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Happy. Holidays. Everyone.

Archivartikel

Ein neuartiges Adress-System beschreibt jeden Ort auf der Welt mit drei Worten. In aktuellen Mercedes-Modellen hilft es bereits, zu abgelegenen oder namenlosen Zielen zu finden.

Unsere. Erfinder. Feier. Was sich anhört wie Small-Talk unter Party-Gästen, ist tatsächlich: eine Adresse. Aber eine ganz besondere. Normalerweise gehen Adressen ja so: Ort mit Postleitzahl, Straße mit Hausnummer. In organisierten und gut kartographierten Gebieten wie in Deutschland funktioniert das; meistens führt das Navi einen dorthin, wo man möchte. Aber selbst hierzulande gibt es Ausnahmen: Die Suche nach einem bestimmten Tor einer großen Fabrik hat schon manchen Lieferanten verzweifeln lassen. Oder, ganz trendy: Der Waldkindergarten, der Bauwagen und Tipi an einer Lichtung irgendwo im Staatsforst aufgeschlagen hat. Wie dem Rettungsdienst die Anfahrt erklären, wenn einem der lieben Kleinen was geschehen ist?

Der Campingplatz im amerikanischen Nationalpark, die kleine Wohnung in der Mega-City Tokio, wo viele Straßen nicht einmal Namen haben und sich selbst ortskundige Taxifahrer nach Weg-Beschreibungen auf der Visitenkarte orientieren. Klar, kann man so machen. Oder man könnte zu den jeweiligen GPS-Daten navigieren, aber diese langen Zahlenreihen merken sich nicht mal die Bewohner abgelegener Orte selbst, sie sind umständlich und fehleranfällig bei Übermittlung und Eingabe.

Aber neuerdings hat alles und jedes eine Adresse, die man sich gut merken kann - und über die Sprachsteuerung auch in jedem Mercedes-Benz nutzen kann, der über das neueste Comand-System verfügt (das wären die E-Klasse-Baureihe, alle Modelle der S-Klasse, der neue CLS und ab Juli 2018 die überarbeitete C-Klasse, und natürlich die kommende A-Klasse mit dem innovativen MBUX-Bediensystem).

Diese Adresse besteht aus drei Worten, und ausgedacht hat sich das System das vor fünf Jahren gegründete Start-up what3words. Es hat den kompletten Globus mal eben in 57 Milliarden schlanke Parzellen eingeteilt, jede nur drei mal drei Meter groß - und jede von ihnen mit drei recht einfach zu merkenden Begriffen bezeichnet. Das mag sich zuerst etwas schräg anhören, macht aber durchaus Sinn. Erstens: Wörter können sich die meisten Menschen viel einfacher merken als lange Zahlenreihen. Zweites: Wer bis auf drei Meter genau zu seinem Ziel gelotst wird, sollte dann keine Mühe mehr haben, es zu finden. Drittens: Es ist einfach lustig zu gucken, welcher Ort sich hinter welchen Worten verbirgt. Happy. Holidays. Everyone. Das führt zu einem Plätzchen nahe Jakarta in Indonesien. Passt doch irgendwie.

Die Kombinationen erstellt ein Algorithmus aus 25.000 Begriffen - und versucht dabei, Verwechslungen mit ähnlich klingenden Wortreihen zu vermeiden. Wenn man erst mal auf so etwas gekommen ist, so scheinbar simpel und genial zugleich, bleibt der Erfolg nicht aus: Neben Daimler arbeiten bereits die UN, das Logistik-Unternehmen Aramex oder der Navigations-Dienstleister Navmii mit what3words.

Es ist also gut möglich, dass man künftig seine Adresse ganz normal auch in drei Worten angibt. Auf der Webseite what3words.com kann jeder selber nachschauen, welche seinen Wohnort oder sein Büro katalogisieren - und diese statt der üblichen Adresse einem ortsunkundigen Besucher mitteilen, sofern der in einem der oben genannten Mercedes-Modelle anreist.

Darüber hinaus sollte der auch im Daimler-eigenen Online-Service Mercedes me eingeloggt sein. Dann erst kann Comand mit dem Drei-Wort-Satz etwas anfangen - schließlich schleppt der Wagen die gigantische Menge an Adressen nicht im Bordsystem mit sich herum, sondern die benötigte Route wird online an Bord gestreamt.

Dann also kann es losgehen. Auto, navigiere mich nach: Unsere. Erfinder. Feier. Wer dann den Navi-Befehlen folgt, landet übrigens am Daimler-Standort Sindelfingen.

Marcus Efler / mid