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Test Hyundai Kona 1.6 T-GDI Style 4WD Koreanisches Sport Utility Vehicle mit fortschrittlicher Technik und ansprechendem Design

Kleinwagen mit SUV-Eigenschaften

Archivartikel

Erinnern Sie sich noch an die Modelle Getz, Matrix oder Sonata? Mit ihnen versuchte Hyundai Anfang der 2000er Jahre, über Preis und Qualität auf dem europäischen Markt Fuß zu fassen. Geschmackvolles Design oder Technik auf der Höhe der Zeit hingegen waren eher nicht ihr Ding. Dagegen wirkt ein Hyundai Kona wie ein Modell aus einer anderen Zeit – und das nicht nur, weil seitdem fast 20 Jahre ins Land gezogen sind.

Um ihre Verkaufsziele zu erreichen, holten sich die Koreaner einen Mann, der weiß, was Europäer wünschen: Peter Schreyer. Seine Design-Ideen beschleunigten das Wachstum der Marke weltweit derart, dass es der frühere VW-Mitarbeiter sogar bis in den Hyundai-Vorstand schaffte. Jetzt führt der Belgier Luc Donckerwolke Schreyers Erbe am Zeichenbrett fort. Auch er kam von Volkswagen.

Wenn man sich den pfiffigen Kona anschaut, kann man bestätigen, dass man bei Hyundai in der Frage der Gestaltung alles richtig gemacht hat. Diese fließende und gleichzeitig akzentuierte Außenhaut zieht die Blicke an, ohne zu polarisieren. Die SUV-Form lässt ihn größer wirken, als er tatsächlich ist, denn eigentlich gehört er zu den Kleinwagen des B-Segments. Dass er trotzdem nicht wuchtig wirkt, hat er seinem coupéartig nach hinten abfallenden Dach zu verdanken.

Das verleiht eine gewisse Eleganz, muss aber mit fehlender Kopffreiheit auf den Rücksitzen erkauft werden. Dort gibt es auch sonst für große Erwachsene wenig Grund zur Freude, denn ihre Ausbreitungsmöglichkeiten sind sowohl zu den Vordersitzen und den Rückbanknachbarn hin eingeschränkt. Wer mehr Platz braucht, sollte kein Mini-SUV kaufen.

Alle anderen freuen sich über die gute Unterbringung in der ersten Reihe, wo bequeme Sitze nur einen Teil eines umfassenden Wohlfühlprogramms ausmachen. Erst die optimale, erhöhte Sitzposition und die Innenraumgestaltung machen den positiven Gesamteindruck aus.

Dabei ist die Auswahl der Materialien clever. Der Hartplastikanteil ist zwar hoch, doch feine Farbakzente und geprägte Oberflächen bringen eine deutlich höherwertige Anmutung. Und das Tüpfelchen auf dem „i“ bringt die mit viel Sinn fürs Praktische ausgedachte Bedienung. Den Löwenanteil übernimmt der große Touchscreenmonitor, assistiert von wenigen, aber wichtigen Schaltern und Knöpfen – eben genau in den Fällen, wo sie mehr Sinn machen als das Tippen auf der Glasoberfläche.

Und zu bedienen gibt es so einiges, weil Hyundai nicht bei der technischen Ausstattung gespart hat. Speziell beim Testwagen nicht, der zur ohnehin schon üppigen Ausstattungslinie „Style“ das eine oder andere Extra mitbrachte. Notbremsassistent mit Fußgängererkennung, aktiver Spurhalteassistent, Müdigkeitswarner, Head-up-Display, Tempomat oder Fernlichtassistent sind in dieser Fahrzeugklasse alles andere als selbstverständlich.

Das gilt übrigens auch für den Allradantrieb, den sich die meisten Hersteller für ihre kleinen SUV sparen. Womit wir beim einleitenden Thema wären: Der Kona hat in der getesteten Version nicht nur die Kraftverteilung auf vier Räder, sondern zusätzlich eine Bergabfahrhilfe. Das macht ihn zwar nicht zum Geländewagen, aber eben zum echten Sport Utility Vehicle.

Die Antriebskomponenten, die eher im Mittelpunkt des Interesses stehen, sind Motor und Getriebe. Am oberen Ende der Modellvarian-ten steht der 177 PS starke Vierzylinder-Benziner. Das muntere 1,6-Liter-Triebwerk arbeitet optimal mit einem Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe zusammen, das die Übersetzungen spontan und übergangslos zur Verfügung steht.

Gemeinsam wuchten sie den fast 1,6 Tonnen schweren Kona in nur 7,9 Sekunden auf Tempo 100. Diese muntere Art der Fortbewegung ist auch für das Fahrwerk kein Problem. Die eher straffe Grundabstimmung lässt eine schnelle Gangart auf verwinkelten Straßen zu, ohne den Komfort außer Acht zu lassen. Der bleibt höchstens bei schlechten Straßen auf der Strecke.

Man muss nicht unbedingt die sportliche Fortbewegung lieben, um ein Kona-Fan zu werden. Denn er kann auch ganz brav in den großen Gängen cruisen, weil er es schon bei 1500 Umdrehungen sein maximales Drehmoment von 265 Nm bringt.

Was er leider nicht kann, ist wirklich sparsam mit dem Sprit umgehen. Der Kona genehmigte sich im Test durchschnittlich 9,1 Liter und lag somit in der Praxis rund zwei Liter über der Theorie des Normwerts von 7,1 Litern. Da wird es etwas teurer, besondere Anforderungen zu haben. Allradantrieb, 177 PS Leistung, das Gewicht und die hochbauende SUV-Karosserie summieren sich zu einem Gesamthandicap, das den Kona in dieser Disziplin den „normalen“ Kleinwagen unterlegen macht.

Beim Preis bleibt der Koreaner auf dem Teppich. Die Basisversion hat einen durchaus kraftvollen Dreizylinder mit 120 PS unter der Haube. Ihn gibt es schon für 17 500 Euro. Wer etwas Ausstattung will, kommt an teureren Varianten nicht vorbei. Ob es der getestete Allradler für 26 700 Euro sein muss, entscheidet man selbst.

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