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50 Jahre NSU Ro 80 Sonderausstellung zum runden Geburtstag des Mittelklassewagens mit Wankelmotor / Spektakuläre Studien von Bertone und Pininfarina

Technisch eine Ikone - wirtschaftlich ein Flop

Audi widmet einem revolutionären Automobil eine Sonderausstellung im Forum Neckarsulm. Dort, wo der NSU Ro 80 vor 50 Jahren zum ersten Mal vom Fließband lief.

Heute würde man es "Hype" nennen: In der Annahme, er würde den Motorenbau revolutionieren, entstand Ende der 1960er Jahre eine Goldgräberstimmung rund um den Rotationskolbenmotor. Doch wenige Jahre, nachdem der legendäre NSU Ro 80 als prominentester Vertreter dieser Antriebstechnik 1967 auf den Markt gekommen war, wusste man auch in diesem Zusammenhang: Die Revolution frisst ihre Kinder.

Der Ro 80 war technisch eine Ikone, doch wirtschaftlich ein Flop. Die Fusion der Marke NSU mit der Volkswagen-Tochter Auto Union zur Audi NSU Auto Union Aktiengesellschaft im Jahr 1969 war die unausweichliche Konsequenz.

In Neckarsulm hatte man mit Unterstützung des Erfinders Felix Wankel das nach ihm benannte Verbrennungsprinzip zur Serienreife in einem Auto entwickelt. Jetzt fehlte noch ein adäquates Fahrzeug. Das sollte der Ro 80 sein. Seine strömungsgünstige Keilformkarosserie mit flacher Frontscheibe und coupéartig nach hinten abfallender Dachpartie, seine Schräglenkerhinterachse, wo die Konkurrenz noch mit Pendelachse unterwegs war, innenliegende Scheibenbremsen - vor allem aber sein Antrieb mit 115 PS starkem Zweischeiben-Wankelmotor und Dreigang-Halbautomatik lösten bei der IAA 1967 in Frankfurt Begeisterungsstürme aus. Prompt wurde der Neue aus Neckarsulm zum Auto des Jahres gewählt.

Doch der Markteintritt kam zu früh. Man befand sich im Wettrennen mit Mazda. Die Japaner arbeiteten ebenfalls an einem Fahrzeug mit Zweikammer-Rotationskolbenmotor und brachten ihren Sportwagen 110 S Cosmo Sport bereits wenige Wochen zuvor auf den Markt. NSU verlor das Duell, hatte aber den Beifall auf seiner Seite. Zumindest so lange, bis sich bei den Kunden die Kinderkrankheiten einschlichen.

Immerhin hatten diese das kleine Vermögen von 14 150 Mark ausgeben müssen und waren von der Zuverlässigkeit des futuristischen Mittelklassewagens enttäuscht. NSU zeigte sich bei Reparaturen höchst kulant und ließ alle Verbesserungen umgehend in die Produktion einfließen. Doch der Ruf war ruiniert. Hinzu kam, dass NSU in der gehobenen Mittelklasse keine Reputation hatte. Schließlich war das Unternehmen als weltgrößter Zweiradhersteller in den 1950er Jahren zum Kleinstauto-Produzenten aufgestiegen. In diesem gehobenen Segment, wo nur noch BMW und Mercedes vergleichbare Preise verlangten, hatte NSU keine Erfahrung. Das galt auch für das Händlernetz, bei dem einige Werkstätten mit der Ro 80-Technik schlicht überfordert waren. Das Ende kam 1976, nachdem 37 406 Fahrzeuge vom Band gelaufen waren. Von ihnen sind übrigens noch rund 3000 im Einsatz. Acht davon hat sich Audi Tradition gesichert. Fünf dieser Ro 80 durften heuer im Jubiläumsjahr das Museum verlassen, um sich bei verschiedenen Veranstaltungen zu zeigen - unter anderem auch bei der Oldtimer-Rallye "Heidelberg Historic".

Stefan Felber, Kurator für Sonderausstellungen bei Audi Tradition, freut sich, "endlich auch einmal den Ro 80 adäquat präsentieren zu können".

Was Felber in Neckarsulm zusammengetragen hat, sind nicht nur eigene Exponate, sondern auch viele Fahrzeuge aus den Ro 80-Clubs. Besonders stolz ist Felber auf einen NSU Bertone Trapeze, der förmlich in letzter Minute aus Turin an den Neckar gekarrt wurde. Der italienische Designer Bertone hatte sich 1973 einen Ro 80-Motor geholt. Das besonders flach bauende Aggregat ermöglichte ihm die Designstudie eines viersitzigen Mittelmotor-Sportwagens.

Ähnlich spektakulär ist die Pininfarina-Studie aus dem Jahr 1971, die ernsthaft als Nachfolger des schicken NSU im Gespräch war.

Auf die Frage, was denn nach seiner Ansicht vom Ro 80 in die Neuzeit transportiert wurde, fällt Stefan Felber sofort der Audi-Werbeslogan "Vorsprung durch Technik" ein. Er steht heute für die Audi-Philosophie, wurde aber eigentlich zu Zeiten des Ro 80 am Neckar ersonnen.

Wie so Vieles, was später im Volkswagen-Konzern Geschichte geschrieben hat. Beispielsweise der VW K 70, der auf Basis des Ro 80 bei NSU entwickelt wurde, dann aber als Volkswagen auf den Markt kam und über 210 000 Mal verkauft wurde. Er gehört ebenfalls zu den Ausstellungsstücken.

Auch der Audi 50 und der davon abgeleitete erste VW Polo stammten aus der Neckarsulmer Ideenschmiede. Selbst am Welterfolg VW Golf bastelten zwei Ingenieure mit, die kurz davor noch in NSU-Diensten gestanden hatten.

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