse.

Bei ersten Fahreindrücken in England überzeugte das Fahrverhalten des Rover Vitesse. Die äußere Erscheinungsform gibt sich zwar aerodynamisch, aber ohne wirkliche Rover-typische Charaktermerkmale, sieht man von dem Heckspoiler ab. Eine gewisse Affinität zum Saab 9000 ist dabei nicht zu übersehen. Beim Stopp auf einem Rastplatz neben einem Saab 9000 konnten bei einem flüchtigen Vergleich nur kleine Unterschiede an der Heckpartie und an dem hinteren Seitenfenster ausgemacht werden. Dagegen spiegelt das Interieur beim Vitesse mit seinem lederummantelten, höhenverstellbaren Lenkrad und den Edelholzeinsätzen sowie den komfortablen, seitengeführten Veloursitzen einen gewissen Komfort wider. Das Armaturenbrett mit seiner Ablage lässt alte Rover-Reminiszenzen aufkommen. Die Beinfreiheit in Fond lässt nichts zu wünschen übrig, dagegen müssen Langgeratene ihren Kopf etwas einziehen, um bei größeren Bodenwellen nicht mit dem Dach in Kollision zu kommen.

Die Rücksitze der Fließheck-Serie sind als durchgehende Sitzbank mit Klappmechanismus ausgelegt. Die Heckklappe wird elektrisch von innen geöffnet und reicht bis zu den Stoßfängern herunter. Der Kofferraum fasst 471 Liter, kann aber durch die umgelegte Sitzbank auf maximal 1.405 Liter vergrößert werden.

Der Motor gibt sich kraftvoll und elastisch schon im unterem Drehzahlbereich. Selbst Schaltfaule kommen hier auf ihre Kosten, ohne auf Sportlichkeit verzichten zu müssen. Das verstärkte Fahrwerk - als Option auch für den 820 Si erhältlich - erlaubt schnelles Kurvenfahren ohne Einbußen für den Sitzkomfort. Die serienmäßige Servolenkung passt sich bei Autobahnfahrten der Geschwindigkeit an und erlaubt ein gutes Handling dieses 1.425 Kilogramm schweren Fahrzeugs.

Mit vielen serienmäßigen "Extras" ausgestattet, wird 1988 in Deutschland der Verkauf von 180 Fahrzeugen der Rover 800 Fließheck-Reihe angepeilt, während für die Rover 800 Stufenheck-Limousine ein Absatz von 720 Einheiten geplant ist bei einem Austin-Rover-Gesamtabsatz von insgesamt 9.000 Fahrzeugen.