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Test Dacia Duster Access Rumänische Tochter im Renault-Konzern hat ihr Erfolgsmodell neu aufgelegt / Stärken liegen im Platzangebot und im Preis

Noch immer sensationell günstiges SUV

Die zweite Generation des Duster ist eine zu 100 Prozent neue Konstruktion. Nur am Grundkonzept wurde zum Glück nichts geändert: Er bleibt ein Klein-SUV zum sensationell günstigen Preis.

Normalerweise sind Testfahrzeuge dazu da, sie auf Herz und Nieren zu prüfen. Die Zeit mit dem Dacia Duster hingegen wurde zu einer echten Prüfung für den Tester. Denn die Grundausstattung „Access“ kennt keine Klimaanlage. Deshalb sei nach zwei Wochen bei Sommerhitze allen Pfennigfuchsern geraten: Investieren Sie die 600 Euro mehr in eine Klimatisierung.

Ansonsten war es die richtige Wahl, das Basismodell unter die Lupe zu nehmen, das als einzige Sonderausstattung ein 100 Euro teures Notrad hatte.

Mit Not hat das Gesamtpaket wenig zu tun. Für die knapp 11 500 Euro bekommt man ein Sport Utility Vehicle des B-Segments, das so viel Platz für fünf Erwachsene und deren Gepäck bietet, dass der Schritt zu den Kompakt-SUV nur noch ein kurzer gewesen wäre.

Zu diesem Preis kann es nicht das Ausstattungs- und Technikniveau eines Premiumherstellers geben. Das ist sicher jedem klar. Der Umstand, dass man auf Dinge verzichten muss, die schon fast als selbstverständlich angenommen werden, führt aber auch zu einer Rückbesinnung darauf, um was es beim Autofahren eigentlich geht: Die Strecke zwischen zwei Orten zurückzulegen und dabei Personen und deren Transportgut von A nach B zu bringen.

Den Unterschied macht dann aus, wie sicher, komfortabel und schnell das vonstattengeht. Dacia bringt uns mit dem Duster zumindest ins Grübeln, ob wir in diesen Punkten nicht längst unsere Maßstäbe viel zu weit nach oben verschoben haben.

Man fühlt sich sicher im Duster. Er bietet ABS, ESP sowie Front-, Seiten- und Window-Airbags. Vor allem aber überzeugt er mit seinem sicheren Fahrverhalten.

Er nimmt Kurven meist neutral und lässt sich dabei trotz zügiger Fahrt wenig beirren. In den Grenzbereich stößt man selten vor, weil das hochbeinige SUV auf seinen 16-Zoll-Rädern durch authentische Karosseriebewegungen und leichtes Untersteuern schon früh ankündigt, wenn man zu schnell unterwegs ist. Nur wer zu flott in enge Kurven sticht, muss mit einem heftig über die Vorderräder schiebenden Fahrzeug zurechtkommen.

Das von einer längst abgelösten Generation des Renault Clio abgeguckte Fahrwerk erweist sich nicht nur als äußerst spurtreu, sondern auch als – angesichts des eher kurzen Radstands – erstaunlich komfortabel.

Da schlägt nichts durch, scheppert und schaukelt nichts – solange die Straßen in einigermaßen akzeptablem Zustand sind. In anderen Fällen halten sich solche ungeliebten Reaktionen in vertretbaren Grenzen.

Die Räder mit ihrem hohen Querschnitt tragen ebenfalls ihren Teil zum Abrollkomfort bei. Und den Rest kuschelt man sich in den traditionell weichen und wenig Seitenhalt bietenden Plüschsitzen weg.

Hier wurde augenfällig gespart. Ebenso an den im Innenraum verwendeten Materialien. Wenn etwas nicht aus billigem Hartplastik hergestellt wurde, muss es eines der wenigen Metallteile oder Stoff sein.

Und die Ausstattung: Innen verstellbare Außenspiegel? Ja, immerhin zwei, aber nur manuell. Bordcomputer? Ja, so eine Art Mäusekino mit den wichtigsten Informationen. Navigationssystem? Nein, nicht einmal ein Radio. Klimatisierung? Ja, eine sanft bläselnde Lüftung, die die brütend heiße Sommerluft von außen nach innen verteilt. Fahrassistent? So etwas Ähnliches: Die Elektronik kann verhindern, dass eine voreingestellte Geschwindigkeit überschritten wird.

Oder man verlässt sich einfach auf die mechanische Lösung. Die gibt es in Form des 1,6 Liter großen Basistriebwerks mit 115 PS Leistung. Der Vierzylinder lässt mit seiner etwas unmotivierten Leistungsentfaltung nicht zu, dass man allzu schnell unterwegs ist.

Für seine auf 156 Nm begrenzte Durchzugskraft braucht er 4000 Touren. Wer nicht mindestens in die Region von 2000 U/min vorstößt, muss geduldig sein.

Trotzdem kommt man einigermaßen flott nach B. Eine durchaus beachtliche Beschleunigung (11,9 Sekunden bis Tempo 100) ist möglich. Bis zu 172 km/h sind dann drin. Vorausgesetzt, man ist bereit, die unteren Gänge des Fünfgang-Getriebes lange zu halten oder früh wieder in sie zurückzugehen, damit der Duster an Steigungen nicht verhungert. So viel zu dem praxisfremden Versuch, das rumänische SUV zur „Rennsemmel“ umzufunktionieren. Dafür musste beim Verbrauch Tribut entrichtet werden. Statt der vom Normwert versprochenen 6,6 Liter Super waren es im Testdurchschnitt 7,4 Liter. Das ist ein immer noch vergleichsweise bescheidener Umgang mit dem Benzin.

Wem das Grundmodell zu sehr Basis ist, kann auf bessere Ausstattungslinien ausweichen. Bei der mit 15 000 Euro teuersten Version sind dann unter anderem eine manuelle Klimaanlage, ein Technikpaket mit Rückfahrkamera und Tempomat, elektrisch einstellbare Außenspiegel und ein CD-Radio mit Navigationssystem dabei.

Weitere Variationen des Themas „Duster“ kommen über die Antriebsauswahl. Das Basistriebwerk gibt es nicht nur mit Frontantrieb, sondern ab der Ausstattung „Comfort“ mit Allrad. Das ist dann bereits 15 600 Euro teuer.

Einen modernen Vierzylinder mit 1,2 Liter Hubraum und 125 PS erhält man für 14 950 Euro (Allrad: 16 850 Euro); einen 1,5-Liter-Dieselmotor mit 90 oder 110 PS ab 13 500 bzw. 15 700 Euro (Allrad: 17 600 Euro).

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