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MOTORRAD-Pionier aus dem Odenwald

Archivartikel

80 Jahre alt wurde am vergangenen Samstag (17.) der Hammelbacher Fritz Röth, der sich einen Namen weit über den Odenwald hinaus gemacht hat: als Urgestein des Motorradfahrens ebenso wie als Motorrad-Multi-Importeur. Die Geburtstagsfeier fand im großen Saal im Gasthaus „Zum Ochsen“ in Hammelbach im Beisein seiner Ehefrau Johanna Röth sowie seiner drei Kinder Martin, Frank und Matthias Röth und deren Familien statt.

Zunächst Tankstelle mit Werkstatt

Aufbauend auf die 1873 von seinem Urgroßvater, dem Schlossermeister Adam Röth, gegründete Schlosserwerkstatt mit Gemischtwarenladen, eröffnete Fritz Röth 1955 in Hammelbach eine Reparaturwerkstatt mit Shell-Tankstelle. Röth reparierte hauptsächlich Motorräder der Marken NSU, aber auch Kreidler, Jawa und Puch. Als Geländefahrer schaffte er es auf NSU, Honda, Jawa und Puch bis zum Hessischen Geländemeister im Jahr 1961.

Anfang der 1960er Jahre holte Fritz Röth als erster Honda-Händler in der Region japanische Innovation in den Odenwald. Von 1965 bis 1971 war er mit seiner Firma Zweirad-Röth erfolgreicher Generalimporteur für Moto-Guzzi in der Bundesrepublik Deutschland. Von nah und fern kamen Motorradfahrer nach Hammelbach, um Ersatzteile zu holen oder an der Schwarzpulver-Rallye teilzunehmen, die Fritz Röth zusammen mit dem Motorjournalisten Ernst „Klacks“ Leverkus aus der Taufe gehoben hatte.

Und sogar ein Weltrekord, der bis heute ungebrochen ist, wurde von Röth auf die Beine gestellt: 1966 brauchte er mit einem Moto-Guzzi V7-Gespann lediglich zwölf Stunden und 25 Minuten, um von Hamburg nach Wien zu kommen.

Insgesamt 40 Marken vertrieben

Von 1971 bis 1976 importierte die Firma Zweirad-Röth ebenso erfolgreich Suzuki-Motorräder in die Bundesrepublik; im Jahr 1974 kamen Ducati und 1977 Laverda hinzu.

Insgesamt waren es über 40 Marken und über 100 000 Motorräder, die die Firma Zweirad-Röth in 50 Jahren erfolgreich über den Firmensitz in Hammelbach in der Bundesrepublik vertrieb. Ein über die gesamte Republik und Berlin (West) verteiltes Netz von 400 Vertragshändlern nahm die Motorräder ab und verkaufte sie an Endverbraucher. In Hammelbach waren in Hochzeiten bis zu 40 Menschen beschäftigt.

„An dieser Stelle“, so Fritz Röth bei seiner Geburtstagsfeier am vergangenen Samstag, „sei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und allen Geschäftspartnern aus 50 Jahren, die entscheidend zum Erfolg des Unternehmens beigetragen haben, ein herzlicher Dank für ihre langjährige Tätigkeit ausgesprochen.“

Pflege des eigenen Museums

Seit sein Unternehmen im Jahr 2006 geschlossen wurde, konzentriert sich Fritz Röth auf sein Motorrad-Museum in Hammelbach, mit dem er an die Geschichte seines Unternehmens und an mehr als 100 Jahre Motorrad-Geschichte erinnert. Diese Form der Traditionspflege, die zu seiner Lieblingsbeschäftigung wurde, zahlt sich weiterhin aus: Nach wie vor kommen Wochenende für Wochenende scharenweise Besucher, um die Geschichte des „Mekkas“ des bundesdeutschen Motorradhandels kennenzulernen. zg

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