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Schlaglöcher Schlag auf Schlag

Archivartikel

Deutschland ist reich - an Schlaglöchern auf der Straße. Bei der Hitze werden sie noch zahlreicher, weil sich der Straßenbelag aufwölbt und dabei Schaden nimmt. Allein für Norddeutschland konstatieren Experten jetzt einen Sanierungsstau in Höhe von fast vier Milliarden Euro. Zudem entstehen für Autofahrer Haftungsfragen, wenn sie ein Schlagloch übersehen.

Schlaglöcher sind äußerst gefährlich und können für erhebliche Schäden an Fahrzeugen oder gefährliche Stürze bei Zweiradfahrern sorgen. Je nach Art der Straße - Gemeindestraße, Kreisstraße, Landesstraße, Bundesstraße - sind Kommune, Landkreis, Land oder Bund verantwortlich für den Zustand der jeweiligen Straßen und damit für die Gefahren, die von den Straßen für Verkehrsteilnehmer ausgehen. Im Rahmen dieser Verkehrssicherungspflicht müssen sie auf Schlaglöcher oder andere erhebliche Straßenschäden aufmerksam machen. Dies ist aber kein Freifahrtschein für Schadensersatzklagen, sagen Experten des Versicherers ARAG.

Denn jeder Verkehrsteilnehmer habe die Pflicht, sein Fahrverhalten den jeweiligen Straßenverhältnissen anzupassen. Verkehrssicherungspflichtige, also Bund, Land, Landkreise und Kommunen, sind in der Regel immer dann von der Haftung befreit, wenn sie durch Warnschilder auf die Gefahr durch Schlaglöcher und sonstige Straßenschäden aufmerksam gemacht haben.

Wer Reparaturkosten ersetzt haben möchte, muss gute Beweise haben. Zum einen muss der Verkehrsteilnehmer nachweisen, dass der Schaden am Fahrzeug durch das Schlagloch entstanden ist. Zudem muss er beweisen, dass er nicht durch ein Warnschild auf die Gefahr hingewiesen und gewarnt wurde. ARAG-Experten raten, Fotos vom Ort des Geschehens zu machen, um so zu dokumentieren, dass Hinweise fehlten. Angesichts derart maroder Straßen stehen die Chancen allerdings gar nicht so schlecht, entstandene Schäden ersetzt zu bekommen.

Beispielsweise musste die Stadt Heilbronn einem Autofahrer zumindest die Hälfte seines Schadens ersetzen. Er war in ein großes Schlagloch gefahren, wodurch Reifen und Felgen seines Fahrzeugs beschädigt wurden. Das Loch war zwar verfüllt, aber nicht wieder kontrolliert worden. Die Kommune war ihrer Verkehrssicherungspflicht demnach nicht nachgekommen. So viel Glück muss der Pechvogel aber erst mal haben.