BA-Freizeit

Mit Reh und Eule zu EM-SILBER

Archivartikel

Schon als kleines Mädchen entdeckte Maria Trautmann aus Birkenau ihre Vorliebe für den Wald – sie liebte die Natur und beobachtete gerne Wildtiere und Vögel. Das kleine Mädchen von einst ist heute 22 Jahre alt und beendet bald ihre Ausbildung zur Tierpräparatorin in Bochum. Ihr Handwerk beherrscht sie aber schon jetzt meisterhaft: Bei den Europameisterschaften der Tierpräparatoren in Salzburg errang sie mit dem Objekt „Rehbock mit Waldohreule“ 88 von 100 möglichen Punkten und damit den zweiten Platz.

Nur zwei Punkte fehlten zum Sieg. Monatelang war sie für diesen Erfolg an jedem Wochenende zwischen Birkenau und Bochum hin und her gependelt und viel auf sich allein gestellt. „Ich bin sehr stolz auf mich“, sagt die 22-Jährige – und das kann sie auch sein, denn bei der EM hat sie sich gegen mehr als 350 eingereichte Exponate von über 150 Teilnehmern aus ganz Europa durchgesetzt.

Der Zufall stand Pate

Bei der Berufswahl stand Maria Trautmann der Zufall Pate. Nach dem Fachabitur an der Martin-Luther-Schule in Rimbach suchte sie nach einem Ausbildungsberuf. „Doch irgendwie fand ich nicht das Richtige“, blickt sie auf diese Zeit zurück. Erst durch einen Freund, der bei einem Präparator ein Praktikum machte, wurde sie auf diesen Beruf aufmerksam und fand letztendlich zu ihrer Passion. „Das ist mein Beruf, dabei fühle ich mich wohl und sicher“, sagt Trautmann.

Die dreijährige Ausbildung zur Tierpräparatorin begann sie auf einer Fachschule in Bochum, die einzigartig in Europa. Auf dem Stundenplan stehen klassische Fächer wie Mathematik, Deutsch, Englisch, Religion, Politik, Biologie und Wirtschaftslehre, aber auch Anatomie und Werkstoffkunde. Genau diese Kombination hat die Birkenauerin an ihrem Beruf fasziniert: „Die Mischung aus Biologie und Chemie, Handwerk und Kunst macht den besonderen Reiz dieses Berufes aus.“ Potenzielle Kunden sind beispielsweise Museen, die präparierte Tierkörper ausstellen. Aber auch als Lehrmaterial an Schulen und Universitäten sind die Objekte geeignet. Jäger lassen sich Trophäen anfertigen, Tierhalter Präparate ihre verstorbenen Lieblinge.

Der Vorgang des Präparierens ist hoch kompliziert und bedarf einer Menge Geduld und Fingerfertigkeit. Mit dem klassischen „Ausstopfen“, wie man diese Arbeit landläufig nennt, hat das Ganze nichts mehr zu tun. Vielmehr gilt es zunächst, eine ganze Reihe von Hygienevorschriften zu beachten. So muss der Raum, in dem die Präparation stattfindet, möglichst kühl gehalten werden, während der Arbeit trägt der Präparator einen Schutzanzug.

Das Wichtigste: Gearbeitet wird im Wesentlichen nur mit dem Fell, inklusive der Hufe oder Krallen sowie gegebenenfalls mit dem Geweih. Der Rest wird verwertet oder entsorgt. Vor der eigentlichen Arbeit wird das Tier vermessen. Danach wird das Fell eingesalzen oder tiefgefroren, um Bakterien zu vernichten, die sonst das Gewebe zerstören könnten. Im nächsten Schritt geht das Fell an eine spezialisierte Gerberei, von denen es in Deutschland nur noch wenige gibt.

Formen aus dem Fachhandel

Nach frühestens sechs Wochen kommt das bearbeitete Fell zurück. In der Zwischenzeit wird der Tierkörper möglichst exakt aus Holzwolle nachempfunden, viele Tierformen in verschiedenen Körperhaltungen gibt es auch im Fachhandel zu kaufen. Damit die Form mit den ermittelten Maßen übereinstimmt, muss sie bearbeitet und manchmal auch geändert werden.

Wenn all diese Vorgänge beendet sind, kommt das Fell auf die Plastik zurück, die Form wird gegebenenfalls nachgebessert und das Fell zusammengenäht. Gibt es ein Geweih, wird dieses nun angebracht. Anschließend wird das Gesicht aus Ton modelliert und mit Fell bezogen. Dann wird das Tier in seiner Umgebung in Szene gesetzt. „Das ist die eigentliche Kunst“, sagt die Birkenauerin.

Mit Ästen und Blättern entstehen möglichst lebhafte Szenerien, die Materialen stammen ausschließlich aus dem Odenwald. Abschließend wird das Objekt noch koloriert, so dass ein realistisches Gesamtbild entsteht. Maria Trautmann ist sich sicher, dass sie für sich den richtigen Beruf ausgewählt hat. Ihr Traum: „Eine eigene Werkstatt im Odenwald.“ MB/ü

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