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Test Mercedes CLS 350 d 4matic Dritte Generation des viertürigen Coupés / Elegant gestaltete Variante zur E-Klasse aus Stuttgart

Mutige Designidee weiterentwickelt

Archivartikel

Die mutigen Fahrzeuge machen Geschichte und bleiben für Generationen im Gedächtnis. Der Mercedes CLS wird irgendwann dazu gehören. Noch ist er Gegenwart – in der jetzt dritten Generation.

Dem Trend zu Coupé-artig fließenden Linien folgen heute fast alle Mittelklasse-Limousinen. Daran, diesen Trend zu setzen, hat der Mercedes CLS großen Anteil. Als der elegante Ableger der E-Klasse 2003 auf der Automobilausstellung Frankfurt die Gunst des Publikums prüfen sollte, stand er etwas im Abseits auf einer Zwischenebene der Mercedes-Halle. Trotzdem wurde die „Vision CLS“ von Fachleuten und potenziellen Kunden enthusiastischer gefeiert als der eigentliche Star der Messe, der Super-Sportwagen McLaren-Mercedes SLS.

Die Entsscheidung über eine Serienproduktion war da längst gefallen, denn sonst wäre es nicht möglich gewesen, den Newcomer schon 2004 in den Verkauf zu bringen.

Die Evolution des mutigen Designs war die größte Herausforderung beim aktuellen Generationswechsel. Wie transferiert man die von Michael Fink elegant und zurückhaltend gezeichneten Linien in die von eher starken Akzenten geprägte aktuelle Mercedes-Welt? Gleichzeitig sollte auch etwas an der Raumökonomie geschraubt werden.

Beide Aufgaben können als erledigt betrachtet werden. Der neue CLS ist ein Hingucker geblieben. Nur, dass man jetzt nicht mehr zweimal hinschauen muss, ehe auffällt, dass man es mit etwas Besonderem zu tun hat. Spätestens, wenn sich die Frontpartie mit großem Grill, kleinen Lichtern und riesigen Lufteinlässen ins Blickfeld schiebt, ruhen die Augen auf der außergewöhnlichen Erscheinung – und zwar wohlwollend. Die Grundidee des sich sanft und flach fast bis zum Heckabschluss ziehenden Dachpartie ist geblieben. Dazu kommt eine optisch noch höher liegende Fahrzeugschulter. Diesen Effekt hat der CLS der Tatsache zu verdanken, dass er etwas flacher geworden ist.

Das wirkt insgesamt sportlich und passt gut zum Charakter des Fahrzeugs. Dass es zudem zur aktuellen Philosophie der Marke passt, jungen und jung gebliebenen Käufern mit etwas weniger Gediegenheit gegenüber zu treten, ist sicher kein Zufall. Und es ist ganz sicher auch keine Vorspiegelung falscher Tatsachen, denn der CLS hält im Fahrverhalten, was er optisch verspricht.

Das zwei Tonnen schwere Ergebnis hochwertiger und technisch fast schon verschwenderischer Automobilbaukunst lässt sich erstaunlich behände bewegen. Das Fahrwerk wurde so ausgelegt, dass es wieselflink um die Ecken geht, ohne die geringsten Einbußen beim Komfort zu erlauben.

Mit der variabel übersetzten Lenkung lässt er sich präzise dirigieren. Der leicht hecklastig ausgelegte Allradantrieb bietet dabei nicht nur verlustfreie Traktion, sondern bei entsprechendem Leistungseinsatz auch den kleinen Kick mit dem Heck, der dem CLS bei Kurvenfahrten mehr Agilität verleiht.

Leistung einzusetzen ist überhaupt kein Problem. Die Beschleunigungskraft aus dem herrlich ruhig laufenden Reihen-Sechszylinder schiebt den Wagen spielerisch leicht über die Straße. 600 Nm liegen bereits bei 1200 U/min an. Die Wandlerautomatik nutzt die Diesel-Power, um ruckzuck, aber ohne Gezuckel in die höchste Übersetzungsstufe zu wechseln. Umdrehungen über 2000 sind kaum nötig, um druckvoll zu Beschleunigen. Wer es wissen will, kann den Mittelklasse-Benz aber fordern. Seine 286 PS sind für einen Sprint auf 100 km/h in nur 5,7 Sekunden gut. Die Höchstgeschwindigkeit ist bei 250 km/h erreicht. Aber nur, weil die Elektronik nicht mehr zulässt.

Der CLS kann sportlich, ist im Grunde seines Herzens aber in erster Linie ein Komfortgigant. Die Luftfederung reagiert sensibel auf die schwierigsten Aufgaben. Reaktionen des Fahrwerks auf solche Zustände, dringen, wenn überhaupt, nur sehr gedämpft zu den Insassen durch.

Die sitzen bequem in ihren Komfortsitzen und freuen sich über die genialen Ideen, die das Designteam für das Interieur hatte. Aus den einzelnen Elementen Armaturenbrett, Türen, Mittelkonsole wurde eine Einheit hergestellt. Wohin das Auge auch schweift, es wird keinen Bruch der Linien entdecken. Und das Ganze wurde aus Materialien geformt, deren Wert man sehen und fühlen kann. Sollten bis dahin noch Zweifel aufgekommen sein, weshalb der getestete CLS einen Grundpreis von 68 128 Euro hat.

Ein wichtiger Teil des guten Raumgefühls entsteht einfach dadurch, dass mehr Platz als im Vorgänger vorhanden ist. Hier wirkt sich der verlängerte Radstand aus.

Nicht nur gefühlt, sondern tatsächlich hoch ist der Anteil der Assistenzsysteme am Fahrkomfort. Wenn es darum geht, den Wagen ohne Zutun des Fahrers im Stau zu bewegen, oder das Kommando auf der Autobahn weitgehend der Elektronik zu überlassen, ist die Mercedes-Technik auf hohem Niveau. Die Vernetzung von Abstandsradar, Brems- oder Spurhalteassistent dient darüber hinaus der Sicherheit.

In der Summe entstand ein technisch orientiertes Designerstück, das man gerne schon jetzt besitzen würde und nicht erst in 50 Jahren, wenn sich der Mercedes vom Kult- zum Spekulationsobjekt entwickelt hat.

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