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Test Ford Focus Turnier ST-Line Der kompakte Kombi vereint die Vorzüge eines Familienautos mit dynamischen Fahreigenschaften

„Mr. Vielseitig“ mit extra Sportsgeist

Archivartikel

Irgendwo muss man normalerweise immer Abstriche machen. Praktischer Nutzen und emotionales Design lassen sich nur schwer unter einen Hut bringen. Ford zeigt mit seinem Focus Turnier jedoch sehr eindrucksvoll, dass dieses schwierige Zusammenspiel durchaus möglich ist. Der kompakte Kombi des fünftgrößten Automobilherstellers der Welt mit Deutschlandsitz in Köln entpuppt sich als „Mr. Vielseitig“ – in der ST-Line mit extra Sportsgeist.

Schicke Optik mit einer ordentlichen Portion Schärfe, moderne Technik mit allen Extras, die der Markt aktuell zu bieten hat, viel Platz für bis zu fünf Personen plus Gepäck, hohe Flexibilität dank pfiffiger Lösungen, reichlich Komfort und gute Fahrleistungen.

Einen Haken sucht man vergebens, denn auch das Preis-Leistungs-Verhältnis passt. Der Einstiegspreis liegt bei 19 900 Euro (1,0 Liter EcoBoost mit 85 PS). Die ST-Line ist ab 26 500 Euro erhältlich (1,0 Liter EcoBoost mit 125 PS). Die getestete 150 PS-Version (ab 27 800 Euro) hat als ST-Line nochmal ein ganzes Stück mehr Power.

Die sportliche DNA des Ford Focus ST-Line ist nicht zu übersehen: Individuelle Stoßfänger, eine Doppelrohr-Auspuffanlage, ein markanter Kühlergrill sowie Einstiegszierleisten mit „ST-Line“-Schriftzug sind nur einige der optischen Besonderheiten der Modellvariante.

Doch all das wirkt längst nicht übertrieben, so dass das Fahrzeug kaum an Eleganz verliert. Sie wird nur deutlich dynamischer in Szene gesetzt. Zur Freude sportlicher Fahrer, aber gleichzeitig nicht automatisch zum Leidwesen der gemütlicher orientierten Fraktion. Und auch nicht auf Kosten von Fahrkomfort und Platzangebot.

Zumindest bis zu einem gewissen Punkt. Wer natürlich die Top-Motorisierungen – den 2,3 Liter großen EcoBoost-Turbo-Benziner mit 280 PS, oder den Zweiliter-EcoBlue-Turbodiesel mit 190 PS (Marktstart im Sommer) – favorisiert, lässt das Pendel dann doch eindeutig zugunsten der Sportlichkeit ausschlagen.

Die Tatsache, dass die neue Benziner-Topvariante das Fahrzeug in unter sechs Sekunden von Null auf Tempo 100 km/h katapultieren soll, belegt das eindrucksvoll.

Das umfangreiche Angebot an hochmodernen Sicherheits- und Fahrer-Assistenzsystemen, das den neuen Focus Turnier auszeichnet, hat dem fortschrittlichen Kompakt-Kombi seit seinem Marktdebüt im vergangenen Jahr bereits 13 internationale Preise sowie eine Fünf-Sterne-Bewertung im EuroNCAP-Test eingebracht. Für aktive und passive Sicherheit ist also ebenfalls bestens gesorgt.

Zu den nahtlos integrierten und miteinander vernetzten Funktionen und Komponenten, die optional einen besonders stressfreien Fahrkomfort unterstützen sollen, gehören unter anderem der Stau-Assistent mit Stop&Go-Funktion, die adaptive Geschwindigkeitsregelanlage und der Fahrspur-Pilot, das kamerabasierte Kurvenlicht in Kombination mit dem Verkehrsschild-Erkennungssystem und dem – einwandfrei funktionierenden – blendfreien Fernlicht. Außerdem hilfreich sind der Park-Assistent Plus (mit Ein- und Ausparkfunktion), ein Head-up-Display, das Ford erstmals in einer europäischen Baureihe einsetzt, sowie ein spezieller Ausweich-Assistent. Das moderne Konnektivitäts- und Entertainmentsystem Ford Sync 3 erleichtert die Bedienung der Audio-, Navigations- und Klimasysteme sowie eingebundener Smartphones über simple Sprachbefehle oder den farbigen 8-Zoll-Touchscreen auf der Mittelkonsole. Das System ist zudem ohne Zusatzkosten kompatibel mit Apple CarPlay und Android Auto. Ganz nebenbei bietet es einen einwandfreien Klang und macht das Hören von Musik via Radio oder Bluetooth zum Genuss.

Premiere im Ford Focus ST feiert der selektive Fahrmodus-Schalter für bis zu vier Fahrprogramme. Der Fahrer kann somit den Charakter des Autos seinen Wünschen individuell anpassen. Wählbar sind die Programme „Rutschig“, „Normal“ und „Sport“ sowie – bei Modellen mit dem optionalen Performance-Paket – „Rennstrecke“.

Im Test überzeugte der Focus Turnier ST sowohl als langstreckentaugliches Familienauto als auch als kurvenfressende Sportskanone.

Dank der feinen und flexiblen Fahrwerksabstimmung bleibt in jeder Situation alles unter Kontrolle. Der Wagen liegt stets satt auf der Straße, ohne es etwa bei Unebenheiten der Piste in Sachen Rück(en)meldung zu übertreiben.

Direkte Lenkung und knackige Sechsgangschaltung (optional gibt es für 1900 Euro Aufpreis auch eine Achtgang-Automatik) steigern das Fahrvergnügen zusätzlich.

Durch den Spritverbrauch nachträglich getrübt wird die Freude übrigens nicht. Zwar schluckte der Zweiliter-Motor im Test mehr Superbenzin weg (7,3 Liter), als von Ford als Durchschnitt angegeben (5,6 Liter). Doch mit etwas mehr Zurückhaltung beim Beschleunigen lässt sich da noch einiges machen.

Fazit: Der Focus Turnier ST-Line ist ein automobiles Multitalent, das Fahrspaß bietet, gleichzeitig aber auch praktisch, komfortabel und kultiviert unterwegs ist.