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So sitzen Autofahrer wie in Abrahams Schoß

Archivartikel

Viele Autofahrer kennen das Gefühl: Für sie ist es schon ein Kreuz mit dem Rücken. Hohes Verkehrsaufkommen und die vielen Staus sorgen dafür, dass wir mehr Zeit im Auto verbringen als uns lieb ist. Laut einer Studie des Versicherers CosmosDirekt sitzt jeder dritte Autofahrer an einem normalen Werktag mehr als eine Stunde hinterm Steuer.

Und das ist nicht gut für unseren Rücken. Denn die meisten Autositze sind für so langes Sitzen gar nicht ausgelegt. Die schmerzhafte Folge: hartnäckige Verspannungen, Rückenprobleme und andere Beschwerden. Durch die Wahl eines ergonomischen Sitzmodells können Autofahrer den Rückenleiden die kalte Schulter zeigen. Immer mehr Hersteller reagieren und bieten ihren Kunden die Möglichkeit, einen rückengerechten Autositz zu wählen. Diese erkennen Verbraucher am Gütesiegel der Aktion Gesunder Rücken (AGR) e. V.

Bevor ein Autositz das begehrte AGR-Gütesiegel tragen darf, wird er von einer medizinischen Expertengremium auf Herz und Nieren geprüft. Und woran erkennt man so einen maßgeschneiderten Sitz? Seine Grundstruktur soll fest sein und die natürliche Form der Wirbelsäule unterstützen, sagen die Experten. Rückenlehne, Sitzfläche und Kopfstütze müssen ausreichend groß bemessen sein. Letztere muss sich optimal auf den jeweiligen Nutzer einstellen lassen.

Auch der Sitz selbst muss sich in seiner Höhe, Neigung und Längseinstellung verstellen und seine Sitzfläche in ihrer Tiefe anpassen lassen. Die Ausstattung mit einer Vier-Wege-Lordosenstütze, die den Bereich des unteren Rückens stabilisiert, ist ebenso Pflicht wie die gute Erreichbarkeit aller Bedienelemente während der Fahrt. Nicht zwingend erforderlich, aber dennoch empfehlenswert sind darüber hinaus weitere Ausstattungsmerkmale wie ein Klimapaket mit Sitzheizung und Ventilationsfunktion, ein verstellbarer Lehnenkopf, einstellbare Seitenwangen an Rückenlehne und Sitzfläche, ein Sitzdynamiksystem, eine Massagefunktion und eine Komfortkopfstütze.

Opel gilt als Pionier für rückenfreundliches Autofahren. Bereits 2003 verbauten die Rüsselsheimer den weltweit ersten Autositz mit AGR-Gütesiegel. 15 Jahre später sind die Sitze in so gut wie jedem Modell verfügbar - auch in der Kompaktklasse.

Auch Mercedes-Benz sagt den Rückenschmerzen den Kampf an. So statten die Schwaben alle Neuwagen auf Wunsch mit rückengerechten Fahrer- und Beifahrersitzen aus. Der Clou: Bei der S-Klasse und der Luxus-Marke Maybach sind sogar die Rücksitze zertifiziert. Und auch im Nutzfahrzeugbereich finden sich im Mercedes-Sprinter rückengerechte Sitze.

Und Volkswagen setzt die ergonomischen Sitze "ErgoComfort" und "ErgoActive" in einer breiten Modellpalette ein. Zudem spendiert VW auch seinen Nutzfahrzeugen wie dem Amarok und dem Crafter zertifizierte Autositze. In einigen Modellen sind nicht nur die Fahrer-, sondern auch die Beifahrersitze zertifiziert.

Peugeot war lange die einzige französische Automarke mit AGR-zertifizierten Sitzen. Neben den Modellen 3008 und 5008 hat auch der neue 508 die rückenfreundlichen AGR-Sitze an Bord. Je nach Bedarf fährt in beiden Modellen nicht nur der Fahrer, sondern auch der Beifahrer ergonomisch.

Als zweiter französischer Hersteller bietet nun auch DS Automobiles, die Premium-Marke des Automobil-Konzerns PSA, im DS 7 Crossback rückenfreundliche Sitze an. In dem sportlichen SUV sind optional sowohl ergonomische Fahrer- als auch Beifahrersitze wählbar.

Der bisher einzige Autohersteller außerhalb Europas, bei dem zertifizierte ergonomische Sitze erhältlich sind, ist Hyundai. In den Premium-Limousinen Genesis G90 und Genesis EQ 900 bieten die Koreaner sowohl Front- als auch Rücksitze auf Wunsch mit dem zertifizierten "Genesis Modern Ergo Seat" an.

Und noch etwas: Ein ergonomischer Autositz ist zwar die Grundvoraussetzung, bietet alleine jedoch noch keine Garantie für rückengerechtes Autofahren, betonen die Experten. Entscheidend ist die Einstellung der Sitze auf die individuellen Bedürfnisse der Autoinsassen, die sich in Größe, Gewicht und Gesundheitszustand stark unterscheiden können. Erst dann sitzt es sich so bequem und geborgen wie in Abrahams Schoß.

Ralf Loweg / mid