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Test BMW F 850 GS Neues Modell zeichnet sich durch hohe Alltags- und Tourentauglichkeit aus / Einstiegspreis liegt bei 11 700 Euro

Eine Enduro der Premium-Mittelklasse

Archivartikel

Nach zehn Jahren hat BMW die F 800 GS durch die F 850 GS abgelöst. Die Familienähnlichkeit zur kleinen 310er und zur großen 1200er tritt jetzt stärker hervor. Die 850er ist optisch zu einem echten Vertreter der GS Linie geworden. Dementsprechend schnittig kommt sie daher. Obwohl der Tank jetzt nicht mehr hinten und unten ist, wirkt sie schlanker als ihre Vorgängerin.

Die Scheibe erscheint auf den ersten Blick klein, schützt in der Praxis aber auch große Fahrer bis Tempo 120 km/h recht ordentlich.

Die erste Sitzprobe fällt gut aus. Der Kniewinkel stimmt, die Knie liegen durch den schlanken Tank eng an und der Fahrer sitzt mit dem Gewicht leicht nach vorne gebeugt, was eine aktive Fahrweise fördert, aber auch das Fahren im Stehen erleichtert.

Charakterstark und dynamisch

Drückt man den Anlasser, meldet sich der V-Twin charakterstark zum Dienst. Der bei BMW konstruierte und bei Loncin in China gebaute Motor sorgt mit seinen 95 PS für einen ordentlichen Durchzug. Ab 5000 U/min schaltet man wegen der zunehmenden Vibrationen automatisch, obwohl man da erst zwei Drittel der zur Verfügung stehenden Spanne erreicht hat.

Der für 420 Euro einzeln erhältliche oder im Dynamikpaket enthaltene Schaltassistent macht die Schaltvorgänge recht komfortabel. In vier Sekunden ist die 100 Kilometermarke erreicht. Für die Landstraße ist die Motorisierung also vollkommen ausreichend. Der Testverbrauch war mit 4,2 Litern auf 100 Kilometern gering. Die theoretische Reichweite der mittleren GS liegt nach Angaben von BMW bei bis zu 350 Kilometern.

Serienmäßig kann man zwischen den Fahrmodi „Road“ und „Rain“ sowie – optional – zwischen „Dynamik“ und „Enduro“ wählen. „Dynamik“ bedeutet in diesem Zusammenhang, dass das Bike bissiger auf den elektronischen Gasgriff reagiert, was in der Praxis aber kaum auffällt.

ABS, ASC, Wegfahrsperre, Wegabhängige Dämpfung hinten (in Federvorspannung und Zugstufe einstellbar) sind ebenfalls serienmäßige Ausstattungsmerkmale. Sie tragen genauso zur Sicherheit bei, wie das nur bei BMW erhältliche intelligente Notrufsystem.

Das für 600 Euro optional erhältliche 6,5 Zoll TFT-Display ist auch bei direkter Sonneneinstrahlung gut ablesbar und gibt Auskunft über alle wichtigen Messdaten bis hin zum Reifendruck. Es lässt sich mit dem Handy verbinden, soll unter anderem dessen Navigation darstellen können und wird wie bei der 1200 GS durch ein Rad neben dem linken Griff komfortabel bedient.

Wie von selbst fällt die mittlere GS in die Kurven und ist auf befestigten Straßen – mal abgesehen vom Wendekreis, der kleiner sein könnte – ganz leicht zu handeln. Vom Abstecher in allzu schweres Gelände ist trotz 21 Zoll-Vorderrad im Hinblick auf das hohe Eigengewicht von 229 Kilogramm dennoch abzuraten. Damit ist die F 850 GS nur gut 15 Kilogramm leichter als ihre große Schwester, die den Boxermotor und den Kardan mit auf die Waage bringt.

Auf normalen Schotterwegen fühlt man sich dann doch auf der 850er recht sicher. Auch, wenn man meistens nur im ersten Gang unterwegs ist, weil der zweite für’s Gelände zu lang übersetzt ist.

Der Grundpreis der 850 GS beträgt 11 700 Euro. Für die vielen Ausstattungsmöglichkeiten gibt es ein Komfort-, Touren-, Dynamik- und Lichtpaket. Das Testmotorrad hatte alle Pakete. Zusammen mit dem großen Display und dem intelligenten Notruf lag der Listenpreis dieser Maschine bei 15 690 Euro.

Damit ist die 850er nicht gerade ein Schnäppchen und die große Schwester nur noch gut 2000 Euro teurer.

Fazit: Die neue 850 GS zeichnet sich insgesamt durch hohe Alltags- und Tourentauglichkeit, leichtes Handling und große Sicherheitsreserven aus. Besonders die vielen elektronischen Helfer steigern nicht nur die Sicherheit, sondern auch das Gewicht und den Preis.