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Ganze Welt aus PAPPE

Archivartikel

Alles aus Karton und Klebstoff: Es beginnt bei Mauern und Häusern, dann werden die Bauten komplexer. Aus kleinen Bötchen etwa werden Schiffe – bis hin zum Schlachtschiff. Ganze Ortschaften sind zu bestaunen. Im Rahmen des 31. Internationalen Kartonmodellbautreffens sind von heute (3.) bis Sonntag (5.) im Technoseum reihenweise Modelle in Miniaturform zu bewundern.

Im letzten Jahr fand das Treffen erstmals im Technoseum statt. Zuvor beheimatete das Deutsche Schifffahrtmuseum (DSM) Bremerhaven die Ausstellung. Seit 1998 heißt das Mannheimer Museum regelmäßig Kartonmodellbauer bei sich willkommen, und so fand der Internationale Verband „schnell eine neue Heimat“, wie der Mannheimer Werner Winkler (71)sagt.

Er ist Kartonmodellbauer, hat bereits mit elf Jahren damit angefangen. Sein Cousin habe ihn mit Papierschiffchen inspiriert. „Aus einem Papier eine dreidimensionale Figur zu formen, ist eine beeindruckende Sache.“

Im Technoseum sind auch Winklers Werke zu sehen, die meisten im Maßstab 1:250. Er spezialisiert sich auf Schiffe, besonders auf Marine- und Kriegsschiffe. Dafür gibt es einen einfachen Grund: „Bei Linienflugzeugen etwa haben sich die Firmen sofort gemeldet und Kosten wegen der Verwendung der Logos eingefordert“, erklärt Winkler. Beim Militär sei das nicht der Fall.

Von der Idee über die Planung der Kartonbögen bis hin zur Fertigstellung des Modells brauche es mehrere Monate, so Winkler, „teilweise auch ein Jahr“. Zusammen mit vier Kollegen betreibt er den Mannheimer Modellbaubogen-Verlag. Dort werden Baupläne von existierenden Konstruktionen und Fahrzeugen in zweidimensionale Zeichnungen umgeformt und anschließend auf Kartonbögen gedruckt. Alles Weitere läuft von Menschenhand.

„Früher war Plastik keine Option – viel zu teuer. Es gab sogar richtige Läden für den Kartonmodellbau“, erinnert sich der 71-Jährige. „Heutzutage hat das Hobby eher ein Nischendasein.“ Immer weniger Menschen interessierten sich für die handwerkliche Beschäftigung. Einige würden wohl damit beginnen, so Winkler, doch häufig scheiterten sie an der Zeit, die investiert werden müsse. Die Altersgruppe ab 50 finde Freude am Bauen mit Kartonage. Doch „so langsam bricht der Kreis altersbedingt weg“. Ausstellungen mit Vorträgen und Workshops – wie jetzt in Mannheim– helfen dabei, Kinder und junge Erwachsene für das Hobby zu begeistern. „Wenn wir von 100 Jugendlichen auch nur einen dafür begeistern können, dieses Hobby aufzunehmen, haben wir einen großen Gewinn gemacht.“ jeb

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