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Im Test Auch mit der zweiten Auflage des großen viertürigen Coupés A7 Sportback gelingt es Audi, Sportlichkeit und Eleganz zu verbinden

Kantig, hart und ewig schön

Ingolstadt.Schicke Coupés sind unpraktisch! Jahrzehntelang galt dieser Satz als festgeschrieben. Doch auf der Suche nach Marktlücken haben sich findige Produktentwickler Automodelle ausgedacht, die flüssige Linien eines Coupés nicht automatisch mit einem Geturne hinter die umgeklappten Vordersitze verbinden: Sie haben die Fahrzeuge gestreckt und ihnen kurzerhand vier Türen verpasst. Ein Vertreter dieser Gattung ist der Audi A7 Sportback, der gerade frisch aufgelegt wurde.

Wie bisher ist der A7 ein viertüriges Coupé mit rahmenlosen Seitenscheiben, fließenden Linien und einem schräg auslaufenden Heck inklusive futuristischem Leuchtenband. Doch er wirkt nun ruppiger, kantiger, auffälliger. Die schmalen Scheinwerfer verleihen ihm eine finstere Miene, die durch den breiten Riesengrill noch untermalt wird. Der A7 rückt damit noch näher an den Großvater, das ewig schöne Audi 100 Coupé S, heran, das von 1970 bis 1973 gebaut wurde.

Innen ist das neue Großcoupé in der Zukunft angekommen. Schalter und Knöpfe hat er – wie auch der A8 und A6 – nahezu nicht mehr zu bieten. Zwei Touchscreens dienen dazu, vom Navi bis zur Lüftung alles zu steuern, was eine komfortable Fahrt so ausmacht. Die Sitze sind straff und dennoch sehr reisetauglich. Leder kostet 950 Euro extra genauso wie das Volllederpaket (1390 Euro), das das extrem hochwertig wirkende Armaturenbrett noch zusätzlich aufpeppt. Und obwohl sich die Passagiere in einem Coupé befinden, das naturgemäß eher mit schmalen Seitenscheiben und einer hohen Türlinie glänzt, entsteht nie ein Gefühl der Enge. Vermutlich liegt das auch daran, dass die empfundene enorme Breite des Sportback diesen Eindruck untermalt. Und selbst hinten sitzt es sich gut – wenngleich der beste Platz hinter dem Lenkrad ist.

Alles erinnert ein wenig an einen Sportwagen. Tiefe Sitze, deren Wangen den Körper packend umschließen, ein kräftiges Volant, eine satte Straßenlage und ein bulliger Motor. Zumindest, wenn er die Fuhre in Gang gesetzt hat. Dann haben die 620 Newtonmeter an Kraft und die 286 PS leichtes Spiel mit dem A7. Der Dreiliter ist präsent, klingt eine Spur rauer und härter als im A8.

Passgenau zu dirigieren

Um allerdings vom Fleck zu kommen, braucht der Diesel Drehzahlen. Ihm fehlt der zweite Turbo – oder ist es, um die strengeren Abgasnormen zu erfüllen? Jedenfalls entsteht fast das Gefühl, dass sich der Sportback erst von der Fahrbahn losreißen muss, bevor er loslegt.

Auch der neue A7 ist mit einer so genannten milden Hybridisierung bestückt. Bei den Sechszylindern übernimmt dies ein 48-Volt-Riemen-Starter-Generator (RSG). Der RSG ist fürs „Segeln“ und für Start-Stopp zuständig und soll helfen, Sprit zu sparen – was ihm auch gelingt. Sieben Liter Diesel hat sich der Testwagen genehmigt, sehr ordentlich für ein großes Coupé mit diesen Fahrleistungen.

Dass das Fahrwerk etwas straffer daher kommt, sei Audi verziehen. Immerhin tritt der A7 mit sportlichen Ambitionen an. Während beim Langsamfahren die Straßenverhältnisse authentisch ans Gesäß weitergegeben werden, drückt das Fahrwerk Wellen und Querfugen bei zügiger Bewegung besser weg. Dass sich das fast fünf Meter lange Schiff passgenau durch schnittig genommene Kehren dirigieren lässt, ist auch ein großer Verdienst der perfekt abgestimmten Allradlenkung (1900 Euro), die zudem noch das Rangieren in engen Lücken zum Kinderspiel macht.

Rund 7000 Euro kostet ein A7 Sportback mehr gegenüber einem A6. Dafür steht aber ein richtiger Hingucker im Hof. Und vielleicht reden in 45 Jahren die Autofans dann auch von dem ewig Schönen.

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