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Wenn der Paketbote zweimal klingelt

Archivartikel

Den Zettel hat wohl jeder schon mal in seinem Briefkasten gehabt: Denn der Paketbote klingelte vergebens. Deshalb wartet das Paket nun wahlweise beim Nachbarn, in einer Packstation oder in einer Postfiliale. In vielen Fällen ist das sowohl für den Empfänger als auch den Paketboten mit einem hohen Zeitaufwand verbunden.

2017 haben sie mehr als 3,3 Milliarden Päckchen und Pakete an die Haustüren gebracht - Tendenz steigend. Bis 2021 soll sogar die Vier-Milliarden-Marke geknackt werden. Deshalb zählt bei den Paketboten jede Minute, jeder Handgriff. Um einzelne Prozesse zu beschleunigen, arbeiten Hersteller und Zulieferer permanent an Lösungen.

So stehen bei der ZF Friedrichshafen zum Beispiel die letzten Meter zum Kunden ("Last-Mile-Logistik") im Fokus, indem die Paketzusteller beim Kunden vor Ort unterstützt werden. Der Technologiekonzern bringt die eigenen Kompetenzen für automatisiertes Fahren mit dem rein elektrisch angetriebenen Innovation Van ein, der Empfängerwünsche in Echtzeit berücksichtigt und die effizienteste Zustellroute berechnet. Schließlich haben die Zusteller nur wenig Zeit, umgerechnet höchstens drei Minuten pro Paket.

Wie Paketzustellungen künftig erfolgen könnten, zeigt ZF anhand eines innovativen Lieferfahrzeuges, das eigenständig durch das urbane Umfeld fahren kann und vom Paketboten von außen gesteuert wird: Findet sich vor einer Adresse zum Beispiel kein Parkplatz, kann der Paketbote das Fahrzeug zum nächsten Stopp vorausschicken, wo es selbstständig eine Haltemöglichkeit sucht.

Um jederzeit die effizienteste Zustellroute finden zu können, greift das Fahrzeug auf ein cloud-basiertes Support-System zu, in dem für jedes geladene Päckchen Daten wie der Zustellort und die gewünschte Lieferzeit, aber auch zusätzliche Informationen wie beispielsweise die Haltbarkeit bei verderblicher Ware hinterlegt sind.

"Daraus berechnet der Algorithmus unter Berücksichtigung von Parametern wie Verkehrslage oder Energieverbrauch in Echtzeit die optimale Zustellreihenfolge", sagt Projektleiter Georg Mihatsch. "Das Päckchen sucht sich quasi selbst den besten Weg zum Empfänger - und das Fahrzeug folgt." Der Paketbote erhält diese Informationen über eine Mixed-Reality-Datenbrille. Der Empfänger wiederum hat per App die Möglichkeit, den Weg seiner Sendung nachzuverfolgen, er kann zudem kurzfristig die Zustelldaten ändern.

Daneben hat der Technologiekonzern für Betriebshöfe von Speditionen und von Flug- und Seehäfen sowie auf ähnlichen abgegrenzten Arealen zwei innovative Lösungen entwickelt, einen Hybrid-Lkw und ein Nutzfahrzeug, das als eine Art Shuttle fungiert. Das Rangieren von Wechselbrücken oder Trailern an den jeweiligen Bestimmungsort übernehmen die Fahrzeuge künftig autonom. Damit sollen gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden: Die Steigerung von Effizienz, Tempo und Umweltfreundlichkeit sowie die Reduzierung von Unfällen und Schäden.

Die fahrerlos manövrierenden Transportmittel sollen zudem dazu beitragen, dem stetig wachsenden Fachkräftemangel im Logistikbereich zu begegnen. "Autonome Fahrzeuge, die dank unserer Technologien sehen, denken und handeln können, lassen die Idee der durchweg smarten Logistik auf Betriebshöfen und anderen abgeschlossenen Arealen Realität werden", sagt Fredrik Staedtler, Leiter der Division Nutzfahrzeugtechnik von ZF.

Andreas Reiners / mid