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Test Audi R 8 Coupé V10 quattro Sportwagen aus Ingolstadt kultiviert die herausfordernde Idee eines Zehnzylinder-Motors

Mehr als nur technische Fingerübungen

Archivartikel

Der Audi R 8 sieht deutlich futuristischer aus als der Porsche 911, der große Konkurrent im eigenen VW-Lager, doch die Zukunft gehört beiden nicht. Man kann sich nur an der Gegenwart berauschen.

Von

Dieter Schwab

Natürlich lässt sich trefflich über den Sinn eines 620 PS starken Sportwagens als Fortbewegungsmittel streiten. Am Ende bleibt die Ehrfurcht gegenüber der Perfektion zu der Ingenieure das Thema „Auto“ führen können. Und die Erkenntnis, dass nicht alles, was technisch möglich ist, gebraucht wird, um die Distanz zwischen zwei Orten zu überbrücken.

Unstrittig ist, dass in Audis teuerstem Sportgerät mehr steckt als nur ein paar Fingerübungen der Entwickler. Ihnen wurde ein Konzept vorgegeben, das ihnen – auch finanziell – viel Spielraum ließ, eine Fahrmaschine zu bauen, die den Vergleich mit den großen Namen der Autowelt nicht fürchten muss. Im Zentrum, auch wenn es ein wenig nach hinten, aber noch immer vor die Hinterachse verschoben wurde, thront das Herzstück des R 8: ein Zehnzylinder-Saugmotor mit 5,2 Liter Brennraumvolumen.

Wer dieses Kraftpaket schon einmal mit dem Gasfuß dirigieren durfte, wünscht sich eine umweltgerechte Lösung für Verbrennungsmotoren. Warum können Ingenieure ein solches Wunderwerk entwickeln und scheitern daran, die Abgase nachhaltig weg zu filtern? Es gibt Gesetze der Physik, die sich leider nicht umgehen lassen.

Deshalb bleibt das Fazit, dass das Ende eines solchen Antriebs jammerschade, aber nicht zu verhindern ist.

Der Zehnzylinder schöpft aus dem Vollen. Um 620 PS (bei 8000 Umdrehungen) und 580 Nm Drehmoment (bei 6600 U/min) zu nutzen, will er nach oben georgelt werden. Er ist bereits bei niedrigen Drehzahlen präsent, zieht aber richtig durch, wenn die Drehzahlnadel schon über die 6500er Marke gewandert ist.

Gut, dass er dank „quattro“ auf alle vier Räder einwirken kann. Eine Verteilung übrigens, die auch zur Beruhigung der Fuhre beiträgt, sobald man sich über Strecken mit engen Kurven bewegt. So ein Mittelmotor kann nämlich ganz schön für Unruhe sorgen, wenn man zu früh aufs Gas geht. Andererseits wurde der R 8 darauf dressiert, genau diese Untugend zu einer Stärke zu wandeln. Der Audi zieht sauber seine Spur und lenkt agil-ambitioniert ein, ohne tückisch zu werden. Eben so, wie man sich das von einem Sportwagen wünscht.

Zu behaupten, er ließe sich mit dem Gasfuß lenken, ist zwar nicht falsch, würde aber der mit dem jüngsten Modell-Facelift im Detail angepassten Lenkung nicht gerecht. Sie spricht schon auf leichtes Zupfen an, ohne hektisch zu reagieren, und bietet dem Fahrer genau die Portion Rückmeldung, die er benötigt, um sein Handeln auf die Reaktionen des Wagens abzustimmen. Am Ende steht ein Wandeln nahe dem Grenzbereich, das nicht nur Könner, sondern selbst weniger talentierte Lenker gut aussehen lässt.

Beide freuen sich darüber, dass Audi ihnen eine Fahrwerksabstimmung gebastelt hat, die nicht nur für den Wochenendausflug auf eine Rennstrecke passt, sondern auch auf der Landstraße funktioniert.

Dort ist die eigentliche Herausforderung zu meistern, weil Wellen und Schlaglöcher ein Mindestmaß an Federwegen verlangen, will man nicht von den Dämpfern ausgehebelt werden. So etwas erlebt man im Ansatz höchstens auf besonders üblen Oberflächen. Da kann es passieren, dass ein Reifen kurz Grip verliert. Man spürt es nicht, sieht aber kurz die Traktionskontrolle flackern.

Komfort stand nicht auf Platz eins des Pflichtenhefts. Trotzdem weiß man bei den Ingolstädtern, wer die Kunden sind, die sich ein solches Fahrzeug in die Garage stellen, um es gelegentlich für Ausflüge heraus zu holen. Das sind in der Regel nicht die jungen Heißsporne und Asphalt verliebten Freizeitrennfahrer, sondern gut betuchte Geschäftsleute, denen dieser Wagen den Fuhrpark erweitert. 166 000 Euro müssen investiert werden; für die Performance-Version sogar 200 000 Euro. Also ein echter Traumwagen, der für uns alle ein Traum bleiben wird.

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