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Ford weist den Weg zur nächsten Ladestation

Die Angst, mit einem Elektroauto irgendwo im Nirgendwo zu stranden, hält viele Menschen vom Kauf eines umweltfreundlichen Stromers ab. Oft wird die Suche nach der nächsten Ladestation zu einer unendlichen Geschichte. Solange die Infrastruktur in Deutschland noch Löcher wie ein Schweizer Käse hat, müssen intelligente Hilfsmittel den Weg weisen.

Ford hat nun ein Konzept entwickelt, das die Sorgen zerstreuen könnte: Ein intelligenter Algorithmus soll die günstigsten Standorte für neue Schnellladestationen aufspüren. Damit das im hektischen Verkehrsalltag klappt, hat Ford 160 speziell ausgerüstete Lieferwagen mit einem Gerät zur Datenerfassung auf die Piste geschickt.

Die Daten-Analyse bietet Erkenntnisse aus umgerechnet mehr als 15.000 Fahrzeug-Einsatztagen, teilt der Hersteller mit. Die Flotte legte auf ihrer Mission insgesamt mehr als eine Million Kilometer zurück und lieferte rund 500 Millionen Einzeldaten. Die Erkenntnis: Schon eine relativ geringe Anzahl von strategisch sinnvoll positionierten Schnellladestationen kann schließlich den Zugang zum mobilen Laden deutlich verbessern.

Experten erwarten, dass die Elektrifizierung auch die Art und Weise, wie wir unsere Fahrzeuge bewegen und betanken, grundlegend verändern wird. "Das Nachladen von Elektrofahrzeugen unterscheidet sich grundlegend von herkömmlichen Autos, bei denen das Nachfüllen mit Benzin oder Diesel nur fünf Minuten dauert", sagt John Scott, Projektleiter City Data Solutions bei Ford Smart Mobility.

Es geht darum, herauszufinden, wohin Fahrzeuge gefahren sind sowie wo und wie lange sie geparkt wurden. Das ermögliche die künftige Integration von Ladevorgängen in reguläre Autofahrten, heißt es. Und wer profitiert von den Daten-Aufzeichnungen? Vor allem Unternehmen, deren Fahrer unterwegs mehrmals ihr Fahrzeug abstellen, zum Beispiel im Zuge von Auslieferungen, so die Antwort der Ford-Strategen. Daten, die von real eingesetzten Fahrzeugen erfasst werden, könnten Städten ermöglichen, effektiver zu planen, auch mit Blick auf ihr Infrastrukturbudget.

"Unsere Fähigkeit, die riesigen Mengen an Fahrdaten zu analysieren, kann entscheidend dazu beitragen, die Städte der Zukunft zu entwickeln", betont John Scott. Auf diese Weise sollen intelligente Fahrzeuge für eine intelligente Welt geliefert werden, Elektrofahrzeuge für sauberere und ruhigere Städte: "Zudem wollen wir unsere Daten für eine möglichst effiziente Investition in die notwendige Infrastruktur nutzen."

Wie die meisten anderen Hersteller setzt auch Ford auf eine Elektrifizierungs-Strategie. Das heißt: Der in Köln ansässige Hersteller will in den kommenden Jahren 16 neue elektrifizierte Modelle auf den Markt bringen. Dabei handelt es sich laut Ford um ein modernes Portfolio an Mild-, Voll- und Plug-in-Hybrid-Fahrzeugen, die mit verbesserter Kraftstoff-Effizienz punkten sollen.

"Dank unserer neuen Hybrid-Modelle wird Elektromobilität für so viele Autokäufer wie nie zuvor relevant und erschwinglich", sagt Stuart Rowley, Präsident von Ford Europa. Die erst kürzlich vorgestellten Produkte seien der Startschuss für den Plan, ein umfassendes Angebot an smarten Fahrzeugen für eine smarte Welt zu entwickeln, so Rowley. Vom Ford Fiesta bis zum Ford Transit soll künftig jede Baureihe mit mindestens einer elektrifizierten Version auf den Markt kommen, die den Bedürfnissen und dem Budget der europäischen Kunden bestmöglich entspricht. Das klingt nach einem sehr ambitionierten Ziel.

Ralf Loweg / mid