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IAA Nutzfahrzeuge: So steht es um die Sicherheit

Archivartikel

Fahrerassistenzsysteme, Elektromotoren und jede Menge Komfort: Die Hersteller stellen auf der IAA Nutzfahrzeuge 2018 in Hannover im Minutentakt ihre Innovationen ins Schaufenster. Dabei darf das Thema "Sicherheit" nicht zu kurz kommen. Die Sachverständigenorganisation Dekra fordert Hersteller, Politik, Spediteure und Fahrer auf, das Sicherheitspotenzial von Systemen wie Spurhalteassistent, Notbremsassistent oder Abbiegeassistent voll auszuschöpfen.

"Die Entwicklung der Unfallzahlen geht zurzeit in die richtige Richtung, aber wir dürfen in unseren Anstrengungen für die Verkehrssicherheit nicht nachlassen", sagte Dekra-Vorstand Clemens Klinke vor der IAA-Eröffnung in Hannover. Experten haben mit Fahrversuchen im Dekra Technology Center am Lausitzring den potenziellen Nutzen von Assistenzsystemen gezeigt.

Vor allem schwere Auffahrunfälle mit Nutzfahrzeugen am Stauende auf der Autobahn sorgen immer wieder für Schlagzeilen. "Die Masse, die ein beladener Lkw mit sich bringt, führt hier naturgemäß zu besonders schweren Unfallfolgen", so Klinke. "Solche Unfälle können moderne Notbremsassistenzsysteme in vielen Fällen vermeiden oder zumindest die Unfallschwere deutlich verringern." Der Notbremsassistent warnt den Fahrer zunächst rechtzeitig vor der drohenden Kollision mit einem per Radar und/oder Kamera erfassten Hindernis. Wenn der Fahrer nicht reagiert, leitet das System selbsttätig eine Bremsung ein.

Notbremsassistenten sind seit 2015 für die meisten neu zugelassenen Serien-Lkw über acht Tonnen vorgeschrieben, im November 2018 tritt die Ausrüstungspflicht für neu zugelassene serienmäßige Nutzfahrzeuge über 3,5 Tonnen in Kraft. Die Vorschrift verlangt von den Systemen allerdings nur eine bestimmte Verringerung der Geschwindigkeit, zum Beispiel bei pneumatischen Bremsanlagen auf ein stehendes Hindernis eine Reduktion um 20 km/h, erklären die Dekra-Experten.

Viele der heute verfügbaren Systeme leisten allerdings deutlich mehr als diese Vorgabe. "Die Fahrzeuge kommen - je nach Ausgangsgeschwindigkeit - in den meisten Fällen selbst vor einem stehenden Hindernis komplett zum Stillstand und vermeiden die Kollision", erklärt Dekra-Vorstand Klinke. Und in den anderen Fällen bauen die Systeme durch die automatische Gefahrenbremsung den allergrößten Teil der Bewegungsenergie ab, sodass eine Kollision am Ende wesentlich geringere Auswirkungen hat.

Damit die verfügbaren Notbremsassistenten ihr Sicherheitspotenzial noch stärker ausspielen können, müssen sie in der Flotte möglichst weit verbreitet sein. "Wir rufen deshalb die Transportbranche, allen voran unsere Mitglieder, dazu auf, ihre Fahrzeuge mit den besten verfügbaren Notbremssystemen auszurüsten und sich nicht auf die gesetzlichen Mindestanforderungen zu beschränken", so Klinke. Manche Hersteller bieten serienmäßig Systeme an, die den vorgegebenen Mindeststandard leisten, während die neuesten und leistungsfähigsten Notbremssysteme als Sonderausstattung verfügbar sind.

Entscheidend für die Wirkung von Notbremsassistenten ist auch, dass sie während der Fahrt nicht abgeschaltet werden. "Man muss sich die Frage stellen, warum derartige Systeme überhaupt abschaltbar sein sollten", sagt Klinke. Wichtig sei, dass die Fahrer über die Funktionalitäten ihres Notbremssystems genau Bescheid wüssten. "Es ist verheerend, wenn ein Unfall passiert, den der eingeschaltete Notbremsassistent hätte verhindern können."