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Zwei Italiener für alle Fälle

Archivartikel

Wie könnte man besser in die Cabrio-Saison starten als mit zwei neuen Modell-Varianten des Fiat 124 Spider? Für alle, die entspanntes Cruisen mit Komfort lieben, bieten die Italiener jetzt den 124 Spider S-Design an. Wer es dynamischer angehen will, findet im Abarth 124 GT das richtige Sportgerät - auch wenn hier die Frischluftzufuhr eingeschränkt ist.

Mit dem Abarth 124 GT wagt Fiat einen Schritt, der sich bei vielen Roadster- oder Cabrio-Modellen in der Vergangenheit als optischer Fehlgriff herausgestellt hat: Der Auto-Bauer verpasst seinem schicken Frischluft-Sportler ein Hardtop. Anstatt wie ein Fremdkörper zu wirken, fügt sich die Carbon-Haube bestens in die Linienführung des Autos ein. Das ist auch gut so, denn es ist werksseitig montiert und quasi die Festdach-Variante des Abarth 124. Zwar lässt sich das 16 Kilo leichte Dach auch entfernen, das dauert mit etwas Übung aber rund 20 Minuten. Da das Hardtop unlackiert bleibt, bekommt der GT eine besonders sportliche Note. Auch Spiegel-Kappen und Frontsplitter sind in Carbon zu haben. Passend dazu sorgt die Sport-Abgasanlage "Record Monza" für einen kernigen Sound, der in diesem Fall nur gedämpft ans Ohr der Insassen dringt. Aber wenn Passanten reihenweise die Köpfe drehen, dann scheinen die vier Endrohre eine entsprechende Wirkung zu haben.

Innen fallen vor allem die eng geschnittenen, schwarz-roten Ledersitze auf, ansonsten ist alles aus den bisherigen 124ern von Abarth bekannt. Auch unter der Haube ist alles beim Alten: Der Vierzylinder Turbo mit 1,4 Liter Hubraum leistet 125 kW/170 PS und beschleunigt den Roadster mit Helm in 6,9 Sekunden auf Tempo 100, Schluss ist erst bei 222 km/h. Zum schnellen Fahren ist der Abarth 124 GT bestens geeignet, was zum einen am sehr straffen Fahrwerk liegt, das Kurvenräubern geradezu verlangt, als auch am Carbon-Dach, welches die Windgeräusche deutlich besser absorbiert als das Stoffverdeck.

Wer es gerne ruhiger angeht und auch auf den nötigen Komfort nicht verzichten möchte, sollte den Abarth 124 GT links liegen lassen und den Fiat 124 S-Design unter die Lupe nehmen. Dessen Herzstück ist ebenfalls ein 1,4 Liter großer Turbo-Benziner mit vier Zylindern, allerdings mit 22 kW/30 PS weniger. In Kombination mit der 6-Stufen-Automatik und dem spürbar weicheren Fahrwerk ist das Auto betont auf Komfort ausgelegt und für echte Sonnenanbeter gedacht, die sich stressfrei und mit Genuss von A nach B bewegen möchten. Dementsprechend fährt der 124 S-Design mit einer umfangreichen Ausstattung vor, zu der unter anderem LED-Scheinwerfer mit Kurvenlicht, das Infotainmentsystem Fiat Connect mit sieben Zoll großer Bildschirmdiagonale, eine Soundanlage von Bose, Lederlenkrad sowie Sportsitze mit Leder-Kunstleder-Kombination gehören. Von außen ist die Modell-Variante an roten Zierstreifen an der Seite mit 124-Schriftzug, der italienischen Flagge am Heck sowie grau lackierten Felgen, Überrollbügel, Frontscheiben-Rahmen und Spiegelkappen als S-Design zu identifizieren.

Spannend ist der direkte Vergleich zwischen Abarth 124 GT und 124 S-Design mit Automatikgetriebe auf der Straße - denn hier zeigt Fiat, wie sich ein Auto komplett unterschiedlich ausrichten lässt. Beide Varianten haben ihren Reiz und sicherlich ihre Berechtigung, da sie ganz unterschiedliche Kundengruppen ansprechen. Eine Empfehlung für den einen oder den anderen abzugeben ist nahezu unmöglich, so verschieden sind diese beiden. Am besten also, wenn die Garage Platz für beide 124er bietet. Das wäre dann allerdings kein ganz billiges Vergnügen: der Abarth 124 GT kostet mit Sechsgang-Getriebe ab 40.900 Euro, der S-Design mit Automatik 35.190 Euro. Und noch einen Haken hat die Sache: Vom GT wird es in Deutschland nur 124 Stück geben. Fans des Hardtops müssen also darauf hoffen, dass Fiat die coole Mütze ins Zubehör aufnimmt. Dann ließe sich in jedem 124 ein bisschen GT-Feeling erleben.

Mirko Stepan / mid