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Geschlechterkampf in der "grünen Hölle"

Ein 24-Stunden-Rennen ist eine der härtesten Herausforderungen im Motorsport. Und wenn dieser Marathon auch noch auf der berühmtesten Rennstrecke der Welt stattfindet, scheint eine Steigerung kaum möglich. Diesmal bekommen die mehr als 200.000 Zuschauer rund um die legendäre Nordschleife des Nürburgrings jedoch etwas zu sehen, was es so noch nie zuvor gegeben hat: Ein Männer- und ein Frauen-Team treten am 12. und 13. Mai 2018 in exakt gleichen Rennautos zum großen Geschlechterkampf gegeneinander an.

Eines ist der Siegermannschaft schon jetzt gewiss: ein Eintrag ins berühmte Guinness-Buch der Rekorde. So oder so wird in der "grünen Hölle" Motorsport-Geschichte geschrieben. Und wer jetzt denkt, es handelt sich um eine Marketing-Aktion, liegt falsch. Denn es wird von der ersten Runde an mit offenem Visier gefahren. Das bestätigt Initiator Axel Watter dem Motor-Informations-Dienst (mid): "Am Nürburgring wird es einen fairen Wettstreit ohne Absprachen geben."

In der Tat: Die Voraussetzungen für diesen spektakulären Wettkampf auf der schwierigsten Rennstrecke der Welt sind für beide Teams absolut identisch. Gefahren wird in zwei KTM X-BOW, ausgerüstet mit Michelin-Reifen und einem 320 PS starken Audi-Motor. Beide Autos wiegen mit ihrem Kohlefaser-Kleid jeweils nur etwas mehr als 1.000 Kilogramm. Und noch etwas haben beide Mannschaften gemeinsam: Pro Crew sind je vier Mechanikerinnen und Mechaniker von A.T.U im Einsatz. Eine schöne Sache, mit der man zeigen will, dass auch im Arbeitsalltag alle auf die gleiche Weise mit anpacken.

"2017 haben wir unser Mitarbeiterprogramm am Nürburgring erfolgreich gestartet", erklärt Jörn Werner, der Vorsitzende der Geschäftsführung von A.T.U. "Jetzt treten wir mit je einem Männer- und Frauenteam an." Die Botschaft dahinter: "Es zählen unabhängig vom Geschlecht einzig Können und Leidenschaft für die gemeinsame Sache, und alle kämpfen für das gleiche Ziel."

Der Zufall will es, dass es gleichzeitig auch noch zu einem Vater-Tochter-Duell kommt. Dabei fordert Rennfahrerin Lena Strycek ihren Daddy Volker heraus. Und der ist in der Motorsport-Szene nun wirklich kein Unbekannter. Volker Strycek war 1984 immerhin der erste Deutsche Tourenwagen-Meister (DTM) und später viele Jahre Sportchef bei Autobauer Opel. Bislang fuhren Vater und Tochter gemeinsam im Team, beim großen Geschlechterkampf sind sie jetzt erbitterte Gegner - aber nur für 24 Stunden.

"Das Auto ist großartig, sehr schnell und macht unheimlich viel Spaß", sagt Lena Strycek. Ihre Teamkolleginnen sind die frühere DTM-Pilotin Rahel Frey, KTM-Werksfahrerin Naomi Schiff und Laura Kraihamer, die schon richtig aufgeregt ist: "Das 24-Stunden-Rennen ist Kult. Hier dabei sein zu können, gemeinsam mit drei anderen schnellen Mädels, ist einmalig."

Neben Volker Strycek bilden Max Friedhoff sowie die beiden Söhne von Rennfahrer-Legende Hans-Joachim Stuck, Ferdinand und Johannes, das Männer-Team. Das Familien-Duell mit seiner Tochter sieht Volker Strycek als "große Herausforderung". Dennoch ist die Vorfreude riesig: "Dass es jetzt gleich mit dem 24-Stunden-Rennen für Lena und mich klappt, ist eine tolle und spannende Geschichte." Mal schauen, wer nach diesem einzigartigen Rennen im Hause Strycek die Hosen anhat.

Ralf Loweg / mid