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Mit dem Wasserstoffauto zum Wasserstoffschiff

Archivartikel

Sauber, sauber - das hat sich Toyota fein ausgedacht: Um beim Thema zukünftige Mobilität die Aufmerksamkeit vom rein batterieelektrischen Antrieb weg zu einer weiteren Spielart der Elektromobilität zu lenken, hat der japanische Autohersteller eine Sternfahrt von Köln oder Berlin nach Hamburg organisiert. Und wenn es um die Brennstoffzelle geht, muss das Ziel natürlich emissionsfrei erreicht werden: dafür ist der Toyota Mirai das richtige Auto. Seine Energiequelle für den Elektromotor ist hochverdichteter Wasserstoff.

Und warum Hamburg als Ziel? Weil dort das erste Wasserstoffschiff "Energy Observer" vor Anker ging, das auf seiner Welttour den Beweis erbringen soll, dass man auch ohne Abgase und Feinstaub mit selbst erzeugter Energie um den Globus kommt. Sogar ohne dabei über kalte Füße zu klagen. Denn mit dem aus Wind- und Sonnenenergie gewonnenen Wasserstoff lässt sich prima auf dem Meer fahren, man kann das Schiff damit auch heizen und in der Kombüse kochen.

Wir nahmen die Tour von Köln aus nach Hamburg unter die Räder. Auf der etwa 400 Kilometer langen Strecke war in Münster ein Tankstopp geplant, um nicht mit dem letzten Wasserstöffchen in Hamburg anzukommen. Unterwegs präsentierte sich der Mirai von seiner besten Seite. Der 1,8-Tonner beschleunigt unangestrengt auf der Autobahn bis zu 178 km/h , wenngleich als Reisetempo Tempo 130 zu empfehlen ist. Das Konzept des viersitzigen Mirai, der seit 2015 auch in Deutschland angeboten wird, geht ohnehin nicht in Richtung Sportwagen, sondern komfortable Reiselimousine. So ganz kann der Mirai dieses Ziel nicht erreichen, da er bei Zuladung (330 kg) und Kofferraumvolumen (361 l) relativ schnell an seine Grenzen stößt.

Angenehm: Der Tankvorgang, mit dem der zehn Kilo fassende Tank mit frischem Wasserstoff befüllt wird, dauert nicht einmal fünf Minuten. Das Laden bei einem klassischen Elektroauto mit Batterie hätte wesentlich mehr Zeit verschlungen. Insofern ist der Elektroantrieb, der seinen Lebenssaft aus dem Wasserstofftank zapft, langstreckentauglicher. Aber bei dieser Sternfahrt geht es Toyota nicht so sehr um dem Mirai, der momentan ohnehin nur in Apothekermengen gebaut wird. In die größeren Stückzahlen wird erst der Nachfolger drängen, dessen neue futuristische Produktionsstätte 2020 die ersten Exemplare ausstoßen soll.

Toyota will mit der Veranstaltung den Blickwinkel mehr auf das Erzeugen und Verwenden von nachhaltiger Energie im kompletten Lebensbereich des Menschen lenken. Denn die "Energy Observer" ist dafür - auch unterstützt von Toyota - als beeindruckender Botschafter unterwegs. Am Ende seiner Fahrt, als deren Zielpunkt Maskat im Oman fixiert ist, wird das Schiff nach sechs Jahren 50 Länder mit insgesamt 101 Stopps besucht haben. 2020 wird das Schiff übrigens zur Olympiade in Tokio erwartet.

Hinter der Idee stehen Victorien Erussard, der die Weltmeere auf Handelsschiffen und als erfolgreicher Regattasegler bereist hat, und der Sporttaucher und Tiefseefilmemacher Jerome Delafosse. Für Erussard kam die Wende in seinem Leben, als ihm klar wurde, wie sehr er als Hochleistungssegler nur auf sich als Person und auf seine Erfolge fixiert war. So entstand das Projekt, mithilfe eines Schiffes aufzuzeigen, wie es gelingen kann, die Erde sauberer zu machen und sich so auch gegen die globale Erwärmung zu stemmen.

Beim Besuch auf dem Schiff wird klar, dass sehr viel Enthusiasmus nötig ist, um in einem Team zu arbeiten, das an Bord bis zu ein Dutzend Leute umfasst. In den Kabinen geht es sehr eng zu, und selbst der großzügig dimensionierte Kommandostand, der gleichzeitig Aufenthaltsraum, Küche und Besprechungszone ist, droht bei dieser Zahl an Personen zu platzen. In diesem Herzstück des Schiffes werden auf großen Bildschirmen die Funktionen aller technischen Systeme angezeigt, um den Energiefluss und die Ressourcen lückenlos zu überwachen.

Bisher hat die "Energy Observer" schon mit 33 Haltepunkten 14 Länder - vorwiegend im Mittelmeerraum - bereist und seine Botschaft abgesetzt. Bevor es in die nördlicheren Gewässer ging, wurde das Boot in seinem Heimathafen St. Malo auf einen neueren technischen Stand gebracht, um die Effizienz zu erhöhen oder sich von Systemen zu trennen, die sich auf See nicht sonderlich bewährt haben. Die bisher längste Fahrt ging von Kreta nach Israel: vier Tage und fünf Nächte nonstop unterwegs. Der nördlichste Punkt wird bei Spitzbergen erreicht sein. Aber zuerst nimmt die "Energy Observer" den Hamburger Hafengeburtstag mit, bevor es die Anker lichtet und seine Weltumrundung fortsetzt.

Klaus Brieter / mid