BA-Freizeit

MECKI zu Gast im Odenwald

Archivartikel

Jahrzehntelang begleiteten die „Mecki“-Zeichnungen von Reinhold Escher in der „Hörzu“ Generationen von Kindern. Was dabei die wenigsten wissen: Der Hamburger mit späterem Wohnsitz in der Schweiz hatte auch Verwandtschaft im Odenwald, genauer in Beerfelden. Der Verehrung seiner sieben Jahre älteren Cousine Katharina – auch Käte oder Katl genannt – entsprangen rund 40 Zeichnungen aus seiner Feder.

Sie entstanden vor allem zwischen 1925 und 1934 und befinden sich heute im Besitz von Großnichte Barbara Platt, geborene Escher. „Für mein Kätchen“ steht auf der Mappe, in der Bärbel Platt die malerischen Schätze aus dem Familienbesitz aufbewahrt. Sie sehen so ganz anders aus als der spätere Igel Mecki: Eher expressionistisch, mit Anklängen an Kandinsky oder Dali, grotesk, dekorativ, jedoch auch naturalistisch, zeichnete Reinhold Escher zu Beginn seiner Malerei.

Vater Friedrich, ein Bierbrauer, konnte ihn nicht für das Familien-Handwerk begeistern. Friedrichs Bruder, ebenfalls Reinhold Escher (geb. 1867), zog Ende des 19. Jahrhunderts in die Heimat seiner Frau Maria Engelter aus Beerfelden. Im Odenwald machte der Schlossermeister eine Werkstatt auf, 1898 kam dort Tochter Katharina zur Welt.

Schwärmerei oder Liebe?

Ab 1925 ging Reinhold Escher, ihr Cousin aus dem Norden, mit befreundeten Malern auf Wanderjahre Richtung Schweiz. Der Stopp bei der Verwandtschaft in Beerfelden war eine willkommene Abwechslung. Zum Dank hinterließ Escher in Beerfelden kleine Bilder und schickte in den Folgejahren immer wieder selbstgezeichnete Postkarten. Ob es nun eine Schwärmerei oder doch Liebe war, weiß Bärbel Platt nicht zu sagen. Käte Escher jedenfalls war zeitlebens das „Fräulein“.

Durch die beiden Weltkriege herrschte Männermangel „und es fand sich einfach nicht der Richtige“, wie ihr die 1985 verstorbene Großtante erzählte. Das Wirken des Cousins verfolgte Käte aber durchaus: „Sie hatte die Hörzu abonniert.“ Und auch wenn der Kontakt nach 1935 schwächer wurde, weil Reinhold Escher nach dem Tod des Vaters in Hamburg gefordert war, schlief er nie ganz ein.

„Meiner lieben Käte“ lautet etwa die Widmung in dem Buch „Wichtelhochzeit“, das zu Weihnachten 1949 den Weg nach Beerfelden fand, und auch das Wohnhaus der Verwandtschaft malte Escher. Zwei Originalbilder aus der damaligen Zeit zeigen, wie gut er das Gebäude getroffen hat.

Auf Eschers Tochter Regine Mosimann stieß Bärbel Platt per Zufall: Im Internet stieß sie auf die Seite www.reinhold-escher.com, die von der in der Schweiz lebenden Tochter des Malers betrieben wird. Schließlich brach die bis dato unbekannte Cousine aus dem Odenwald mit einer dicken Zeichenmappe voller Bilder aus dem Nachlass der angebeteten Katharina zu einem Besuch auf.

Reinhold Escher wurde 1905 geboren und erlernte das Zeichnen an der Landeskunstschule in Hamburg. Ab 1929 arbeitete er als Presseillustrator für die Zeitschriften „Nebelspalter“, „Funkwacht“ und den „Hamburger Anzeiger“. Besonders interessierten ihn Tierzeichnungen. Für Sonntagsausgaben zeichnete er Tiergeschichten und Witze sowie eine Vielzahl von Comicstrips.

Nach dem Krieg illustrierte Escher Kinderbücher wie „Die Wichtelhochzeit“ und „Nicks Brautfahrt“ und arbeitete für die Zeitschrift „Kristall“. 1940 heiratete er die Journalistin Gretel Kirchhoff. 1948 wurde er freier Mitarbeiter bei der neu gegründeten „Hörzu“. 1976 setzte sich Escher zur Ruhe und verstarb am 9. Mai 1994 bei Zürich. tom

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