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Test VW Polo GTI Die sportliche Version des Kleinwagens hat einen 200 PS starken Benzinmotor / Komfortables und ausreichend geräumiges Fahrzeug

GTI-Version adelt die Polo-Baureihe

Genauso brav wie er daher kommt, ist der Grundcharakter des Polo GTI. Volkswagen gibt seinem erfolgreichen Volumenmodell zwar die Zügel für 200 Pferdestärken frei, bewahrt ihm aber weitgehend seinen komfortablen Charakter. Wer eine schon im Aussehen halbstark daher kommende Krawallschachtel sucht, muss sich woanders umsehen.

Wenn man von dem dünnen roten Streifen im Kühler und den karierten Sitzen absieht – beides seit Uhrzeiten die Erkennungsmerkmale eines GTI aus Wolfsburg – ist der stärkste unter den Polos kaum von einem Modellbruder zu unterscheiden, dem man etwas breiteren Reifen spendiert hat.

Das ändert sich schlagartig, sobald der Zündschlüssel im Schloss gedreht ist – ja, so etwas gibt es in Zeiten von Keyless-Go und Starterknopf auch noch. Sofort steht ein Kraftpotenzial zur Verfügung, das seinen Reiz aus der unaufgeregten Art bezieht, mit der sich die Leistung entwickelt.

Da gilt wieder einmal der alte Spruch: Hubraum ist durch nichts zu ersetzen. Statt Downsizing setzt VW auf zwei Liter Volumen, die sich auf vier Zylinder verteilen. Und um dem Ganzen noch mehr Druck zu machen, wird noch ein Turbolader in den Abgasstrang gesteckt. Das Ergebnis: 320 Nm Drehmoment, die schon ab 1500 Umdrehungen an der Vorderachse ziehen.

Ziehen passt als Beschreibung auf jeden Fall besser als zerren. Selten ist die Antriebsachse mit der Leistung von 200 PS überfordert. Das hängt unter anderem damit zusammen, dass der GTI nicht übertrieben vehement aus den Startlöchern schießt. Der Turbo muss schließlich erst Druck aufbauen. Traktion verliert das Fahrzeug nur, wenn die Kraft aus Kurven heraus über noch quer stehende Räder herfällt.

Immerhin geschieht das mit Zurückhaltung, weil das Motormanagement offenbar weniger zulässt als möglich wäre. Immerhin reicht es für eine Beschleunigung in zackigen 6,7 Sekunden auf Tempo 100.

Die sechs Übersetzungen des Doppelkupplungsgetriebes sind zwar fein abgestimmt, aber wenn mehrere Gänge übersprungen werden sollen, ist es nicht ganz so lustvoll bei der Arbeit, wie man sich das wünschen würde. Einen Handschalter hat Volkswagen leider nicht im Angebot. Das soll sich aber ändern.

Für den Verbrauch ist die Automatik von Vorteil. Wer nicht ständig alles aus dem Motor herausholt und sich nicht permanent in den oberen Drehzahlen aufhält, wird mit Werten um sieben Liter belohnt. Im Test lag der Verbrauch bei 7,8 Litern.

Die Beschreibung „wunschlos glücklich“ gilt für das Fahrwerk des Polo. Das ist eindeutig die Paradedisziplin des flotten Volkswagens. Ob man sich nun auf Flüsterasphalt bewegt oder auf miesen Holperstrecken unterwegs ist – der Kleine ist immer in seinem Element. Er bleibt neutral in der Kurve, stabil in der Spur und bügelt Unebenheiten besser weg als seine Mitbewerber in dieser Klasse. Das Fahrverhalten ist bis in den Grenzbereich neutral. Ein für Fronttriebler typisches Untersteuern existiert nur sehr schwach ausgeprägt. Außerdem lässt sich der Wagen durch leichtes Gasfußlupfen oder „Kurvensägen“ sofort wieder auf Kurs bringen.

Wobei die Ingenieure bei der Abstimmung der Lenkung leider zu viel Wert auf Leichtgängigkeit und zu wenig auf Rückmeldung gelegt haben. Gerade die erfreulich agile Reaktion auf jeden Zupfer am Volant erfordert eigentlich die Koppelung zur Fahrbahn, um eine saubere Linie fahren zu können.

„Saubere Linie“ war wohl auch die Aufgabe der Designer. Die sechste Generation des Polo ist außen wie innen ebenso gelungen wie unaufdringlich gestaltet.

Die meisten Hinweise auf dieses besonders sportliche Modell finden sich im Interieur. Dort geben die bereits erwähnten Karo-Sitzbezüge, GTI-Schriftzüge, die Gestaltungsfarbe Rot an verschiedenen Flächen und Nähten eindeutig Hinweise.

Das Platzangebot ist im Vergleich zu den Vorgängern spürbar gewachsen. Wenn man sich zurückerinnert, wie im ersten Polo aus dem Jahr 1975 die Hinterbänkler den vorne Sitzenden die Knie ins Kreuz drückten, obwohl diese ohnehin schon in Froschhaltung unterwegs waren, ist das, was der aktuelle Wagen zu bieten hat, als üppig zu bezeichnen.

Dazu kommen ein Sicherheitsniveau und eine assistenztechnische Ausrüstung, die noch vor wenigen Jahren höchstens Mittel- und Oberklassefahrzeugen gegönnt wurde.

Beispiele dafür sind der Abstandstempomat, eine Totwinkelüberwachung, die Müdigkeitserkennung, Parkassistenten und das serienmäßige Front-Assist-System. Es analysiert Fahrsituationen und leitet im Ernstfall ein Bremsmanöver ein.

Gut behütet, bequem untergebracht und sportlich befördert – das alles macht der GTI möglich, sobald man bereit und in der Lage ist, mindestens 25 210 Euro anzulegen.

Der Einstieg in die Modellreihe gelingt schon deutlich früher. Basismodell ist der Polo Trendline mit 80-PS-Benzinmotor für 14 285 Euro. Vier Türen, „Front Assist“ mit City-Notbremsfunktion, Fußgängererkennung, Kopfairbagsystem für Front- und Fondpassagiere und Seitenairbags vorn hat auch der schon.