BA-Freizeit

Regionalgeschichte Georg Frohna ließ die Geschichte der Hölzerlips-Bande im Odenwald aufleben

Räuber, die für manche Helden waren

Archivartikel

Bergstraße.Lustig ist das Räuberleben – juchhei. So lustig war es nicht, was gestandene Männer um das Jahr 1800 in die Wälder, in Verstecke getrieben hat, um sich von da aus durch Überfälle, Raub und Diebstahl so etwas wie ein Überleben zu sichern, für sich, ihre so genannten „Beischläferinnen“ und ihre Kinder.

Georg Frohna, ehemaliger Schullehrer, wohnhaft in Hornbach, Mitglied der Geopark-vor-Ort-Begleiter Weschnitztal, hat diese Zeit und die Geschehnisse, die Geschichte der „Räuber im Odenwald“ akribisch recherchiert, jede Menge Dokumente aufgespürt und sie so spannend „wie ein Räuberleben“ jetzt bei einem Vortrag in der Alten Schule in Bonsweiher mit einem Bild-Vortrag dargelegt.

Im Mittelpunkt standen die belegten Vorgänge um die Hölzerlips-Bande, die vom Katzenbuckel, der höchsten Erhebung im Odenwald, bis an die Bergstraße ihr Unwesen getrieben hat. An dieser Formulierung scheiden sich schon die Geister, wie die anschließende Aussprache bestätigte. Werden die Räuber von einigen idealisiert als „Freiheitskämpfer und Volkshelden“, so sehen andere doch zuvorderst ihre Straftaten an Mitmenschen, auch den Raub an den ehrlichen, fleißigen, armen Bauersleut.

„Wild-Leut-Häusel“ auf der Tromm

Frohna hat die Ereignisse im Odenwald belegt, ihre Zeugnisse aufgespürt, über Gemälde, Zeichnungen, vor allem Textauszüge dokumentiert, mit Landkarten unterlegt. Es gibt noch heute Zeugnisse in der Natur des wilden Räuberlebens, so das „Wild-Leut-Häusel“ auf der Tromm. Auch dessen Lage ist im Kontext der ganzen Geschichte zu sehen.

Mussten nämlich Reisende „unten im Weschnitztal“ beispielsweise mangels Brücken und Stegen durch die Nebenbäche der Weschnitz waten, um weiterzukommen, sich nasse Füße holen, kamen sie auf dem Höhenweg von Frankfurt nach Stuttgart, der auch über die Tromm führte, trockenen Fußes weiter. Dort siedelten sich die Räuber in den Klüften der Felsen an.

Überhaupt stellt Frohna die Geschichte der Räuber im Odenwald und insbesondere der berühmt gewordenen Hölzerlips-Bande in den Kontext der Zeit, in die sozialen, politischen Verhältnisse und in die historischen Gegebenheiten.

So spielte die Kleinteiligkeit der Fürstentümer bis zur von Napoleon im Jahr 1806 durchgeführten Reform im Odenwald eine große Rolle – auch für die Räuber. Mit wenigen Schritten kamen sie über die Landesgrenze und entkamen damit ihren Häschern.

Frohna schilderte die Ereignisse rund um die Hölzerlips-Bande, die Eigenarten der Persönlichkeiten, ihre Werkzeuge und Möglichkeiten, die Geschichten um die Gauner-Zinken spannend wie eine Kriminalgeschichte. Akribisch vollzog Frohna den Weg der Bande vom Katzenbuckel über Schimmeldewog, Weiher, die Juhöhe, Ober-Laudenbach bis nach Hemsbach nach, wo sie in der Nacht zum 1. Mai 1811 die Postkutsche mit dem Schweizer Geschäftsmann Jacob Rieter überfielen. Der Geschäftsmann erlag fünf Tage später seinen Verletzungen.

Der Referent rätselt – wie so viele Forscher –, ob dies auf den Schlag auf die Nase mit dem Pistolenknauf durch Räuber zurückzuführen ist, oder auf den vom Ermittlungsrichter Ludwig Pfister angeordneten Krankentransport des Verletzten. Die Behörden von damals werteten den Zwischenfall als Mord. Das besiegelte das Schicksal der Räuber.

Alles andere ist Geschichte: die Festnahme von Veit Krämer in der Nähe von Babenhausen, sein Verrat, die Festnahme seiner Kumpane, das Blutgericht auf dem Marktplatz in Heidelberg bei der Heilig-Geist-Kirche und die Hinrichtung unweit der Bergheimer Straße, wo heute die Autobahn verläuft . . .

Den Besuchern des Vortrags blieb das Gefühl, dass sich in ihrer Gegend, an ihrem Wohnort große Geschichte abgespielt hat. Frohna ermahnte, die Begebenheiten wie Schätze zu hüten und weiterzugeben. Es bleibt, auf die letzten mahnenden Worte des Mannefried, des geistigen Kopfes der Bande, hinzuweisen: „Die Armut, die war freilich schuld . . .“ mk

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