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Opel-Offensive: Combo spielt groß auf

Archivartikel

Die Worte "Nutzfahrzeug" und "Transporter" klingen erst einmal nach ehrlicher Arbeit. Wer diese Fahrzeuge chauffiert, der muss ein Malocher sein. Auch das Image klingt für viele zunächst ein wenig angestaubt. Ein Trugschluss, wie Autobauer Opel beweisen will. Denn die Rüsselsheimer bringen mit einem forschen Duo jetzt frischen Wind in dieses Segment. Der Motor-Informations-Dienst (mid) hat bei der Blitz-Marke hinter die Kulissen geblickt.

Bei Opel steht die fünfte Generation des kompakten Combo in den Startlöchern. "Quadratisch, praktisch, gut", könnte man in Anlehnung an einen süßen Werbe-Slogan sagen. Der Autobauer selbst spricht von einem "rundum praktischen, komfortablen und vor allem innovativen Newcomer". Damit noch nicht genug: Der sympathische Lastesel kommt als Pkw Combo Life und als leichtes Nutzfahrzeug Combo Cargo in vielen Varianten auf den Markt.

Und die Hoffnungen sind groß. "Der Combo ist ein wesentlicher Pfeiler der Opel Produkt-Offensive. Für den Bereich der Transporter erwarte ich ein Wachstum, das vom Combo getrieben wird", sagt Opel-Nutzfahrzeug-Chef Tobias Stoever im mid-Interview. Ein weiterer Treiber soll dann der neue Vivaro sein, der 2019 auf den Markt kommt. Opel wird dann nach eigenen Angaben "das jüngste Nutzfahrzeug-Portfolio am Markt" haben.

Zurück zum Doppel-Combo: Beide Varianten gibt es als Standard-M- (4,40 Meter) oder XL-Langversion (4,75 Meter). Der Familien-Van fährt dabei nach Wunsch jeweils als Fünf- oder Siebensitzer mit viel Platz für bis zu 2.693 Liter Gepäck vor. Der Transporter (Light Commercial Vehicle - LCV) steht zudem als Doppelkabine und mit Dachklappe zur Verfügung. Der Kastenwagen bietet bis zu 4,4 Kubikmeter Ladevolumen, Platz für zwei Europaletten und schultert bis zu 1.000 Kilogramm Nutzlast. Möglich macht diese Flexibilität die komplett neue Architektur, auf welcher der Combo Cargo basiert, sowie ein ausgeklügeltes Packaging, betonen die Opel-Ingenieure.

Auch die Sicherheit kommt nicht zu kurz. Gewerbetreibende und Arbeiter finden im Combo Cargo Sicherheits-, Technologie- und Komfortfeatures wie in der Pkw-Version, verspricht der Hersteller. Das heißt im Verkehrsalltag: Fahrerassistenz- und Sicherheitssysteme vom adaptiven Geschwindigkeitsregler über den Frontkollisionswarner mit automatischer Gefahrenbremsung und Fußgänger-Erkennung, bis hin zu Müdigkeitserkennung, Toter-Winkel-Warner und Head-Up-Display sind in beiden Combos mit an Bord.

Der Combo ist in jedem Fall schön anzuschauen. Die traurigen Augen eines Lastesels sucht man vergebens. Zierlich ist er dennoch nicht, vielmehr kommt er in einem robusten Look im Pkw-Design daher. Das betonen auch die hochgezogene Motorhaube, Opel-typische Design-Merkmale wie das flügelförmige LED-Tagfahrlicht und charakteristisch modellierte Radhäuser und Seitenschweller. Die LCV-Variante Combo Cargo feiert auf der IAA Nutzfahrzeuge in Hannover Weltpremiere (20. bis 27. September 2018).

Ein paar Geheimnisse lüftet Nutzfahrzeug-Chef Tobias Stoever schon jetzt im mid-Interview. "Alle Opel-Händler werden ab 2020 Nutzfahrzeuge verkaufen. Derzeit haben wir 1.900 Verkaufsstellen in Europa, 2020 werden es über 25 Prozent mehr sein", sagt der 41-Jährige, der diese Position seit etwa sieben Monaten verantworten. Combo Life und Combo Cargo seien ganz hervorragende Fahrzeuge mit zahlreichen Innovationen.

Wohin die Reise geht, verrät Tobias Stoever ohne Umschweife. "Der neue Combo fährt sich wie ein Pkw und lädt wie ein Nutzfahrzeug und ist damit der neue Herausforderer im Van-B-Segment". Da können sich ein paar Platzhirsche warm anziehen. Die Produkt-Offensive wird von einer pfiffigen Werbe-Kampagne begleitet, wie man sie bei Opel bislang aus dem Pkw-Bereich kannte.

"Wir werden mit der Markteinführung des Combo die Bekanntheit und werbliche Präsenz der Opel-Nutzfahrzeuge erhöhen. So wird in der zweiten September-Hälfte der Combo-Spot im TV zu sehen sein", erklärt Tobias Stoever. Und dabei setzt die Blitz-Marke wie gewohnt auf bekannte Gesichter aus der Fußball-Welt. Kult-Trainer Jürgen Klopp hat beim Combo jedoch "Sendepause". Stattdessen rückt Nationalspieler Marco Reus vom Bundesligisten Borussia Dortmund ins Rampenlicht.

Logisch: In Dortmund wohnen Malocher. Da wären wir also doch wieder beim ursprünglichen Image der Nutzfahrzeuge. Aber mal ehrlich: Das muss ja keine Schande sein.

Ralf Loweg / mid