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Connectivity Die tschechische Volkswagen-Tochter Skoda ist Vorreiter bei der Fahrzeugvernetzung / Konnektivität ist ein wichtiges Verkaufsargument

Ich hab’ mein Auto in der Hosentasche

„Digitalisierung, Konnektivität und Elektromobilität sind die Megathemen, die das Geschäft in Zukunft nachhaltig beeinflussen werden“, sagte Peter-J. Lorenzen, Leiter Digitalisierung-Händlersysteme bei Skoda Deutschland beim ersten Media-Treff des Herstellers im Jahr 2018 in Neu-Isenburg vor Fachjournalisten. Und gerade die Konnektivität macht Skoda zu seinem Thema – immerhin 40 Prozent der Autokäufer geben an, dass das Thema Vernetzung eine wichtige Rolle bei ihrer Kaufentscheidung spielt.

Connectivity gibt dem Fahrer eine Reihe von Hilfsmitteln zur Hand, die das Fahren einfacher, vorausschaubarer machen. Zum Beispiel kann man übers Internet von zuhause auf die Fahrzeugdaten zugreifen: Reicht die Tankfüllung für die nächste Geschäftsfahrt?

Man muss nicht während der Fahrt die Zieladresse ins Navi reinfummeln, sondern kann bequem am heimischen Laptop die Route errechnen lassen und ans Fahrzeug senden. Mit Konnektivität beginnt die Fahrt nicht erst mit dem Einstieg ins Auto, sondern schon am heimischen Schreibtisch. Oder, wie es Peter-J. Lorenzen ausdrückte: „Ich hab‘ mein Auto in der Hosentasche“, nämlich auf der Skoda-App des Smartphones.

Der tschechische Hersteller bietet sein Connect-System in allen Fahrzeugen ab dem Fabia serienmäßig an. Es basiert auf den zwei Säulen „Care Connect“ und „Infotainment Online“. Care Connect umfasst den Notruf und die proaktiven Dienste (wie den Fahrzeugzustandsbericht). Infotainment Online gibt dem Kunden mehr Komfort und zusätzliche Angebote: Informationen, die ihn dabei unterstützen, pünktlich, bequem und sicher sein Ziel zu erreichen.

Die proaktiven Dienste bleiben ebenso wie der Notruf das ganze Autoleben (14 Jahre) lang kostenfrei. Den Fahrzeugfernzugriff und Infotainment Online können Skoda-Kunden nur im ersten Jahr kostenfrei nutzen. Danach werden jährliche zwischen 60 und 70 Euro fällig. Werden die Kunden das akzeptieren? Gabriel Seiberth von der Beratungsagentur Accenture Digital war beim Medientreff davon überzeugt: „Je besser die Dienste, desto höher die Zahlbereitschaft.“

Der Zugriff von zuhause aus („remote access“) ist übrigens nicht nur über die Tastatur von Laptop und Smartphone möglich, sondern auch über die Sprachfunktionen „Siri“ (Apple) und „Google Voice“ sowie demnächst über Amazons „Alexa“.

Zu den Care-Connect-Diensten zählt unter anderem die automatische Unfallmeldung. Sie übermittelt bei einem Crash die Fahrzeugdaten automatisch, damit die Helfer möglichst schnell und gezielt die richtigen Schritte einleiten. Der Pannenruf erfolgt über eine Taste im Dachhimmel. Das System sendet den Standort und die Fahrzeugdaten an das Pannenruf-Call-Center und stellt einen Sprachanruf her. Auch der Inforuf ist über eine Taste im Dachhimmel zu erreichen.

Der Fahrzeugzustandsbericht zeigt den Status von Bremsen, Licht, Assistenzsystemen und mehr an, überträgt Kilometerstand, Kraftstoff- und AdBlue-Füllstände sowie aktuelle Warnmeldungen oder bevorstehende Serviceereignisse aufs Smartphone. Der Fernzugriff erlaubt es, Fahrzeugdaten per App oder vom heimischen PC abzurufen und einige Funktionen im Auto aktiv zu steuern. Darunter zählen die Daten der letzten Fahrten, Kilometerstand, Wartungsinformationen, Reichweite und Verriegelungsstatus der Türen und Fenster.

„Infotainment Online“ ist die zweite Säule von Skoda Connect. Zu diesen mobilen Online-Diensten zählt unter anderem die Navigation anhand von Echtzeit-Verkehrsinformationen. Zudem ermittelt das System die günstigsten Tankstellen und freien Parkplätzen in der Nähe oder am Zielort und navigiert auf Wunsch dorthin. Vom PC zuhause oder bei der Arbeit können Reiserouten und persönliche Sonderziele auf das Navigationssystem übertragen werden. Hinzu kommen aktuelle Nachrichten und Wetterdaten. Außerdem lassen sich die Apps auf dem Smartphone auf dem Bildschirm im Auto „spiegeln“.

Der „remote access“ geschieht über einen Server (in Deutschland), nicht direkt vom Nutzer zum Fahrzeug. Damit wird der Eingriff eines Hackers in die Fahrzeugelektronik, wie er vor einigen Jahren in den USA für Aufsehen sorgte, unwahrscheinlich. Konnektivität erhöht die Sicherheit beim Fahren. Sie ist aber auch ein schier unüberschaubarer Zukunftsmarkt.

Deshalb ist es für Autohersteller wichtig, dabei zu sein. „Wir wandeln uns – vom Autohersteller zum Mobilitätsdienstleister“ stellte dazu Peter-J. Lorenzen fest.