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Von Birkenau in die USA

Drei Birkenauer Ansichtskarten aus den Jahren 1906 bis 1914 wurden an Auswanderer in die USA geschrieben – genauer an Elisabeth Weber in Sacramento, Kalifornien. Eine davon zeigt zwei ungewöhnliche Perspektiven von Birkenau vor über 100 Jahren. Zu erkennen ist zum einen die 1741 gegründete Ziegelei Stief, die 200 Jahre lang Ziegel für den Ort herstellte.

Im Hintergrund ist schemenhaft die Hauptstraße zu sehen, die erst allmählich bebaut wurde. Noch in den 20er Jahren hatten sich die Birkenauer über die unbefestigte Straße und die damit verbundene „Staubplage“ beschwert: „Hunderte Menschen müssen täglich Unmengen von Krankheitserregern einatmen. An einem Sonntag sind in einer Mittagsstunde 98 Autos und 135 Motorräder gezählt worden.“

Das elektrische Licht kommt

„Nächstes Jahr (1910) bis Juni oder Juli bekommen wir auch elektrische Straßenbeleuchtung“, vermerkt Anna Kadel. Stromlieferant war Heinrich Müller aus Reisen, der mit der Gemeinde Birkenau einen Konzessionsvertrag abschloss. Wie der evangelische Pfarrer Karl Strack damals vermerkte, sollten auch Pfarrhaus und Kirche im gleichen Jahr elektrisches Licht bekommen.

„Die Installationskosten im Pfarrhaus mit 197 Mark trug die Kirchengemeinde, die Kosten für die Beleuchtungskörper trug mit 200 Mark der Pfarrer. In der Kirche bekamen nur die Kanzel und Sakristei elektrisches Licht. Die Kosten hierfür beliefen sich auf 93 Mark“, so der Pfarrer.

Die andere Karte zeigt die sogenannte „Emiche Brücke“, deren Vorgänger vom Weschnitz-Hochwasser 1732 weggespült worden war. Der evangelische Pfarrer Heinrich Hallenbauer schilderte dies so: „Nach vier Uhr kamen die Bäume vom Schafsteg, dann auch von der Brücke von Reisen, desgleichen eine ganze Wand und Giebel von einer Scheuer zu Mörlenbach.“

Ferner wurden „viele Klötzer, Planken und anderes Holz, etliche Wagen voller Kürbisse, Rüben und Kraut angetrieben, welches sich alles am Zentsteg anlegte und darauf solchen aus dem Fundamente mit seinen sehr starken, steinernen Pfeilern fortriss“. Auch der Galgen, Zeichen der Ortsgerichtsbarkeit, wurde zerstört. Erst Jahre später wurde die Brücke so wieder erbaut, wie sie auf der Karte zu sehen ist.

Die Karte zeigt außerdem das Kriegerdenkmal der 1870/71 gefallenen Birkenauer und dahinter die wamboltische Remise, die kürzlich umgebaute Emich-Mühle, die ehemalige Gastwirtschaft „Zum Engel“ und dahinter den Kirchturm der 1819 geweihten katholischen Kirche.

Auf der dritten Karte schrieb Pfarrer Strack am 26. Januar 1914: „Das ist ja ein schönes Häuschen, das Ihr da habt, und was für eine prachtvolle Kirche. Bei mir und meiner Frau geht es noch gut. Die Arbeit in der Kirchengemeinde wird immer mehr. In den letzten drei Wochen haben wir es sehr kalt gehabt.“ Günter Körner/ü

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