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Kulturgemeinde ist FINANZIELL AM ENDE

„Unsere finanzielle Situation ist angespannt, jedoch in Anbetracht vieler neuer Ideen nicht hoffnungslos.“ Das sagte die Vorsitzende der Kulturgemeinde Weinheim, Angelika Keßler-Hauß, vergangenen Sommer im Rahmen eines Bilanzgesprächs. Doch nun ist es amtlich: Der Verein ist finanziell am Ende.

Die Folgen sind drastisch

Der Theaterbetrieb kann trotz eines auf 150 000 Euro erhöhten städtischen Zuschusses – darin enthalten ist u. a. die Finanzierung der Geschäftsführerstelle – nicht mehr aufrechterhalten werden, die finanziellen Lasten sind nicht mehr zu stemmen. Die Kulturgemeinde verfügt über keine Rücklagen mehr. Sämtliche Überschüsse, Spenden und das Vermächtnis von Dieter Freudenberg in Höhe von 50 000 Euro wurden in den laufenden Betrieb eingebracht und sind aufgebraucht.

Die Folgen sind drastisch: Der ehrenamtlich arbeitende und persönlich haftende Vorstand des Vereins erwägt die Auflösung, um so einer drohenden Konkursverschleppung vorzubeugen. Eine Entscheidung soll bis Februar getroffen werden.

Helfen könnte eine Ausfallbürgschaft der Stadt Weinheim in Höhe von 40 000 Euro für die Spielzeit 2019/20. Damit verknüpft ist ein Übernahmekonzept bis Herbst 2020, das Stadt und Kulturgemeinde gemeinsam erarbeiten, um in Weinheim auch weiterhin ein entsprechendes Kulturangebot anbieten zu können. Das bedeutet, dass die Aufgaben der Kulturgemeinde in die Hoheit der Stadt Weinheim übergehen würden. Hierüber entscheiden muss der Gemeinderat.

Konkurrenz in gesamter Region

Es ist ein schleichender Tod, der die Kulturgemeinde ereilt und sich seit Jahren abzeichnet. Die Besucherzahlen im freien Verkauf sind trotz gleichbleibendem Niveau des Angebots rückläufig, die Aboverluste aufgrund von Überalterung können immer weniger ausgeglichen werden; das Angebot eines Jugendabos wurde von keiner der angeschriebenen 25 Schulen der Umgebung angenommen.

Zusätzlich stellen externe Veranstalter mit ähnlichen Angeboten eine große Konkurrenz dar, von dem vielfältigen kulturellen Angebot in der Region ganz zu schweigen.

Hinzu kommt, dass jedes Jahr von Beginn an 15 000 Euro fehlen, da das Stadthallenmanagement nicht mehr durch den Geschäftsführer der Kulturgemeinde erledigt wird. Auch die Verpflichtung der jeweiligen Tourneetheater wird nicht günstiger – für die kommende Spielzeit sind 200 000 Euro angesetzt. Ein Drama schlägt beispielsweise mit fast 10 000 Euro zu Buche, eine Operette mit 13 500 Euro; eine Komödie für 8600 Euro ist dabei fast schon ein „Schnäppchen“.

Nun geht es um die grundsätzliche politische Entscheidung, ob dieses Kulturgenre auch weiterhin in Weinheim angeboten werden soll. Das bedeutet die Erarbeitung einer komplett neuen Struktur unter dem Dach der Stadt Weinheim und muss nicht nur im Gemeinderat, sondern vorab auch im Kulturausschuss beraten werden. Eng verbunden ist damit wohl auch ein nachhaltiges Nutzungskonzept für die Stadthalle.

Damit all dies auf den Weg gebracht werden kann, benötigt die Kulturgemeinde aktuell die Ausfallbürgschaft der Stadt, damit die Verträge für die Spielzeit 2019/20 überhaupt abgeschlossen werden können. Sollte dies scheitern, würde das den Wegfall des Theaterangebots der Kulturgemeinde in der Stadthalle und die Auflösung des Vereins bedeuten.

Betroffen ist auch der Kammermusikverein Weinheim, der sozusagen eine Abteilung der Kulturgemeinde darstellt. Ob Susanne Müller auch künftig Konzerte mit Streichquartetten von internationalem Format in Weinheim anbieten kann, steht noch in den Sternen. „Wir müssen die Entscheidung zur Kulturgemeinde abwarten. Diese Konzertsaison läuft noch wie geplant“, sagt sie.

Etwas Hoffnung gibt es dennoch, wie der städtische Pressesprecher Roland Kern auf Anfrage mitteilt: Auch wenn sich die Kulturgemeinde als Verein auflösen sollte, werde das nicht das Ende des Theaters in Weinheim sein. sf

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