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IAA 2017 Mit einem Feuerwerk von Premieren kommen Volkswagen, Daimler und BMW an den Main

Für die deutschen Hersteller bleibt Frankfurt die Leitmesse

Abgasskandal und magere Verkaufszahlen bei Elektroautos sind nur am Rande Themen: Die deutschen Hersteller brennen ein Premierenfeuerwerk bei der Internationalen Automobilausstellung ab.

Alle reden von Elektromobilität - und alle haben neue SUVs mit Verbrennungsmotoren, die bekanntlich nicht zu den sparsamsten Fahrzeugen gehören, entwickelt und mit zur 67. Internationalen Automobilausstellung nach Frankfurt gebracht - laut Daimler-Chef Dieter Zetsche die "wichtigste Automobilmesse". Bis zum 24. September zeigen dort die großen Hersteller, mit deutlichen Lücken bei den ausländischen Konzernen, ihre Neuheiten.

Schon im Vorfeld haben die Konzernlenker der großen Drei aus Deutschland die elektrische Zukunft beschworen. Bei der Messe in Frankfurt zeigen sie eine beträchtliche Anzahl von Fahrzeugen, bei denen kein Verbrennungsmotor unter der Haube mehr Dienst tut. Unübersehbar sind aber die meisten in Halle 1 (Daimler), 3 (Volkswagen) und 11 (BMW) aufgefahrenen Concept Cars noch nicht serienreif.

Wie weit die Hersteller mit zukunftsweisenden Konzepten sind, zeigen sie in ihren Hallen. Dass der Kunde dabei mitziehen muss und dass er für den Nachteil einer geringeren Reichweite und längerer Ladezeiten nicht auch noch mehr bezahlen will, steht auf einem anderen Blatt. Volkswagen-Markenchef Herbert Diess hat am Dienstag schon mal einige Pflöcke eingeschlagen: Der Kompakt-SUV I.D. Crozz soll im Jahr 2020 auf den Markt kommen, er soll eine Reichweite von 600 Kilometern haben und "in etwa so viel wie ein Golf Diesel" kosten.

"Großes Theater"

Die IAA, die ab heute für das breite Publikum geöffnet ist, ist aber nicht nur Zukunftsmesse, sondern vor allem "großes Theater". Am besten macht das in diesem Jahr BMW. Die Münchner lassen ihre Neuheiten in einer wahren "Careographie", untermalt von wummernden Bässen und Stakkato-Schlagzeug und bebildert mit eindrucksvollen Filmsequenzen auf der Bühne vorfahren. Mit dem Concept X7 iPerformance hat BMW im Luxussegment des E-Bereichs deutliche Zeichen gesetzt. Alltagstauglich ist hingegen schon der i 3, dessen Neuauflage in Frankfurt präsentiert wird. Concept Cars mit deutlicher Nähe zur Serienreife sind die 8 Series und der Z 4. Im klassischen Fahrzeugbereich hat BMW die neue Generation seines kompakten SUV X 3 mitgebracht, außerdem den 6er Gran Turismo.

Im Mittelpunkt der Präsentation der BMW-Tochter Mini steht der Mini Electric Concept, Vorbote für den ersten, ab 2019 in Großserie produzierten Mini mit rein elektrischem Antrieb. Dieser Zeithorizont - 2020 - gilt auch für die ersten elektrischen Serienfahrzeuge von Volkswagen. In Frankfurt wurde der I.D. Crozz II - ein Crossover in der Kompaktklasse - vorgestellt, zusammen mit dem I.D. Buzz, der praktisch den VW-Bus elektrifiziert. Wie schon bei seinen herkömmlichen Fahrzeugen, stellt Volkswagen auch für die Elektromobilität einen Baukasten zu Verfügung, aus dem sich die Entwickler bedienen können.

Mit SUV auf Kundenfang

Die wichtigste Neuheit von Volkswagen kommt allerdings mit Verbrennungsmotor nach Frankfurt: der Kompakt-SUV T-Roc, mit dem der Konzern unterhalb von Touareg und Tiguan auf Kundenfang geht. Auch die beiden Töchter Skoda und Seat bringen Kompakt-SUVs auf den Markt, die Tschechen den Kadoq und die Spanier den Arona. Porsche schließlich geht mit der neuen Generation des Cayenne ins Rennen.

Für Audi ist die IAA die Bühne für die neue Generation des Flaggschiffs A 8. Die Schau stehlen dem edel-eleganten Oberklässler aber die beiden Concept Cars Elaine und Aicon. Vor allem Letzteres macht mit futuristischer Architektur, weitgehendem autonomem Fahren und einer großen Reichweite auf sich Aufmerksam. Elektro-Konzepte gibt es auch bei Skoda: Der Vision E ist ein ausgesprochen schönes und rein äußerlich schon seriennahes Fahrzeug.

Seine Luxusfamilie, die S-Klasse, hat Mercedes um Coupé und Cabrio vergrößert. Aber auch in Halle 1 gilt die Aufmerksamkeit eher den futuristischen Studien, dem AMG Project One, einem von der Formel 1 auf die Straße geholten Hybrid, und dem EQA Concept. Und natürlich dem Kleinsten, dem Smart Vision EQ. Smart soll ab 2020 nur noch Elektroautos produzieren, und die in Frankfurt präsentierte Studie kommt diesen künftigen E-Autos wahrscheinlich schon sehr nahe.

Zudem stellte Daimler seinen ersten Pickup, die X-Klasse, vor. Und das vielleicht mit wichtigste Auto, das von außen wie ein ganz normaler GLC aussieht. Nur der Zusatz F-Cell weist auf die Besonderheit hin: Unter der Motorhaube wirkt eine Kombination aus Brennstoffzellenmotor und Elektroantrieb.

"Nur gucken, nicht berühren und schon gar nicht fahren" - auch das gibt's bei der IAA. Bei der Volkswagen-Tochter trifft das für den Bentley New Continental GT zu. Für den schnellen Luxusschlitten mit Zwölfzylinder muss man in der Grundversion knapp unter 200 000 Euro hinblättern.

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