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Industrie lobt Juncker für Gespräch mit Trump

Archivartikel

Der Verband der deutschen Automobilindustrie (VDA) und das Münchner Ifo-Institut bewerten das Treffen zwischen EU-Kommissionspräsident Juncker und US-Präsident Trump positiv. "Der Ausgang des Gipfels weckt Hoffnungen, dass die beiden größten Volkswirtschaften der Welt in konstruktive Verhandlungen zum Abbau von Handelsbarrieren einsteigen, anstatt sich gegenseitig mit Zöllen und Gegenzöllen zu bedrohen", sagt Gabriel Felbermayr, Leiter des Ifo-Zentrums für Außenwirtschaft.

Da die bedrohlichen Autozölle zunächst abgewendet scheinen, schwächten sich die Konjunktursorgen etwas ab, erklärt der Ökonom. Das Ziel solcher Verhandlungen müsse ein Abkommen ähnlich zu dem mit Japan sein: eine ambitionierte Absenkung aller Zölle, verbesserter Marktzutritt bei Dienstleistungen und öffentlichen Aufträgen und regulatorische Zusammenarbeit. "Verhandlungen für ein solches Handelsabkommen bergen Themen mit erheblichem Konfliktpotenzial", erklärt Felbermayr und ergänzt, dass im EU-US-Handelskonflikt noch nicht Entwarnung gegeben werden könne. Allerdings kauften die Gipfelergebnisse wertvolle Zeit, die nach Ansicht des Ifo-Instituts nun auch von beiden Seiten sinnvoll genutzt werden müssten. Das hohe Handelsdefizit der USA mit der EU bei Gütern dürfte durch ein solches Abkommen jedoch kaum fallen. "Damit bleibt ein zentrales politisches Problem für den US-Präsidenten ungelöst", sagt Felbermayr.

Kurzfristig gebe es noch zahlreiche Unklarheiten: Der US-Präsident wünscht sich höhere Soja- und Gasimporte der EU. Diese könnten aber nicht bürokratisch verordnet werden, sondern seien das Ergebnis von Marktprozessen. Über die weitere Vorgangsweise im Automobilsektor sind keine Details bekannt, ebensowenig hinsichtlich der Frage, welche Schritte zur Stärkung der Welthandelsorganisation und zur Eindämmung angeblich unfairer chinesischer Handelspraktiken unternommen werden sollen.

Auch VDA-Präsident Bernhard Mattes zeigt sich optimistisch: "Dieses Signal der Deeskalation ist wichtig und nach den Entwicklungen der vergangenen Wochen ein großer Schritt nach vorn", sagt Mattes. Damit bestehe nun eine reale Chance, zusätzliche Zölle oder gar einen Handelskrieg zwischen den USA und der EU zu verhindern. "Das ist eine gute Nachricht für Wirtschaft und Verbraucher auf beiden Seiten des Atlantiks." Nun gelte es, die Verständigung mit Leben zu füllen und rasch Verhandlungen aufzunehmen. Die EU und die USA stehen zusammen für 50 Prozent des Welthandels. Der gegenseitige Abbau von Zöllen und nicht-tarifären Handelshemmnissen ist aus Sicht der Automobilindustrie der richtige Weg. Ein WTO-konformes transatlantisches Abkommen zu Industriegütern, das Automobile einschließen sollte, wird vom VDA unterstützt. Die EU solle nun geschlossen agieren und ihre handelspolitischen Spielräume nutzen.

Die deutsche Automobilindustrie steht für den freien Welthandel. Der Zugang zu den internationalen Märkten und der Abbau von Handelsschranken sind zentrale Voraussetzungen für die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit. Auch für das Engagement in den USA sei freier und fairer Handel entscheidend. Denn die Vereinigten Staaten seien für die deutschen Hersteller und Zulieferer ein strategisch wichtiger Markt.