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Kulturgemeinde Derzeit berät der Gemeinderat über die weitere Förderung / Mit Ende der Spielzeit 2020/21 soll das Kulturprogramm auf anderen Beinen stehen

Neues Kulturkonzept für Weinheim

Archivartikel

In Weinheim geht es derzeit um die Zukunft der Kulturgemeinde. Dazu gab es jetzt eine Debatte im Gemeinderat, die auch Angelika Keßler-Hauß, die Vorsitzende der Kulturgemeinde, und Geschäftsführer Martin Grieb im Publikum verfolgten. Nach der Entscheidung des Gemeinderates, ihrem Verein eine weitere Finanzhilfe in Höhe von gut 92 000 Euro für die laufende Spielzeit 2019/20 zu gewähren, war der Vorsitzenden die Erleichterung deutlich anzumerken.

Seit Wochen schon ist sie in Gesprächen über ein neues Kulturkonzept der Stadt Weinheim eingebunden. Es gäbe eine Menge guter Ideen. Jetzt könne man das Konzept auch weiter voranbringen. Ein solches hätte Holger Haring, Vorsitzender der CDU-Fraktion, gern schon längst vorliegen gehabt: Spätestens als der Gemeinderat bereits im vergangenen Jahr zu seinem ohnehin im Haushalt verankerten Zuschuss für die Kulturgemeinde in Höhe von 150 000 Euro weitere 40 000 Euro als Rettungsschirm genehmigt hatte, sei es an der Zeit gewesen, schnellstens ein tragfähiges neues Konzept für Kultur unter städtischer Regie vorzulegen.

„Wir brauchen Theater“

„Der seit Jahren zu registrierende Besucher- und Abonnementrückgang bei Vorstellungen der Kulturgemeinde ist Fakt“, sagte Haring, der die Bedeutung eines solchen Kulturangebotes in Weinheim grundsätzlich nicht infrage stellt. „Wir brauchen Theater“, sagte Frieda Fiedler von den Grünen/Alternative Liste, „Kultur gibt’s nicht umsonst“ Oliver Kümmerle von den Freien Wählern. Sie signalisierten in ihren Beiträgen für die Fraktionen die Bereitschaft, für Kultur auch öffentliche Gelder bereitzustellen.

Die Entwicklung der Besucherzahlen in den Spielzeiten der Kulturgemeinde Weinheim hat dieses wohlwollende Verhalten der Weinheimer Gemeinderäte indes schon seit vielen Jahren reichlich strapaziert. Insbesondere Inszenierungen mit anspruchsvolleren Inhalten gingen vor dünn besetzten Besucherreihen über die Bühne.

„Wie soll es eigentlich unterm Strich besser werden?“, fragte Carsten Labudda von den Linken in die Runde. Auch er hält ein Theaterangebot in Weinheim für wichtig, aber weil er keine Besserung erkennen kann und auch ihm längst ein Konzept fehlt, das positive Signale setzt, hat er das Vertrauen in das Angebot verloren. „Wir lehnen es ab, nochmals 92 000 Euro zu versenken“, sagte Labudda. Zwei Gegenstimmen der Linken waren die Folge bei der anschließenden Abstimmung.

Auch Stella Kirgiane-Efremidou (SPD) hatte die Hilferufe nicht überhört, die vom Verein gekommen waren. Sie gab zudem zu bedenken, dass auch der Kammermusikverein Weinheim mit seinem qualitativ hochwertigen Angebot mit der Kulturgemeinde verbunden ist und in einem neuen Kulturkonzept berücksichtigt werden muss.

„Menschen sollen sich in Weinheim Kultur auch leisten können“, sagte die Fraktionsvorsitzende. Sie sei gespannt auf die April-Sitzung des Kulturausschusses, in der das neue Konzept endlich vorliegen soll, und hoffe auf einen guten gemeinsamen Weg, den es hoffentlich aufzeige. Doch zunächst einmal war es bei der Sitzung des Gemeinderats notwendig, nochmals die „bittere Tatsache“ zu schlucken, wie Wolfgang Wetzel von der FDP sagte, und weitere 92 100 Euro zu genehmigen.

Günter Deckert von der Deutschen Liste sah einen Grund für die Misere unter anderem darin, dass Deutschlehrer heutzutage ihre Schüler nicht mehr mit einem Theaterbesuch für das Kulturangebot begeisterten. Außerdem könnten Kontakte zu Unterstützern wie der Hopp- oder der Hector-Stiftung weiterhelfen, schlug Deckert vor.

An das von allen dringend geforderte Weinheimer Kulturkonzept hat auch Oberbürgermeister Manuel Just hohe Ansprüche. „Unter anderem muss es klären, wie viele Veranstaltungen es künftig geben und welche Nischen das städtische Angebot belegen soll“, sagte er. Fest stehe vor allem, dass die 1,6 Stellen der Kulturgemeinde ins städtische Personal übernommen werden müssen. Derzeit gleicht die Kulturgemeinde diese Personalkosten in Höhe von 110 000 Euro aus, sozusagen eine Refinanzierung des ohnehin hohen städtischen Zuschusses.

Kooperationen denkbar

Auch in den nächsten Wochen wird Angelika Keßler-Hauß häufiger im Rathaus sein, um bei der Erstellung des Kulturkonzeptes mitzuwirken. Die Kulturgemeinde wird noch einige formale Schritte unternehmen müssen, um sich mit Ende der wohl schon abgespeckt geplanten Spielzeit 2020/21 aufzulösen. Theater in der Stadthalle soll es auch darüber hinaus geben, etwa eine Mischung aus Tourneetheater und Aufführungen in Kooperation mit hiesigen Theaterprojekten und Schulen. dra

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