Auto

Ganz sicher autonom unterwegs

Autonomes Fahren und Sicherheit gehören zwingend zusammen. Beides unter einen Hut zu bringen, ist technisch nicht ganz einfach. Doch viele Autobauer nähern sich schrittweise dem Ziel. Vor allem Premium-Hersteller wie Audi, BMW, Mercedes-Benz und Volvo sind schon weit gekommen. Eine Schlüsselrolle spielt die Entwicklung der elektronischen Sicherheitsassistenten.

Beispielsweise wollen Bosch und Daimler mit dem vollautomatisierten, fahrerlosen Fahren im urbanen Umfeld den Verkehrsfluss in Städten verbessern, die Sicherheit auf der Straße erhöhen und einen wichtigen Baustein für den Verkehr der Zukunft liefern. Gefeilt wird an der Sensoren-Technik und der damit einhergehenden Daten-Erfassung und -Verarbeitung. Überstürzen wolle man aber nichts, heißt es aus Stuttgart. Sicherheit gehe vor Schnelligkeit.

Der schwedische Fahrzeughersteller Volvo verpflichtet sich ja schon traditionell der Verkehrssicherheit, was möglicherweise auch mit der humanen Kultur des skandinavischen Landes zu tun hat. Zur Strategie von Volvo gehört, dass bis 2020 kein Mensch mehr durch die Fahrt in einem neuen Fahrzeug der Marke ums Leben kommen soll. Ein umfangreiches Set an Assistenzsystemen bewahrt Fahrer und Fußgänger schon seit einigen Jahren vor Kollisionen. Fast alle großen Fahrzeughersteller verfeinern die Elektronik, die Unfälle verhindern soll.

Die jeweiligen Autobauer machen sich freilich nicht als Einzelkämpfer auf den Weg in die neue Welt des fahrerlosen Fahrens. Beispielsweise nutzt Volvo das Know-how des amerikanisch-schwedischen Unternehmens Autoliv, das schon seit 1953 Sicherheitssysteme fürs Automobil herstellt, sowie des kalifornischen Prozessoren- und Chip-Entwicklers Nivida. Zu dritt gestaltet man die Automobil-Technologie der nächsten Generation nach schwedischen Vorstellungen. Bis 2021 will man autonome Fahrzeuge der Stufe vier (voll automatisiertes Fahren) verkaufen.

"Künstliche Intelligenz ist das wesentliche Werkzeug, um die unglaublich anspruchsvolle Herausforderung des autonomen Fahrens zu lösen", sagt Nivida-Chef Jensen Huang. "Wir bauen auf unserer früheren Zusammenarbeit mit Volvo Cars auf, um serienreife Fahrzeuge zu bauen, die das Autofahren sicherer machen, zu grüneren Städten führen und die Staus auf unseren Straßen reduzieren."

Hakan Samuelsson, Vorstandsvorsitzender von Volvo, sieht sich mit dem Kompetenz-Trio an der Spitze auf dem sich rasant entwickelnden Markt für autonome Automobilität. Die Kooperation werde den Prozess, autonome Fahrzeuge in den Handel zu bringen, beschleunigen. "Unsere Kunden wollen sicherere, nachhaltigere und bequemere Autos", betont der Volvo-Chef. Volvo könne dieser Nachfrage gerecht werden und eine Kraft für Veränderungen sein. "Ich bin zuversichtlich, dass unsere nächste Generation voll autonomer, elektrifizierter und vernetzter Fahrzeuge dazu beitragen wird, die Städte der Zukunft sauberer, sicherer und intelligenter zu machen."

Und dazu gehört freilich Know-how im Bereich modernster IT: Nach Ansicht der Ingenieure geht es zunächst darum, Systeme zu entwickeln, die tiefes Lernen - eine Form künstlicher Intelligenz - nutzen, um Objekte in ihrer Umgebung zu erkennen, potenzielle Bedrohungen wahrzunehmen und sicher zu navigieren. Und diese Systeme können aktuelle Verkehrs-Situationen in Echtzeit mit einer bekannten High-Definition-Karte vergleichen. Dadurch wird es zum Beispiel möglich, sichere Routen zu planen. Das System passt sich ständig den gegebenenfalls veränderten Umständen an.

Zum Faktor Sicherheit gehören auch ausgeklügelte Kamerasysteme. Hierbei werden verschiedene Kameraeingängen zusammengefügt, um eine vollständige Surround-Ansicht des Fahrzeugs zu erstellen. Das Zusammenwirken von Kameras, Sensoren, Internet und intelligenter Datenverarbeitung ist Basis des autonomen Fahrens. Und die aktuellen Sicherheitsassistenten sind bereits Vorboten einer neuartigen Automobilität.

So manche Innovation ist wie ein Mosaik-Stein zum großen Gebilde deutlich erhöhter Verkehrssicherheit. Auf diesem Gebiet ist die Autoindustrie schon weit vorangekommen. Das autonome Fahren in Reinkultur mag noch Zukunftsmusik sein - doch in ganz so weiter Ferne spielt sie nicht mehr.

Lars Wallerang / mid