BA-Freizeit

Göttliche SPHÄREN

Noch bis 22. Juli ist Altarmalerei vom Mittelrhein aus dem 13. bis 16. Jahrhundert im Hessischen Landesmuseum Darmstadt zu sehen. Gezeigt werden 14 Altaraufsätze, Retabelfragmente sowie Einzeltafeln, die beispielsweise aus Worms, Friedberg und Seligenstadt in die Darmstädter Sammlung gelangten. Sie entstanden zwischen 1260 und 1505 und wurden, wie die Forschung der letzten Jahrzehnte zeigt, in den damaligen Kunstzentren der Mittelrheinregion Koblenz, Mainz, Frankfurt und Worms gefertigt.

Für die Präsentation wurden die Altarretabel, die zum kostbaren Kernbestand der Darmstädter Sammlung gehören, entsprechend ihrer Entstehungszentren neu gruppiert. Die Besucher können sie durch spannungsreiche Blickbezüge, Rekonstruktionszeichnungen, kunsttechnische Kopien und mediale Inszenierungen wieder neu entdecken. Verschiedene Leihgaben stehen im direkten Werkzusammenhang mit den Darmstädter Stücken und ergänzen die Schau.

Funktionen im Gottesdienst

Die Ausstellung zeigt eine heute fremd erscheinende Bildwelt. Zugleich deckt sie auf, was die Retabel den Menschen in ihrer Entstehungszeit bedeuteten. Im Spätmittelalter besaßen die musealen Kunstwerke Funktionen im Gottesdienst und für die Frömmigkeit der Gläubigen. Gottesdienste führten Mensch und Gott, Erde und Himmel zusammen.

Mit dem Himmel verband man das Jenseits und ewiges Leben bei Gott. Theologen wie Laien sahen das Himmelreich bevölkert von Engeln und Märtyrern die in göttlicher Ordnung um Jesus, Maria und die Apostel, versammelt waren. Die Altartafeln zeigen die göttliche Sphäre in leuchtenden Farben und spiegeln bis ins Material hinein die theologischen Vorstellungen der Zeit wider.

Für die Ausstellung wurden Kerzenlichtfilme produziert, die eine Ahnung davon vermitteln, wie die Menschen damals die Werke wahrnahmen. Die in leuchtenden Farben aufgemalten Darstellungen erhielten ein Eigenleben innerhalb der reliefierten und punzierten Goldgründe – Materielles wurde immateriell und transzendent.

Genau vor 200 Jahren erließ Museumsgründer Großherzog Ludewig I. (1753-1830) auf Initiative des Darmstädter Architekten Georg Moller (1784-1852) im Großherzogtum Hessen-Darmstadt das erste Denkmalschutzgesetz Deutschlands. Angeregt durch diese Verordnung gelangten primär im Laufe des 19. Jahrhunderts zahlreiche Ausstattungsstücke aus Kirchen und säkularisierten Klöstern Hessens und der Mittelrheinregion in die großherzogliche Galerie.

„Der altdeutsche Tafelmalereibestand in Darmstadt ist von überragendem Niveau“, so die Ausstellungsmacher. 2013 bis 2018 wurden die Mittelrheinwerke im Kontext des gesamten altdeutschen Tafelmalereibestandes von 79 Werken erstmals systematisch kunsthistorisch und kunsttechnologisch untersucht. In der zweiten Jahreshälfte werden die Ergebnisse in einem gedruckten Bestandskatalog vorgelegt. zg

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