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Im Mittelklasse-Kombi aus Korea kann man 62 Kilometer rein elektrisch fahren / Angenehmes Langstreckenfahrzeug Überzeugender Einstieg ins E-Zeitalter

Archivartikel

Am Kia Optima lässt sich studieren, wie eine moderne Design-Konzeption aus einem braven Schulbuben einen Musterschüler in Sachen Aussehen machen kann. Der Vorgänger Magentis startete im Jahr 2000 als solides Fahrzeug mit braven rundlichen Proportionen auf dem europäischen Markt. Erst mit dem Facelift der zweiten Generation (2008) und der von Chefdesigner Peter Schreyer entworfenen Tiger Nose – der unverwechselbaren Front – meldete Kia – jetzt mit dem Optima – auch Anspruch auf gestalterische Lorbeeren an.

Die bekam die dritte und vierte Generation reichlich in Form der renommierten Red Dot Awards. Und -– wow – der weiße Sportswagon, der da auf dem Parkplatz den Tester erwartet, sieht so wohlproportioniert, so modern aus, wie kaum ein Kombi mit europäischem Markenzeichen auf dem Kühler. Langgestreckt und schlank und ziemlich tief gelegt präsentiert er sich von der Seite, vorne streben die Linien auf die „Tigernase“ des Kühlergrills zu, der von breiten Scheinwerfern eingefasst wird, die sich seitlich bis in die Kotflügel hineinziehen.

Zierleisten in Blaumetallic an Heckstoßfänger, Seitenschwellern und Kühlergrill markieren den Unterschied: Hier steht ein Plug-in-Hybrid, der nicht nur aus der Zapfpistole der Tankstelle, sondern auch aus der heimischen Steckdose betankt wird. Oder – schneller und (vorerst noch) kostenlos – aus der Ladestation der örtlichen Stadtwerke. Durchschnittlich 1,4 Liter Superbenzin soll der Optima verbrauchen (33 Gramm CO2 pro Kilometer).

Aber – das ist die Erfahrung nach einigen kürzeren und längeren Runden mit dem Plug-in – die Frage nach dem Verbrauch muss beim Hybrid immer individuell beantwortet werden. Drückt man das Gaspedal nicht zu weit durch, fährt nur überschaubare Strecken oder lädt immer wieder die Batterie nach, dann kann man den Treibstoffverbrauch tatsächlich drastisch minimieren. Im Test gelang es, den Optima auf einer 60-Kilometer-Strecke mit vorsichtiger Fahrweise weitgehend rein elektrisch zu fahren.

Wenn man allerdings eine längere Strecke vor sich hat und über die elektrische Reichweite hinaus fährt – die angegebenen 62 Kilometer erwiesen sich im Test als realistisch – übernimmt der Benzinmotor die Arbeit. Dann verbraucht der Optima um die sieben Liter Super. Ein realer Durchschnittsverbrauch von 5,5 Litern bei Autobahnfahrten, auf der Landstraße, im Stadtverkehr, das ist für das 1,8 Tonnen schwere Fahrzeug dennoch ein ausgesprochen guter Wert. Das Kernelement im Optima Plug-in ist die Lithium-Ionen-Polymer-Batterie (in der Ersatzrad-Mulde platziert) in Verbindung mit einem 68 PS starken Elektromotor. Als Verbrennungsmotor kommt ein 2,0-Liter-Benzindirekteinspritzer zum Einsatz.

Gesamtleistung von 205 PS

Der Benziner ist mit dem Elektromotor gekoppelt, der neben seiner Antriebsfunktion auch als Generator dient und dadurch das Laden der Batterie während der Fahrt ermöglicht. Das Gesamtsystem hat eine Leistung von 205 PS und mobilisiert ein maximales Drehmoment von 375 Newtonmetern. Die Limousine beschleunigt in 9,4 Sekunden auf Tempo 100, der Kombi in 9,7 Sekunden. Beide Varianten fahren in der Spitze 192 Stundenkilometer.

Per Taste in der Mittelkonsole kann der Fahrer zwischen zwei Betriebsarten wählen. Der Hybrid-Modus („HEV“) sorgt für ein ausgewogenes Zusammenspiel von Elektro- und Verbrennungsmotor. Im Elektro-Modus („EV“) wird bevorzugt der E-Motor eingesetzt – sofern nicht durch sehr starkes Beschleunigen oder hohe Geschwindigkeiten der Benziner unterstützen muss.

Im Test erwies sich der Optima Plug-in-Hybrid als angenehmes Langstreckenfahrzeug, sicher im Handling, mit relativ straff abgestimmtem Fahrwerk, ermüdungsfreien Sitzen, hochwertigen Materialien und viel Platz im Fond und im Kofferraum: ein echtes Familienauto.

Kia hat seinem Optima schon in der Ausstattungsvariante „Attract“ jede Menge Sicherheits- und Assistenzsysteme spendiert. Hinzu kommen in der Version „Spirit“ zum Beispiel Intelligentes Parksystem, 270-Grad-Kamera und Fernlichtassistent.

Alles optimal beim Optima also? Nicht ganz: Der Wermutstropfen ist der Preis. Zwischen 40 000 und 50 000 Euro – je nach Ausstattung – das ist ein Wort für einen Mittelklasse-Kombi, der ohne Elektroantrieb in der Basisvariante schon für 26 000 Euro zu haben ist.

Auch wenn man die 3000 Euro Umweltprämie des Staates und die Sieben-Jahre-Garantie des Herstellers (einschließlich Batterie) in Betracht zieht, ist ein großer Batzen Geld für die Anschaffung nötig. Dem steht das Wissen gegenüber, ein ausgereiftes, ästhetisch anspruchsvolles und vor allem umweltfreundliches Auto zu fahren.

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